Nach einer schwierigen Phase hat Nathan Aspinall auf der European Tour wieder ein Ausrufezeichen gesetzt. In München qualifizierte sich der Engländer für den Finaltag. In einem brisanten Duell mit dem Deutschen Ricardo Pietreczko zeigte „The Asp“ nicht nur seine Klasse, sondern vor allem seinen Kampfgeist — etwas, das zuletzt gerade gefehlt hatte.
Aspinall setzte sich in der zweiten Runde des German Darts Grand Prix mit 6-5 gegen Pietreczko durch. „Es war heute Abend ein großes Match“, begann Aspinall offen. „Nach der Enttäuschung in Belgien war ich wirklich nicht zufrieden mit meinem Spiel. Auch bei den Players Championship Turnieren Mitte der Woche habe ich nicht gut gespielt. Das hat reingehauen.“
Suche nach Motivation
Aspinalls Offenheit ist bezeichnend. Während viele Spieler ihre Schwierigkeiten lieber intern halten, spricht er offen über seine mentale Verfassung. Und die ist derzeit alles andere als ideal. „Ich arbeite hinter den Kulissen an etwas, um mich wieder aufzuladen“, erklärt er. „Ich stecke ein bisschen in einem Tief. Ich bin flach, ich spüre wenig Energie. Im Moment habe ich keinen richtigen Spaß am Darts.“
Das ist eine bemerkenswerte Beichte eines Spielers, der für seine Leidenschaft und Emotionen auf der Bühne bekannt ist. Genau dieses Feuer hat ihm in der Vergangenheit große Erfolge beschert, scheint aber aktuell vorübergehend erloschen. „Ehrlich gesagt habe ich nicht einmal immer Lust zu reisen“, führt er fort. „Am liebsten wäre ich einfach zu Hause bei meiner Familie. Also versuche ich, die Motivation wiederzufinden — und ein großer Teil davon ist der Spaß auf der Bühne.“
Die Rolle von Bühne und Emotion
In dieser Suche greift Aspinall auf das zurück, was ihn früher stark gemacht hat: seine Ausdruckskraft und das Erleben während der Matches. Das bekannte „Aufpeitschen“ von sich und dem Publikum, das ihm oft den entscheidenden Schub gab. „Früher habe ich auf der Bühne immer noch etwas extra reingelegt“, sagte er gegenüber Dartsnews.de in München. „Das hat mir Energie gegeben. Daraus habe ich Freude gezogen. Das versuche ich jetzt wiederzufinden. Aber ich will es nicht erzwingen — es muss natürlich bleiben.“
Sein Gegner, Ricardo Pietreczko, spielte dabei eine unerwartete Rolle. Der Deutsche ist für seine ausgeprägte Präsenz auf der Bühne bekannt, und das wirkte ansteckend. „Ricardo war eigentlich der perfekte Gegner für mich“, so Aspinall. „Er bringt auf der Bühne etwas Zusätzliches, und das hat in mir wieder etwas geweckt. Es fühlte sich ein bisschen an, als würde ich gegen mich selbst spielen. Er hat gekämpft, gut gespielt — es war einfach ein starkes Match.“
Gegen einen Deutschen in Deutschland zu spielen, kann oft mit einer feindseligen Atmosphäre einhergehen, doch laut Aspinall hielt sich das diesmal in Grenzen. Mehr noch, er fühlt sich vom deutschen Publikum geschätzt. „Die Fans waren heute gut“, sagt er. „Natürlich, wenn du gegen einen Deutschen spielst, kannst du mit etwas Pfeifen rechnen. Aber insgesamt genieße ich viel Respekt vom deutschen Publikum.“
Das hat seiner Meinung nach auch mit seinem Einsatz abseits der großen Bühne zu tun. „Ich mache viel in Deutschland — Galas, Exhibitions — und ich nehme mir immer Zeit für die Menschen. Ich denke, das wird geschätzt.“
Nathan Aspinall trifft in der dritten Runde auf Martin Schindler
Reisen als Stolperstein
Neben Form und Motivation gibt es ein weiteres Problem: das intensive Reisen auf der Tour. Aspinall hat sich dazu in letzter Zeit häufiger kritisch geäußert, und auch diesmal kam das Thema auf. „Es ist einfach hart“, sagt er. „Heute habe ich meinen Koffer erst um 14:00 Uhr bekommen. Das liegt nicht an der PDC oder am Darts selbst, sondern an den Umständen — Brexit, Flughäfen, solche Dinge.“
Das ständige Reisen, Warten und Organisieren fordert seinen Tribut, besonders in Kombination mit einem engen Spielplan. Eine Patentlösung hat Aspinall nicht. „Ich spiele einfach weiter“, stellt er klar. „Aber es kann sein, dass ich in Zukunft weniger Turniere spiele. Wenn ich ein paar harte Wochen hinter mir habe, kann es sein, dass ich mich von einem Turnier zurückziehe. Einfach, weil ich dann keine Lust mehr habe.“
Auffällig ist, wie stark seine Motivation mit seinen Leistungen zusammenhängt. Aspinall ist da ehrlich: Erfolg macht vieles wett, während schwächere Form alles schwerer macht. „Wenn ich gut spiele, ist es mir egal, drei Stunden am Flughafen zu sitzen“, sagt er. „Aber wenn ich schlecht spiele, will ich das einfach nicht. So einfach ist das.“
Ausblick: Entscheidungen treffen
Mit Blick auf die kommenden Turniere trifft Aspinall bewusste Entscheidungen in seiner Planung. So hat er bereits festgelegt, wo er spielen wird und wo nicht. „Ich spiele in Sindelfingen, aber nicht in Graz“, bestätigt er.
Dieser selektive Ansatz kann ihm helfen, körperlich und mental frischer zu bleiben — etwas, das er offensichtlich braucht, um wieder sein bestes Niveau zu erreichen. Der Sieg in München fühlt sich daher nach mehr an als nur einem Erfolg. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, ein Zeichen, dass das Feuer noch da ist — auch wenn es manchmal neu entfacht werden muss. „Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg“, schließt Aspinall. „Es war ein gutes Match und ein wichtiges für mich.“