Martin Schindler ist beim German Darts Grand Prix mit einem Arbeitssieg in die zweite Runde eingezogen. Die deutsche Nummer eins setzte sich am Sonntagabend im Zenith München mit 6:4 gegen Brendan Dolan durch – spielerisch blieb jedoch noch Luft nach oben. Mit einem Average von 87 Punkten war es vor allem ein Erfolg über Kampf und Erfahrung.
Gerade deshalb ordnete Schindler seinen Auftritt realistisch ein. „Mich freut es natürlich, gewonnen zu haben. Ich weiß, dass ich mich spielerisch steigern muss – aber ich habe auch das Gefühl, dass ich es werde“, sagte Schindler im Exklusiv-Interview mit Dartsnews.de (YouTube).
Zwischen fehlender Selbstverständlichkeit und Vertrauen ins eigene Spiel
Aktuell fehle ihm noch die Leichtigkeit, die ihn in den vergangenen beiden Jahren zu einem der konstantesten Spieler der European Tour gemacht hatte. „Ich habe gerade nicht die komplette Selbstverständlichkeit, das ans Board zu bringen“, erklärte Schindler offen.
Martin Schindler kämpft sich beim German Darts Grand Prix mit einem 6:4-Arbeitssieg gegen Brendan Dolan in die nächste Runde
Dabei fühlt sich sein Spiel intern stabiler an, als es die Ergebnisse zuletzt vermuten ließen. „Am Practiceboard habe ich das Gefühl, dass ich einen richtig guten Touch habe und das Spiel in den Fingern und im Arm steckt. Ich muss es nur auch zeigen und rüberbringen. Trotzdem: Das war heute ein guter kämpferischer Sieg – und morgen geht’s weiter.“
Diese Einschätzung passt zu einem Saisonstart, der für Schindler ungewohnt holprig verlief. In den vergangenen Jahren kannte seine Entwicklung praktisch nur eine Richtung: steil nach oben. European-Tour-Titel, ein Triumph auf dem Floor und der Sprung bis auf Rang 16 der Weltrangliste hatten ihn endgültig in der erweiterten Weltspitze etabliert. Doch zum Auftakt ins neue Jahr geriet dieser Trend ins Stocken.
Schindler reagiert auf Players-Championship-Saisonstart
Besonders prägend war dabei seine Auftaktniederlage auf der Pro Tour, als er sein erstes Match mit 0:6 und einem Average von lediglich 65 Punkten verlor. „Beim ersten Players Championship habe ich gemerkt, dass ich überhaupt nicht ich selbst war“, sagte Schindler rückblickend. „Ich konnte drehen und wenden, was ich wollte – ich war überhaupt nicht Herr der Lage. Da hat, glaube ich, nur noch der Körper funktioniert, und der Kopf war wie zwei Meter daneben.“
Zusätzliche Rückschläge erschwerten den Start weiter. Krankheitsbedingt musste Schindler anschließend auch Players Championships 3 und 4 absagen – ein Moment, der ihn spürbar zurückwarf. „Das hat mir persönlich sehr wehgetan, weil ich diesen Kickstart direkt haben wollte“, erklärte er. „Dann hast du dieses wirklich blöde und beschissene Spiel zum Auftakt – das war einfach nicht gut und hat mir überhaupt nicht gefallen – und danach musste ich auch noch die nächsten Turniere absagen. Da habe ich gemerkt: Das hat mir zu schaffen gemacht.“
In der Folge versuchte Schindler die Trendwende zu erzwingen: „Dann wollte ich das überkorrigieren, auf der European Tour und bei den nächsten Events. Das ist eine Situation, mit der muss ich mich erst einmal zurechtfinden.“
Trotz der Rückschläge bleibt Schindler ruhig, hält an seinem Weg fest und blickt weiterhin entschlossen nach vorn. „Trotzdem: Auch wenn ich gerade in einer blöden Phase stecke, sind die Zahlen insgesamt eigentlich okay. Ich hole immer noch ein paar Siege und verliere nicht alles. Wir sind noch lange nicht am Ende – und weiter gehts.“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.