Luke Littler und Luke Humphries ziehen beim
World Matchplay 2026 in Blackpool die größte Aufmerksamkeit auf sich. Trotzdem steckt die Auslosung voller Gefahren, die weit über die beiden Topfavoriten hinausreichen.
Wessel Nijman reist mit einer der stärksten Formkurven im gesamten Feld an.
Luke Woodhouse befindet sich in der besten Phase seiner Karriere. Und
Krzysztof Ratajski hat seinen eigenen Aufschwung mit dem Titelgewinn bei den European Darts Open nahezu perfekt getimt. Nijman trifft in Runde eins auf Dave Chisnall, während die Erwartungen an ihn immer weiter steigen.
Woodhouse bekommt es mit Josh Rock zu tun – eines der stärksten Erstrundenduelle des gesamten Turniers. Ratajski eröffnet gegen Gian van Veen, den er erst kürzlich bezwungen hat. In der neuesten Folge des
DartsNews Podcast diskutieren Kieran Wood und Nicolas Gayer genau über jene Spieler, die abseits der großen Schlagzeilen für Furore sorgen könnten.
„Ich glaube nicht, dass er tatsächlich ein Geheimtipp ist“
Wessel Nijman sorgte in der Diskussion für die größte Debatte. Wood erwog ihn zunächst als seinen persönlichen Geheimtipp, verwarf den Gedanken dann aber wieder. Der Grund: Nijman zeigt 2026 bereits eine derart starke Saison, dass ihn niemand mehr als Underdog bezeichnen kann. Wood ist überzeugt, dass der Niederländer seine Euro-Tour- und Floor-Form nun auch auf der großen Bühne bestätigen wird. Ursprünglich wollte er Nijman als Geheimtipp ins Rennen schicken, doch dessen starkes Jahr macht diese Einordnung unpassend – auch wenn Nijman noch nie ein Major-Viertelfinale erreicht hat.
Sechs Players-Championship-Titel und zwei European-Tour-Erfolge machen Nijman zu einem der formstärksten Spieler der gesamten Saison. Nur der große TV-Lauf bei einem Major-Turnier fehlt ihm noch. Wood sieht gerade die Winter Gardens als perfekte Bühne für diesen nächsten Schritt. Nijman verbindet mit Blackpool bereits positive Erinnerungen: Im Vorjahr bezwang er dort Nathan Aspinall mit einem beeindruckenden 102er-Average. Wood betont, dass Nijman gute Erinnerungen an diese Bühne mitbringt und dass kein anderes Turnier besser geeignet wäre, um seine wahre Stärke auch im Fernsehen zu zeigen.
Wessel Nijman schlug Nathan Aspinall 2025 in den Winter Gardens
Nijman und die TV-Bühnen-Frage
Auch Gayer nennt Nijman als jenen Spieler, der in Blackpool unter dem größten Druck steht. Gleichzeitig räumt er einen gewissen Widerspruch ein: Eigentlich mahnt er sonst stets zur Geduld, wenn es um junge Spieler geht, die erst ihre dritte Saison mit Tour Card bestreiten. Diese übliche Zurückhaltung lässt sich bei Nijman kaum noch aufrechterhalten, denn seine Ergebnisse auf der Floor, seine Erfolge auf der Euro Tour und seine Position an der Spitze der ProTour Order of Merit sprengen jeden gewohnten Entwicklungsrahmen.
Gayer erklärt, dass Nijman aktuell wohl zu den drei besten Spielern der Welt zählt, wenn man ausschließlich die Form und die bisherigen Titel der Saison 2026 betrachtet. Genau deshalb müsse er nun beweisen, dass er auch in Blackpool bis in die späten Turnierphasen vordringen kann. Ein Titelgewinn oder gar der Finaleinzug seien dabei keine zwingende Voraussetzung. Angesichts seiner dominanten ProTour-Saison, der zahlreichen Players-Championship-Erfolge und mehrerer Euro-Tour-Siege müsse Nijman aber zumindest zeigen, dass er in den entscheidenden Runden mitspielen kann.
Chisnall macht den Auftakt für Nijman alles andere als einfach. Der Engländer bringt reichlich Matchplay-Erfahrung und genug Scoring-Power mit, um jeden Gegner in Schwierigkeiten zu bringen. Allerdings musste er sich zuletzt nach einer schwächeren Phase erst wieder zurück ins Feld kämpfen. Wood stimmt Gayer zu, dass niemand ein voreiliges Gesamturteil über Nijman fällen sollte. Er ergänzt jedoch, dass der Druck mit jedem weiteren Titel abseits der TV-Bühne nur noch größer wird. Je länger der große Durchbruch bei einem Major ausbleibt, desto stärker wächst die Erwartungshaltung an den Niederländer.
Woodhouse trotz schwerem Auftaktlos im Aufwind
Woods eigener Geheimtipp fiel auf Luke Woodhouse – trotz einer Erstrundenauslosung gegen Josh Rock, die man kaum als komfortabel bezeichnen kann. Rock ist als Nummer acht gesetzt und verfügt weiterhin über eines der höchsten Spitzenniveaus im gesamten Feld. Woodhouse hat sich 2026 jedoch selbst eine beeindruckende Bilanz erspielt. Nach Jahren, in denen ihm der ganz große Wurf fehlte, gewann er beim Players Championship 18 in Leicester seinen ersten PDC-Titel. Kurz darauf sicherte er sich bei den Baltic Sea Darts Open seine erste European-Tour-Krone und erreichte im Juli ein weiteres Players-Championship-Finale.
Wood erklärt, dass ihm bei der Durchsicht der Auslosung ein Name sofort ins Auge gestochen ist: Luke Woodhouse. Der Engländer spiele 2026 die Form seines Lebens, habe erstmals Titel gewonnen und sei erst kürzlich in einem Finale gestanden, in dem er Gabriel Clemens unterlag. Auch die Auslosung gegen Rock macht das Duell für Wood besonders reizvoll. Rocks Bestform bleibt für jeden Gegner gefährlich, doch seine Ergebnisse schwankten 2026 deutlich genug, um Woodhouse eine echte Chance einzuräumen – vorausgesetzt, er bringt seine jüngste Form mit nach Blackpool. Wood weist darauf hin, dass Rock zwar unbestritten hohe Qualität besitzt und im Vorjahr das Halbfinale erreichte, seine Form 2026 aber wechselhaft ausfiel. Genau darin liegt für Woodhouse die Möglichkeit, sich durchzusetzen, sofern er seine Karrierebestform beibehält.
Gayer unterstützt diese Einschätzung, auch weil ihm Woodhouse als Spielertyp einfach gefällt. Er beschreibt Woodhouse als jemanden, dem er wirklich gerne zusieht – wegen seines Wurfstils und seiner entspannten Art. Auch bei der Weltmeisterschaft habe Woodhouse gezeigt, welchen Charakter er besitzt, als Damon Heta einen Nine-Darter warf und dabei völlig ausflippte. Wood verweist zudem auf eine entscheidende Veränderung hinter Woodhouse' verbesserten Resultaten: Früher habe man ihm oft vorgeworfen, seine Darts einfach wegzuwerfen, sobald er in Rückstand geriet. Genau dieses Verhalten zeige er inzwischen deutlich seltener – und werde dadurch spürbar erfolgreicher. Gayer stimmt zu und ergänzt, dass Woodhouse am liebsten im schnellen Rhythmus werfen würde, was aber nicht jedem Spieler liegt. Seit er dieses impulsive Muster ablegt, habe er sich merklich weiterentwickelt.
Woodhouse spielt 2026 die besten Darts seiner Karriere
Ratajski bringt Form und Matchplay-Erfahrung mit
Bei seinem Außenseiter-Tipp setzte Gayer auf eine andere Karte: Krzysztof Ratajski. Der Pole könnte im Turnierabschnitt, der mit Van Veen beginnt, für erhebliche Probleme sorgen. Die ursprüngliche Argumentation im Podcast stützte sich auf die Auslosung, Ratajskis Erfahrung und seinen früheren Blackpool-Lauf. Inzwischen hat sich diese These nur noch bestätigt: Ratajski gewann die European Darts Open und bezwang dabei ausgerechnet Van Veen auf dem Weg zum Titel.
Gayer beschreibt die Bezeichnung „Außenseiter" bei Ratajski als eigentlich unpassend, da der Pole seit zehn Jahren zur Weltspitze zählt. Blickt man jedoch auf die Auslosung, seinen Status als ProTour-Qualifikant ohne Setzposition und seinen Erstrundengegner, hält Gayer einen Sieg gegen Van Veen, die Nummer drei der Welt und WM-Finalist, für durchaus realistisch. Anschließend traut er Ratajski einen starken Lauf in Blackpool zu, wo er bereits 2021 das Halbfinale erreichte.
Auf seinem Weg ins Halbfinale 2021 bezwang Ratajski damals Brendan Dolan, Luke Humphries und Callan Rydz, ehe er Dimitri Van den Bergh unterlag. Van Veen gilt zurecht als einer der Anwärter auf ein weites Vorankommen im Turnier, doch Ratajski hat in diesem Jahr bereits bewiesen, dass die Auftaktpartie nicht nur auf dem Papier brenzlig wird. Gayer betont, dass ein echter Außenseiterlauf immer einen dieser großen Siege braucht. Van Veen habe zwar erkennbare Probleme gehabt und sei nicht in Bestform, gelte für Gayer aber weiterhin als Nummer drei der Welt und klarer Favorit in diesem Duell. Gelingt Ratajski der Sieg in Runde eins, wäre das genau jener Schlagzeilenerfolg, der einen echten Außenseiterlauf ins Rollen bringen kann.
Diese Namen können die Auslosung ins Wanken bringen
Nijman trifft auf Chisnall, während die Erwartungen weiter steigen. Woodhouse bringt die Form mit, um Rock ernsthaft zu fordern. Und Ratajski hat gegen Van Veen bereits in diesem Jahr bewiesen, wozu er fähig ist. Littler und Humphries mögen die Titeldiskussion beherrschen, doch die ersten Turnierabende in Blackpool könnten durchaus von den Spielern direkt hinter dieser Topriege geprägt werden. Verbiegt sich die Auslosung früh, zählen Nijman, Woodhouse und Ratajski zu den Namen, die genau dafür verantwortlich sein können.