„Ich will dieses Etikett loswerden, noch keinen großen Titel gewonnen zu haben“ – Luke Woodhouse setzt mit einem 108er-Average in der Auftaktpartie bei den World Masters ein Ausrufezeichen

PDC
Samstag, 31 Januar 2026 um 15:30
Luke Woodhouse (2)
Luke Woodhouse benötigte nur wenige Minuten, um bei den Winmau World Masters 2026 ein deutliches Zeichen zu setzen. Bei seinem ersten Auftritt auf der großen Bühne des traditionsreichen Turniers ließ der Engländer keinen Zweifel daran, mit welchen Ambitionen er in die neue Saison startet. Mit einem klaren 3:0-Satzsieg gegen Martin Schindler und einem Average von über 108 Punkten zog Woodhouse souverän in die zweite Runde ein.
„Brillant“, sagte Woodhouse nach dem Auftaktsieg beim Winmau World Masters sichtlich zufrieden. „Jeder Spieler will gut in ein neues Jahr starten. Und so ein Auftakt fühlt sich natürlich großartig an.“ Für den Engländer war es mehr als nur ein Sieg.

Zweifel nach der Pause – und eine klare Antwort auf der Bühne

So überzeugend das Ergebnis am Ende auch wirkte, selbstverständlich war dieser Erfolg keineswegs. Für Woodhouse bedeutet das World Masters die erste echte Bewährungsprobe seit der Weltmeisterschaft. Eine lange Pause lag hinter ihm, und mit ihr kamen auch Zweifel. „Es ist eine etwas seltsame Situation“, erklärte er offen. „Das ist mein erstes Match auf einer großen TV-Bühne seit der WM. Du weißt dann einfach nicht genau, wo du stehst.“
Luke Woodhouse (2)
Luke Woodhouse trifft in der zweiten Runde auf Luke Humphries.
Der Turnierkalender hatte in den Wochen zuvor kaum Orientierung geboten. Rund einen Monat lang standen keine regulären Wettkämpfe an. „Ich habe ein Exhibitionturnier gespielt und natürlich trainiert“, sagte Woodhouse. „Aber das lässt sich mit einem echten Match nicht vergleichen.“ Umso zufriedener zeigte er sich mit seiner Leistung. „Hierherzukommen und dann direkt so zu spielen, macht mich einfach glücklich.“
Woodhouse betonte mehrfach, wie groß der Unterschied zwischen Training und Wettkampf ist. „Zu Hause oder mit anderen Spielern zu trainieren ist etwas völlig anderes“, erklärte er. „Du kannst dich noch so gut fühlen – erst auf der Bühne zeigt sich wirklich, wo du stehst.“ Dass er diese Ungewissheit mit einer derart dominanten Vorstellung beantwortete, gab ihm zusätzliches Selbstvertrauen. „Ich hatte wirklich keine Ahnung, was heute passieren würde. So durchzukommen, fühlt sich richtig gut an.“
Dabei blickt Woodhouse durchaus auf ein starkes Jahr 2025 zurück. Besonders die Weltmeisterschaft bleibt in Erinnerung. Trotzdem vermeidet er es, sich zu sehr mit Vergangenem zu beschäftigen. „Nein, ich analysiere das nicht groß“, sagte er. „Ich bin niemand, der sich lange mit dem beschäftigt, was war. Mein Blick geht immer nach vorne.“
Diese Denkweise zieht sich durch seine gesamte Herangehensweise. „Ich will einfach das Maximum aus mir herausholen“, erklärte Woodhouse. „Und ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich mein wahres Niveau schon über einen längeren Zeitraum gezeigt habe. Bei mir kommt das oft in Phasen.“ Genau das soll sich nun ändern. „In diesem Jahr will ich wirklich den nächsten Schritt machen. Ich will dieses Etikett loswerden, noch keinen großen Titel gewonnen zu haben. All diese Kleinigkeiten. 2026 soll ein großes Jahr für mich werden.“

Schritt für Schritt Richtung Top 16

An seinen Zielen lässt Woodhouse keinen Zweifel. „Nach der WM im letzten Jahr habe ich gesagt: Mein Ziel ist die Top 16“, erklärte er. „Und sobald du dort angekommen bist, verändert sich das gesamte Niveau.“ Genau dort sieht er sich langfristig. „Absolut“, antwortete er ohne Zögern auf die Frage, ob er sich selbst auf diesem Level sieht. „Ich bin überzeugt, dass ich zeigen kann, was in mir steckt.“
Der entscheidende Faktor heißt für ihn Konstanz. „Es geht darum, das über einen längeren Zeitraum abzurufen“, sagte Woodhouse. „Vor allem bei den großen TV-Majors.“ Er weiß genau, wo die Weichen für die Rangliste gestellt werden. „World Matchplay, Grand Prix, Weltmeisterschaft, Europameisterschaft – wenn du dort weit kommst, sichert dir das deine Position für Jahre.“
Der Unterschied ist spürbar. „Wenn du bei diesen Turnieren früh rausgehst, hast du schnell das Gefühl, jedes Floor-Turnier spielen zu müssen, um mitzuhalten“, erklärte er. „Jeder will bei den Majors liefern. Dort zählt es.“
Um diese intensive Belastung dauerhaft bewältigen zu können, hat Woodhouse bewusst an seinem Lebensstil gearbeitet. „Ich habe etwas Gewicht verloren und achte mehr auf mich“, erzählte er. „Das machen inzwischen viele Spieler. Der Kalender ist so voll, dass jeder versucht, sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen.“
Die Erfahrungen aus dem Vorjahr wirkten dabei wie ein Weckruf. „Ich habe wirklich alles gespielt“, sagte er. „Und ich bin kein Premier-League-Spieler, der zwischendurch eine Woche Pause hat.“ Besonders eine Phase blieb ihm im Gedächtnis. „Nach der Euro Tour in der Schweiz musste ich direkt weiter nach Leicester zur Pro Tour. Ich stand dort und dachte nur: Ich bin komplett erschöpft.“ Für Woodhouse war klar, dass sich etwas ändern musste.
Seitdem achtet er stärker auf Ernährung und Bewegung. „Bessere Entscheidungen treffen, mehr laufen, viel spazieren gehen“, zählte er auf. Auch Golf spielt für ihn eine wichtige Rolle. „Das hilft mir mental enorm.“ Für Woodhouse ist klar: Darts ist längst mehr als nur Talent am Oche. „Es geht um viel mehr als nur Pfeile werfen“, sagte er. „Wenn du dich körperlich und mental gut fühlst, macht das einen riesigen Unterschied. Bei diesem Kalender ist das mindestens genauso wichtig wie dein Wurf.“

Fokus auf das eigene Spiel – und ein neuer Auftritt auf der Bühne

Im Match gegen Martin Schindler richtete Woodhouse seinen Blick kaum auf den Gegner. „Ich war so sehr bei mir selbst, dass ich fast nicht mitbekommen habe, was Martin gespielt hat“, gab er zu. „Mir ging es nur darum, meine Abläufe sauber durchzuziehen.“
Dennoch wusste er, wie wichtig ein starker Start sein würde. „Martin ist ein großartiger Spieler, aber es ist bekannt, dass er auf der TV-Bühne nicht immer sein bestes Spiel zeigt“, sagte Woodhouse. „Ich dachte mir: Wenn ich ihn früh unter Druck setze, kann das entscheidend sein." Genau das gelang ihm. Besonders ein Moment blieb hängen. „Das 136er-Finish zum Satzgewinn war für mich extrem wichtig.“
Woodhouse sieht sich selbst nicht als Spieler, der konstant astronomische Averages spielt. „Ich werde nicht in jedem Match über 100 spielen“, sagte er realistisch. „Aber ich bleibe immer dran. Gegen mich ist es unangenehm zu spielen.“ Genau dieses Image will er festigen. „Ich möchte jedes Jahr bei den Majors dabei sein und als jemand gelten, den man nie leicht schlägt.“
Auffällig ist auch seine veränderte Körpersprache auf der Bühne. „In den letzten zwölf bis achtzehn Monaten habe ich viel an meiner mentalen Einstellung gearbeitet“, erklärte er. „Früher habe ich mich selbst komplett fertiggemacht. Das bringt niemandem etwas.“ Die Entwicklung spiegelt sich in den Ergebnissen wider. „Es ist kein Zufall, dass meine Leistungen besser geworden sind, seit ich daran arbeite.“
Über mögliche Gegner in der nächsten Runde macht sich Woodhouse wenig Gedanken. „Egal, wer kommt – es wird schwer“, sagte er gelassen. „Ich bin einfach froh, dass ich nach dieser langen Pause die erste Runde überstanden habe.“ Sein Plan für die kommenden Tage ist klar strukturiert. „Erholen, gut schlafen und dann schauen, was am Samstag passiert.“
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