Nathan Aspinall hat ungewöhnlich offen über seine aktuelle Lebenssituation gesprochen und eingeräumt, dass Darts derzeit nicht an erster Stelle steht. Der Engländer deutete an, in diesem Jahr vielleicht keine weiteren Pro-Tour-Turniere mehr zu spielen – womit er erneut die Qualifikation für die Players Championship Finals in Minehead verpassen würde.
Nach außen wirkte es zuletzt so, als würde Aspinall unbeschwert das Leben genießen. Bilder in den sozialen Medien zeigten ihn unter anderem bei seinem Junggesellenabschied und im Marbella-Urlaub. Doch der Schein trüge, wie der 33-Jährige nun erklärte. Tatsächlich werde sein Jahr von privaten und familiären Problemen überschattet, über die er bewusst nicht näher sprechen möchte.
Aspinall: „In meinem Leben passiert gerade viel mehr als Darts“
Am Rande der BST Hyde Park Championship sprach Aspinall mit Online Darts über seine aktuelle Situation. Dabei erinnerte er sich zwar gerne daran, im vergangenen Jahr gemeinsam mit Olly Murs auf der Bühne den Song „Angels“ gesungen zu haben, machte aber auch deutlich, dass sein Fokus derzeit an anderer Stelle liegt. Sein Ziel sei es, im September wieder voll anzugreifen.
Nathan Aspinall will sich nach seiner Hochzeit wieder voll auf den Dartsport konzentrieren und peilt ab September die Rückkehr zu alter Stärke an.
„Ehrlich gesagt habe ich abseits des Oches eine Menge am Laufen, viele familiäre Probleme, auf die ich nicht weiter eingehen werde, weil sie privat sind. In meinem Leben passiert gerade viel mehr als Darts, und im Moment hat Darts keine Priorität. So einfach ist das.“
„Ja, ich war wegen des Junggesellenabschieds etwas weg und hatte einen Familienurlaub, aber seit meiner Rückkehr gab es ein paar Probleme. Jeder kennt meine Liebe zu den Pro Tours. Ich habe zu Jahresbeginn entschieden, es zu versuchen, aber wenn es nicht läuft, spiele ich sie wohl eher nicht, und ich weiß immer noch nicht, ob ich tatsächlich noch irgendwelche Pro Tours bestreiten werde, was natürlich heißt, dass ich nicht in Minehead sein werde.“
Für Aspinall sei 2026 bislang ein schwieriges Jahr gewesen. Neben sportlichen Enttäuschungen hätten ihn vor allem die privaten Belastungen stark beschäftigt. Deshalb liege der Fokus nun zunächst auf dem World Matchplay, anschließend auf seiner Hochzeit und den Flitterwochen. Danach wolle er sich wieder vollständig dem Dartsport widmen.
„Dieses Jahr war viel los bei mir. Ich hatte viele Rückschläge – klar, die Premier League, die World Series und viele familiäre Probleme. Für mich geht es jetzt darum, beim Matchplay mein Bestes zu geben, zu heiraten, in die Flitterwochen zu fahren, und dann verspreche ich all meinen Fans, dass Darts, sobald die Flitterwochen vorbei sind, wieder meine Nummer eins ist.“
„Es waren sechs ziemlich bescheidene Monate für mich. Ich habe Darts nicht wirklich zur Priorität gemacht, aber sobald die Hochzeit vorbei ist, bin ich zurück. Das ist mein Job, das ist meine Leidenschaft, und ich habe so viele Fans, die mich vermissen. Im September bin ich zurück, zu 100 Prozent.“
„Dreimal im Finale in den letzten vier Jahren – das hat wehgetan“
Aspinall sprach zudem offen darüber, wie sehr ihn die Nichtberücksichtigung für die World Series of Darts – und insbesondere das Turnier in den USA – getroffen habe. Angesichts der privaten Situation sei es ihm zuletzt schwergefallen, sich für weitere ProTour-Turniere zu motivieren.
„Ich werde nicht lügen. Ich habe viele Rückschläge bekommen. Ich war geknickt, nicht in der Premier League zu sein, und enttäuscht, keine Nominierung für die World Series zu erhalten. Ich glaube, ich war in den letzten vier Jahren dreimal im Finale in Amerika, das hat mich getroffen, zumal nach der Euro Tour direkt vor den Nominierungen.“
Vor allem die Belastung durch die ständigen Reisen habe ihn zuletzt zum Nachdenken gebracht.
„Wenn du ständig unterwegs bist, Zeit zu Hause verpasst und schlecht spielst – was ich zu der Zeit getan habe – ist es schwer, weiterzumachen, wenn zu Hause andere Dinge laufen, gesundheitliche Probleme in der Familie. Will ich die Woche weg sein, um eine Pro Tour in Hildesheim zu spielen? Das sind die Entscheidungen, die ich zuletzt getroffen habe.“
„Ich habe zum ersten Mal mich und meine Familie vor das Darts gestellt. Aber am Ende des Tages ermöglicht mir Darts dieses Leben. Darts gibt mir diese Chancen, an großartigen Orten wie heute zu spielen. Sobald die Hochzeit durch ist, sobald die Flitterwochen vorbei sind, werde ich zu 100 Prozent auf Darts fokussiert sein.“
Aspinall blickt trotz allem optimistisch auf das World Matchplay
Trotz der schwierigen Monate fiebert Aspinall dem World Matchplay entgegen. Erst kürzlich spielte er bei einer Exhibition in Leverkusen und erreichte trotz großer Hitze die späten Runden. Das Vertrauen in sein Spiel sei deshalb weiterhin vorhanden – auch wenn er selbst noch nicht wisse, welche Version von ihm in Blackpool auftreten werde.
„Die Vorfreude ist da. Ich glaube, es wird mir den Funken geben, den ich brauche. Die Auslosung ist morgen, also bin ich gespannt, wen ich bekomme.“
In den vergangenen Wochen habe er allerdings kaum Wettkampfpraxis gesammelt.
„Ich habe in etwa sieben oder acht Wochen buchstäblich vier Matches gespielt. Ich war in Kiel und Bratislava, und ich glaube, das waren die einzigen Turniere, die ich gespielt habe. Ich habe vor heute Abend keinen Dart geworfen, aber mit dem Wind ist das, denke ich, ohnehin egal.“
Vor dem Turnier wolle er gemeinsam mit dem Weltmeister von 2024 Luke Humphries noch einige intensive Trainingseinheiten absolvieren.
„Ich habe im Zug hierher mit Humphries gequatscht und nächste Woche werden wir beide ein paar gute Trainingstage einlegen. Manchmal, wenn kein Druck da ist, wenn du nichts erwartest, weil du nicht gut spielst, habe ich keine Ahnung, wie ich auftreten werde.“
„Ich habe keine Ahnung, welcher Nathan erscheinen wird, also geben wir einfach unser Bestes. Es gibt keinen Grund, warum ich nicht einen ordentlichen Lauf hinlegen kann. Wenn nicht, habe ich weitere vier Wochen, dann heirate ich, habe meine Flitterwochen, und dann machen wir uns bereit für das Jahresende.“
Abschließend sprach Aspinall auch darüber, wie wichtig ihm der Austausch mit seinen Kollegen ist. Zuletzt hatte er Scott Williams bei dessen Problemen mit Dartitis unterstützt. Mittlerweile sei er für viele Profis auf der Tour ein Ansprechpartner geworden.
„Nein, das weiß ich zu schätzen. Ich saß gestern Abend tatsächlich mit James Hurrell und seiner Freundin zusammen, und sie stellten mir ein paar Fragen. Auf der Tour kommen so viele Spieler zu mir. Weil ich so offen bin, haben die Leute das Gefühl, dass sie mich ansprechen und mich alles fragen können. Ich laufe nicht herum und erzähle anderen, was mir jemand anvertraut hat. Ich helfe so vielen Spielern auf der Tour, ihr würdet es nicht glauben.“
Für ihn gehe es dabei nicht um Konkurrenz, sondern um den Menschen hinter dem Spieler.
„Es ist nicht so, dass ich meinen Konkurrenten helfe, sondern weil Menschen im Darts durch schwere Phasen gehen. Ich habe mehr durchgemacht als die meisten. Ich weiß Scotts Worte zu schätzen. Es ist schön zu sehen, dass er auf der anderen Seite wieder herauskommt.“
Zum Abschluss bewies Aspinall trotz seiner schwierigen Situation noch einmal seinen Humor.
„Leider bin ich jetzt wieder auf die andere Seite gerutscht, also wenn du ein paar aufmunternde Worte für mich hast, Scott, nehme ich sie gerne an!“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.