Das
World Matchplay gilt seit Jahren als das zweitwichtigste Ranglistenturnier der PDC. Ein Startplatz in den legendären Winter Gardens in Blackpool zählt für viele Dartprofis zu den absoluten Saisonhöhepunkten. Der Kampf um die Qualifikation entwickelt sich deshalb jedes Jahr zu einem echten Nervenkrieg.
In diesem Jahr fällt die Liste der Abwesenden besonders auf. Mehrere ehemalige Major-Sieger, Weltmeister und etablierte Namen verpassten den Sprung unter die besten 32 Spieler. Zu den größten Abwesenden beim
World Matchplay 2026 zählen Mike De Decker, Dimitri Van den Bergh,
Michael Smith,
Peter Wright,
Raymond van Barneveld, Daryl Gurney, Gabriel Clemens und Ricardo Pietreczko. Vor wenigen Jahren erschien eine solche Liste noch undenkbar. Sie zeigt jedoch, wie schnell sich die Kräfteverhältnisse innerhalb der PDC inzwischen verschieben.
Belgische Enttäuschung
Für Belgien bringt diese Ausgabe des World Matchplay eine besonders schmerzhafte Enttäuschung mit sich. Sowohl Mike De Decker als auch Dimitri Van den Bergh fehlen in Blackpool.
Bei De Decker wiegt die Überraschung am schwersten. Der Sieger des World Grand Prix 2024 schien sich fest in der Weltspitze etabliert zu haben, erlebte jedoch eine schwierige Saison ohne konstante Resultate. In der Weltrangliste steht „The Real Deal" derzeit auf Platz 21. Auch über die Pro Tour Order of Merit gelang ihm der Sprung in die Top 16 nicht. Seine Abwesenheit fällt umso mehr auf, weil er im vergangenen Jahr noch auf der Bühne in Blackpool überzeugte. De Decker schlug damals in der Auftaktrunde Dave Chisnall mit 10:7. Im Achtelfinale beendete eine 8:11-Niederlage gegen Jonny Clayton seinen Lauf.
Leistungen von Mike De Decker beim World Matchplay
| Jahr | Ergebnis | Gegner | Resultat |
| 2023 | Letzte 32 | Joe Cullen | Verloren: 7–10 |
| 2025 | Letzte 16 | Jonny Clayton | Verloren: 8–11 |
Auch Dimitri Van den Bergh durchlebt eine schwierige Phase. Der Belgier gewann das World Matchplay 2020 und gehörte jahrelang fest zu den großen TV-Turnieren. In den vergangenen zwei Saisons erreichte er sein altes Niveau jedoch kaum noch. Seine markante Scoring-Power und starken Finishes wichen zu oft wechselhaften Auftritten, sodass ihm am Ende das Ticket fehlte. Für einen ehemaligen Sieger bedeutet das eine besonders harte Realität.
Van den Bergh sagte zuletzt erneut mehrere Floor-Turniere ab. In einem Beitrag in den sozialen Medien hieß es, man verfolge seine Situation aus nächster Nähe.
Leistungen von Dimitri Van den Bergh beim World Matchplay
| Jahr | Ergebnis | Gegner | Resultat |
| 2020 | Sieger | Gary Anderson | 18–10 |
| 2021 | Finalist | Peter Wright | 9–18 |
| 2022 | Halbfinale | Michael van Gerwen | 14-17 |
| 2023 | Zweite Runde | Jonny Clayton | 6-11 |
| 2024 | Viertelfinale | Luke Humphries | 10-16 |
Dimitri Van den Bergh gewann das World Matchplay im Jahr 2020
Peter Wright setzt Abwärtstrend fort
Auch der zweifache Weltmeister Peter Wright fehlt erneut beim World Matchplay. „Snakebite" gehört zweifellos zu den erfolgreichsten Dartspielern der vergangenen zehn Jahre, doch sein Niveau sank in den letzten Saisons deutlich. Erstmals seit 2012 verpasste er die Qualifikation für dieses Turnier.
Seine ständige Suche nach dem passenden Material galt einst als eine seiner Stärken. Heute wirkt sie eher wie ein Nachteil. Wright wechselt häufig seine Darts und findet dadurch selten über längere Zeit seinen Rhythmus.
Jahrelang zählte er selbstverständlich zum Favoritenkreis. Inzwischen ist die Qualifikation für TV-Turniere für ihn keine Selbstverständlichkeit mehr. Ein Spieler mit seiner Vita verpasst das World Matchplay – das unterstreicht, wie konkurrenzstark die PDC mittlerweile geworden ist.
Wright gewann das World Matchplay 2021. In den vergangenen Jahren zeichnete sich der Abwärtstrend jedoch bereits ab: Bei den letzten Ausgaben kam er nie über die zweite Runde hinaus. Die Frage bleibt, ob Dartfans den inzwischen 56-jährigen Schotten in den kommenden Jahren noch einmal in den Winter Gardens sehen werden.
Leistungen von Peter Wright beim World Matchplay
| Jahr | Ergebnis | Gegner | Resultat |
| 2009 | Letzte 32 | Terry Jenkins | Verloren: 4–10 |
| 2011 | Letzte 32 | Simon Whitlock | Verloren: 7–10 |
| 2013 | Letzte 16 | Michael van Gerwen | Verloren: 3–13 |
| 2014 | Letzte 32 | Stephen Bunting | Verloren: 6–10 |
| 2015 | Halbfinale | Michael van Gerwen | Verloren: 12–17 |
| 2016 | Viertelfinale | Adrian Lewis | Verloren: 14–16 |
| 2017 | Finalist | Phil Taylor | Verloren: 8–18 |
| 2018 | Halbfinale | Mensur Suljović | Verloren: 13–17 |
| 2019 | Viertelfinale | Daryl Gurney | Verloren: 13–16 |
| 2020 | Letzte 16 | Glen Durrant | Verloren: 8–11 |
| 2021 | Sieger | Dimitri Van den Bergh | Gewonnen: 18–9 |
| 2022 | Viertelfinale | Dimitri Van den Bergh | Verloren: 14–16 |
| 2023 | Letzte 16 | Ryan Searle | Verloren: 8–11 |
| 2024 | Letzte 32 | Andrew Gilding | Verloren: 5–10 |
| 2025 | Letzte 32 | Jermaine Wattimena | Verloren: 8–10 |
Van Barneveld verpasst erneut ein großes Turnier
Auch für niederländische Dartfans bringt das Fehlen von Raymond van Barneveld eine Enttäuschung mit sich. Der fünffache Weltmeister zeigte in den vergangenen Jahren immer wieder, dass er noch über außergewöhnliche Qualitäten verfügt. Er feierte starke Siege gegen Topspieler und qualifizierte sich mehrfach für Fernsehturniere. Die nötige Konstanz fehlte jedoch. Van Barneveld gelingt es nur noch selten, mehrere Matches in Folge auf hohem Niveau zu spielen.
Gerade bei den Players Championships und Euro Tours ließ Van Barneveld zu viele Punkte liegen, um sich am Ende zu den besten Sechzehn der ProTour-Rangliste zu zählen. Damit fehlt einer der größten Namen der Dartgeschichte erneut auf einer der prestigeträchtigsten Bühnen des Sports.
„Barney" bringt es damit vorerst auf fünfzehn Teilnahmen am World Matchplay. Das Turnier hat er übrigens noch nie gewonnen – sein bestes Ergebnis blieb der Finaleinzug 2010. In den vergangenen drei Jahren scheiterte er jeweils bereits in der Auftaktrunde.
Leistungen von Raymond van Barneveld beim World Matchplay
| Jahr | Ergebnis | Gegner | Resultat |
| 2007 | Viertelfinale | Adrian Lewis | Verloren: 14–16 |
| 2008 | Viertelfinale | Wayne Mardle | Verloren: 16–18 |
| 2009 | Viertelfinale | Terry Jenkins | Verloren: 12–16 |
| 2010 | Finalist | Phil Taylor | Verloren: 12–18 |
| 2011 | Viertelfinale | James Wade | Verloren: 11–16 |
| 2012 | Letzte 16 | Terry Jenkins | Verloren: 10–13 |
| 2013 | Letzte 16 | Justin Pipe | Verloren: 9–13 |
| 2014 | Letzte 16 | Simon Whitlock | Verloren: 8–13 |
| 2015 | Letzte 32 | Andy Hamilton | Verloren: 7–10 |
| 2016 | Letzte 32 | Brendan Dolan | Verloren: 7–10 |
| 2017 | Letzte 16 | Phil Taylor | Verloren: 3–11 |
| 2018 | Letzte 16 | Gary Anderson | Verloren: 9–11 |
| 2023 | Letzte 32 | Ryan Searle | Verloren: 4–10 |
| 2024 | Letzte 32 | Jonny Clayton | Verloren: 7–10 |
| 2025 | Letzte 32 | Michael van Gerwen | Verloren: 6–10 |
Raymond van Barneveld hat das World Matchplay noch nie gewonnen
Michael Smith sucht weiter nach Form
Neben Peter Wright und Raymond van Barneveld zählt vielleicht Michael Smith zum bekanntesten Namen auf dieser Liste. Der ehemalige Weltmeister und frühere Weltranglistenerste durchlebt seit geraumer Zeit eine schwierige Phase in seiner Karriere.
Seit seinem WM-Titel hält „Bully Boy" das hohe Niveau nur noch sporadisch. Verletzungen, Formschwankungen und frühe Ausscheiden bei Floor-Turnieren ließen ihn in den Ranglisten immer weiter zurückfallen. 2019 erreichte Smith noch das Finale beim World Matchplay. In diesem Jahr muss der 36-jährige Engländer nun von der Couch aus zuschauen.
Leistungen von Michael Smith beim World Matchplay
| Jahr | Ergebnis | Gegner | Resultat |
| 2012 | Letzte 32 | Raymond van Barneveld | Verloren: 4–10 |
| 2014 | Letzte 16 | Phil Taylor | Verloren: 6–13 |
| 2015 | Letzte 32 | Gerwyn Price | Verloren: 4–10 |
| 2016 | Letzte 16 | Steve Beaton | Verloren: 7–11 |
| 2017 | Letzte 32 | Steve West | Verloren: 5–10 |
| 2018 | Letzte 16 | Dave Chisnall | Verloren: 8–11 |
| 2019 | Finalist | Rob Cross | Verloren: 13–18 |
| 2020 | Halbfinale | Gary Anderson | Verloren: 16–18 |
| 2021 | Viertelfinale | Peter Wright | Verloren: 7–16 |
| 2022 | Letzte 16 | Dirk van Duijvenbode | Verloren: 7–11 |
| 2023 | Letzte 16 | Chris Dobey | Verloren: 7–11 |
| 2024 | Halbfinale | Michael van Gerwen | Verloren: 13–17 |
Auch Gurney und Clemens bleiben außen vor
Daryl Gurney und Gabriel Clemens gehörten jahrelang zu den Stammgästen bei den großen PDC-Turnieren. Gurney gewann in der Vergangenheit zwei Majors und wuchs im TV-Format häufig über sich hinaus. Inzwischen ist der Nordire jedoch weit zurückgefallen. Er zeigt gelegentlich noch, dass das Niveau vorhanden ist, doch die
konstante Linie fehlt, um sich für ein Turnier wie das World Matchplay zu qualifizieren.
Für Gabriel Clemens gilt Ähnliches. Der Deutsche schrieb mit seinem Halbfinale bei der WM 2023 Geschichte, konnte diesem Erfolg jedoch nie eine passende Fortsetzung geben. Seine Leistungen auf der ProTour blieben zurück, sodass auch er das Qualifikationsrennen nicht erfolgreich abschloss.
Clemens zeigte zuletzt durchaus Anzeichen eines Aufschwungs und gewann die Players Championship 24. Für das diesjährige World Matchplay kam dieser Erfolg zu spät. Er könnte den hochgewachsenen Deutschen jedoch auf Kurs bringen, im nächsten Jahr sein Comeback in Blackpool zu geben.
Pietreczko zahlt den Preis für Unbeständigkeit
Niko Springer und Martin Schindler vertreten Deutschland in diesem Jahr beim World Matchplay. Neben Clemens fehlt jedoch mit Ricardo Pietreczko ein weiterer bekannter Name aus der deutschen Dartswelt. „Pikachu" erlebte in den vergangenen Jahren einen rasanten Durchbruch, unter anderem mit seinem überraschenden European-Tour-Titel. Der Deutsche bewies damit, dass er über großes Talent verfügt und sich mit der Weltspitze messen kann.
Dieses Niveau zu halten, erweist sich jedoch als deutlich schwieriger. Schwankende Leistungen bei den Floor-Turnieren kosteten ihn wertvolle Ranglistenpunkte, sodass er am Ende ebenfalls ohne Ticket für das World Matchplay blieb.
Für Pietreczko bedeutet das vor allem einen Lernmoment. Mit 31 Jahren hat er noch alle Zeit, sich erneut in Richtung Spitze der PDC zu arbeiten.
Ricardo Pietreczko fehlt in diesem Jahr beim World Matchplay
Neue Generation übernimmt
Das Fehlen so vieler etablierter Namen sagt vor allem viel über die Entwicklung des aktuellen Profizirkus aus. Die Konkurrenz ist größer denn je. Nahezu jedes Players Championship verzeichnet Dutzende Spieler, die im Schnitt weit über hundert Punkte werfen können. Zudem entwickeln sich junge Talente rasend schnell weiter, wodurch der Kampf um die verfügbaren Plätze bei TV-Turnieren jedes Jahr härter wird.
Früher reichte Erfahrung oft aus, um ein Ticket fürs World Matchplay zu sichern. Heute müssen selbst ehemalige Weltmeister Woche für Woche liefern. Eine schwächere Phase genügt bereits, um aus den Top 16 der ProTour-Rangliste zu rutschen.
Ein World Matchplay mit neuem Gesicht
Für viele Dartsfans dürfte das Fehlen so vieler großer Namen zunächst gewöhnungsbedürftig wirken. Zugleich eröffnet es jedoch Chancen für eine neue Spielergeneration. Debütanten und relativ unbekannte Namen erhalten die Möglichkeit, sich auf der großen Bühne zu zeigen und vielleicht endgültig durchzubrechen.
Das World Matchplay gilt seit Jahren als das Turnier, auf dem Karrieren starten und die etablierte Ordnung herausgefordert wird. In diesem Jahr trifft das mehr denn je zu.
De Decker, Van den Bergh, Smith, Wright, Van Barneveld, Gurney, Clemens und Pietreczko müssen nun schnell wieder in die Spur finden. Die Saison ist noch lang, und mit dem World Grand Prix, der EM Darts und den Players Championship Finals bieten sich reichlich Chancen auf Wiedergutmachung.
Ihre Abwesenheit macht jedoch eines schmerzhaft deutlich: In der heutigen PDC reicht ein großer Name allein nicht mehr aus. Wer nicht wöchentlich abliefert, zahlt am Ende den Preis – selbst als ehemaliger Weltmeister oder Major-Sieger.