Die Eröffnung des neuen National Darts Centre in Hangar 61 markiert ein neues Kapitel für die Nachwuchsförderung im Darts.
Steve Brown, Vorsitzender der Junior Darts Corporation (JDC), geht sichtbar stolz durch die imposante Halle. Was einst als kleines Projekt begann, ist zu einer weltweiten Plattform gewachsen. Dieses Zentrum soll nun ihr schlagendes Herz werden.
„Es ist immer noch besonders, diese ersten Reaktionen zu sehen“
Für Brown ist das Gebäude inzwischen vertrautes Terrain. Die Reaktionen der Besucher berühren ihn aber weiterhin. „Man gewöhnt sich selbst ein wenig daran“,
sagt er mit einem Lächeln. „Aber es ist immer schön, jemanden hier zum ersten Mal hereinkommen zu sehen und seine Reaktion mitzuerleben. Es ist ziemlich atemberaubend. Ich bin enorm stolz darauf, was wir hier gemeinsam auf die Beine gestellt haben.“
Dieses „gemeinsam“ betont Brown ganz bewusst. Die Umsetzung des Zentrums war alles andere als selbstverständlich. „Es war wirklich eine enorme Teamleistung. Vor allem die Bauarbeiter – sie haben sogar ihr Weihnachtsfest geopfert, um das möglich zu machen. Dafür bin ich ihnen ewig dankbar.“
Der Weg bis zum fertigen Zentrum war intensiv. Brown schildert, wie das Gebäude im Inneren komplett entkernt wurde. „Robbie und Jamie waren fantastisch. Diese Knochenarbeit – Fliesen herausstemmen, Böden aufreißen – sie haben voll durchgezogen. Ich glaube, sie hatten sogar Spaß daran“, sagt er lachend. „Aber im Ernst: Es hieß wirklich alle Mann an Deck. Das hier ist nicht nur ein Dartsraum. Es ist eine riesige Location. Dafür musste unglaublich viel passieren.“
Nach Browns Worten ist das Zentrum weit mehr als nur ein schöner Spielort. Es ist ein notwendiger Schritt in der Entwicklung junger Dartspieler. „Weltklassespieler verdienen Weltklassebedingungen“, sagt er entschlossen. „Diese Kinder stecken so viel Zeit und Energie in ihren Sport. Dann verdienen sie auch ein Umfeld wie dieses.“
Der Komplex bietet deutlich mehr als Bahnen und Boards. „Wir haben TV-Studios, Kommentatorenkabinen… Selbst wenn du nicht der beste Spieler bist, kannst du hier Erfahrungen sammeln. Du kannst lernen, wie man kommentiert, oder den Journalismus entdecken. Es geht nicht nur um Spieler, sondern um alle, die eine Karriere im Darts anstreben.“
Luke Littler gewann 2022 und 2023 die
JDC-WM im Darts und gilt als prominentestes Beispiel für den Weg aus der Nachwuchsstruktur an die Weltspitze.
Ein Traum von mehr als zehn Jahren
Die Idee für ein eigenes, speziell gebautes Zentrum gab es schon lange. Die Umsetzung wirkte jedoch lange wie ein ferner Traum. „Wenn du mir vor zehn Jahren gesagt hättest, dass wir das machen, hätte ich dir nicht geglaubt“, räumt Brown ein. „Darts ist gut zu uns gewesen. Wir waren erfolgreich. Da ist es logisch, in den Sport zurückzuinvestieren.“
Diese Investition passt zum enormen Wachstum, das die JDC in den vergangenen Jahren hingelegt hat. Brown blickt mit warmen Gefühlen auf die Anfänge zurück. „Es fühlt sich an wie gestern, obwohl es inzwischen fünfzehn Jahre her ist. Damals hatte ich noch Haare“, scherzt er. „Aber ich habe großartige Erinnerungen an die erste Steve Brown Darts Academy.“
Viele der Kinder von damals sind noch immer Teil seines Lebens. „Sie nennen sich die ‚OGs‘. Es sind jetzt erwachsene Männer, aber mit vielen von ihnen bin ich weiterhin befreundet.“
Was lokal begann, ist mittlerweile zu einem internationalen Netzwerk geworden. Die JDC organisiert Turniere und Circuits weltweit, vom Vereinigten Königreich über Irland und Belgien bis hin zu Weltmeisterschaften in Gibraltar.
Wenn Brown dieses Wachstum aufzählt, schwingt noch immer Verwunderung mit. „Wenn man es so nebeneinanderlegt, ist es schon ein Moment, in dem man sich kneifen muss, ob es wirklich wahr ist. Aber wir sind immer mit dem nächsten Schritt beschäftigt. Wir blicken selten zurück, obwohl wir durchaus stolz auf das sein dürfen, was wir aufgebaut haben.“
Littler gewann 2022 und 2023 die JDC Darts WM.
Die JDC ist für Brown längst kein Nebenprojekt mehr. „Es ist Vollzeit. An jedem Tag der Woche“, sagt er. „Mein Kopf steht nie still. Ich bin immer beschäftigt – Ideen entwickeln, Dinge ausarbeiten. Meine Mitarbeiter sagen oft, ich sei zu viel am Handy.“
Dieser ständige Antrieb gehört zu den Motoren hinter dem Erfolg der Organisation. Innerhalb des JDC-Systems spielt auch Team 360, verbunden mit Winmau, eine wichtige Rolle bei der Betreuung von Talenten.
Brown betont, dass Leistungen nur ein Teil der Bewertung sind. „Natürlich schauen wir auf die Averages, aber wir achten vor allem auf das Gesamtbild. Wer ist diese Person? Wie benimmt sie sich? In welchem Umfeld bewegt sie sich?“
Das Auswahlverfahren ist intensiv und sorgfältig. „Wir gehen zu Turnieren, sitzen hinten im Saal und beobachten. Wie reagieren sie auf Druck? Sind sie widerstandsfähig? Wie verhalten sie sich am Oche? Und auch: Wie sind die Eltern? Das gesamte Bild fließt ein.“
Die Rolle der Eltern: unterschätzt, aber entscheidend
Nach Browns Ansicht liegt hier eine der größten Herausforderungen für die Zukunft des Darts. „Früher kamen Kinder über ihre Eltern zum Sport. Die kannten die Etikette. Jetzt schleppen Kinder ihre Eltern in die Akademien – und diese Eltern haben mitunter keine Ahnung, was Darts beinhaltet.“
Deshalb setzt die JDC verstärkt auf Aufklärung. „Wir müssen Eltern besser anleiten. Das hilft am Ende auch den Kindern. Es geht darum, dass sie sich an der Oche richtig verhalten und verstehen, was von ihnen erwartet wird.“
Brown sieht darin kein grundsätzliches Problem. Dennoch merkt er, dass die Entwicklung des Sports neue Schwerpunkte mit sich bringt. „Es ist kein historisches Problem, aber man sieht es ein wenig aufkommen. Es ist rein eine Frage der Aufklärung. Der Sport hat sich verändert.“
Der Einfluss der JDC auf die professionelle Dartswelt wächst von Jahr zu Jahr. Immer mehr Spieler mit JDC-Hintergrund schaffen den Durchbruch auf höchstem Niveau, auch bei der Professional Darts Corporation (PDC).
Brown wagt deshalb eine klare Prognose: „Ich denke, dass in zehn Jahren mehr als 50 Prozent der Spieler auf der Tour aus der JDC kommen.“