Deutsche Darts-Geschichte in Kalkar: Matthias Ehlers und Yorick Hofkens feiern Doppelsieg und stellen neuen PDC-Rekord auf

PDC
durch Nic Gayer
Samstag, 10 Januar 2026 um 18:54
Yorick Hofkens
Was sich am dritten Tag der Final Stage der European Q-School 2026 in Kalkar abspielte, geht in die deutsche Darts-Geschichte ein. Inmitten des erbitterten Kampfs um die begehrten Tour Cards lieferten die deutschen Spieler eine Vorstellung von historischer Wucht ab: Siege in Serie, zahlreiche Top-Leistungen und am Ende ein rein deutsches Siegerpärchen – bestehend aus zwei frischgebackenen PDC-Profis. Ein Turniertag, der nicht nur erfolgreich war, sondern neue Maßstäbe setzte.
Der dritte Tag der Final Stage entwickelte sich von Beginn an zu einer Demonstration deutscher Stärke. Schon in der ersten Runde setzte Team Deutschland ein deutliches Ausrufezeichen: Michael Unterbuchner eröffnete den Tag mit einem souveränen 6:1-Erfolg im deutschen Duell gegen Jason Riedtke und sammelte früh wichtige Punkte. Kurz darauf reihten sich weitere Auftaktsiege ein – Marvin Kraft (6:2 gegen Mylo Michiels) und Jarod Becker (6:5 gegen Jan Boelen) hielten die starke deutsche Bilanz ebenso am Leben wie Cedric Jeske (6:4 gegen Alexander Michalczyk) und Joachim Dürbeck (6:3 gegen Davy Robijns). Auch Daniel Klose ließ nichts anbrennen und setzte sich mit 6:3 gegen Luca Wolff durch, während Yorick Hofkens mit einem bärenstarken Decider-Sieg über Brian Raman bei einem Average jenseits der 96 Punkte überzeugte.

Starker Start von Unterbuchner & Co.

Diese frühe Dominanz setzte sich in Runde zwei nahtlos fort. Unterbuchner bestätigte seine Form mit einem 6:3 gegen Roger Janssen und sammelte – wie an den Vortagen – weitere wertvolle Zähler. Kraft überstand einen nervenaufreibenden Decider gegen Luitsen Elzinga und schob sich mit seinem siebten Order-of-Merit-Punkt zwischenzeitlich in die Spitzengruppe vor. Auch Becker (6:2 gegen Mason Whitlock) und Klose (6:3 gegen Wesley van Trijp) blieben makellos, sodass zwischenzeitlich sieben deutsche Siege aus sieben Zweitrundenpartien zu Buche standen. Hinzu kamen Erfolge von Jeske (6:5 gegen Jelle Klaasen) und Dürbeck (6:2 gegen Damian Vetjens) – Deutschland dominierte das Geschehen in Kalkar in beeindruckender Breite.

Ehlers überragt erneut

Im Mittelpunkt stand einmal mehr Matthias Ehlers. Der Vortagesfinalist präsentierte sich erneut in überragender Verfassung, feierte zunächst einen Sieg im deutsch-deutschen Duell gegen Björn Quoiffy und legte dann einen Whitewash-Erfolg gegen Mitja Gustorf (6:0) nach. Mit den Punkten sieben und acht schloss Ehlers endgültig zur Spitze auf – und er hatte noch lange nicht genug. In Runde drei rang er Ricardo Ulrich mit 6:4 nieder, sammelte Punkt neun ein und machte einen riesigen Schritt in Richtung Profi-Tour. Spätestens mit dem klaren 6:1-Erfolg im Achtelfinale gegen Ron Meulenkamp war klar: Ehlers hatte den Tour-Card-Gewinn praktisch sicher. Mit seinem zehnten Order-of-Merit-Punkt war ihm das Ticket kaum noch zu nehmen.
Parallel dazu sorgte auch der deutsche Nachwuchs für Furore. Yorick Hofkens arbeitete sich mit konstant starken Leistungen durch das Feld, bezwang zunächst Rainer Sturm (6:4), ehe er im Achtelfinale einen echten Thriller gegen Jeroen Caron für sich entschied und damit bereits seinen achten Ranglistenpunkt einfuhr. Im Viertelfinale steigerte sich der Youngster nochmals und setzte sich in einer hochklassigen Partie gegen Pascal Rupprecht durch. Beide lieferten sich ein Duell auf absolutem Topniveau, in dem Rupprecht zeitweise bei einem 97er-Average stand. Hofkens behielt jedoch die Nerven, sicherte sich den neunten Punkt und stand damit bereits kurz vor dem ganz großen Ziel.
Rupprecht selbst hatte bis dahin ebenfalls einen starken Turnierverlauf hingelegt. Nach souveränen Siegen über Marc Vleghert (6:2) und Patrick Maat (6:2) zog der Ex-Profi ins Viertelfinale ein und gehörte zu den konstantesten deutschen Akteuren des Tages. Auch Daniel Klose zeigte einen starken Auftritt, musste sich jedoch ebenso wie Finn Behrens, Jarod Becker und Joachim Dürbeck im Achtelfinale geschlagen geben. Dennoch blieb festzuhalten: Gleich sieben Deutsche hatten die Runde der letzten 16 erreicht – ein eindrucksvoller Beleg für die Breite und Qualität des deutschen Aufgebots.
Der Turniertag spitzte sich schließlich aus deutscher Sicht weiter zu: Matthias Ehlers marschierte auch im Viertelfinale unaufhaltsam weiter, fertigte Pal Szekely mit 6:1 ab und zog damit zum zweiten Mal in Folge ins Tagesfinale ein. Zwei Deutsche standen damit im Tagesfinale um die Tour Cards.

Historischer Doppelsieg

Den emotionalen und sportlichen Höhepunkt fand dieser außergewöhnliche Tag schließlich in den beiden Halbfinals – die faktisch bereits die entscheidenden „Finals“ um die Tour Cards darstellten. Yorick Hofkens bekam es mit niemand Geringerem als WDF-Weltmeister und ebenfalls frischgebackenem Tour-Card-Gewinner Jimmy van Schie zu tun und lieferte ein Duell auf Messers Schneide. Nach zwischenzeitlichem Rückstand kämpfte sich der deutsche Youngster mit starken Nerven zurück, überstand Matchdarts, erzwang mit einem Re-Break den Decider und behielt auch dort die Oberhand. Mit diesem Sieg sicherte sich Hofkens nicht nur den Tagessieg, sondern vor allem erstmals das goldene Pro-Tour-Ticket – und schrieb damit Geschichte: Mindestens 13 deutsche Tour Card Holder werden 2026 auf der PDC-Tour an den Start gehen, ein neuer Rekord für den deutschen Dartsport.
Im Parallelspiel ließ auch Matthias Ehlers keinen Zweifel daran, dass dieser Tag ganz im Zeichen Deutschlands stehen sollte. Obwohl seine Tour Card bereits zuvor rechnerisch gesichert war, kämpfte der Vortagesfinalist auch im Tagesfinale gegen Lennert Faes bis zum letzten Dart. In einem spannenden Decider setzte sich Ehlers mit 6:5 durch und schnürte damit den perfekten Doppelpack: Tour Card und Tagessieg.
Zwei Deutsche, zwei Tour Cards, ein doppelter Triumph – der dritte Tag der Final Stage der Europe Q-School 2026 war weit mehr als nur ein erfolgreicher Turniertag. Er war ein eindrucksvolles Statement, ein historischer Meilenstein und ein weiterer Beleg dafür, dass der deutsche Dartsport längst auf der großen Bühne angekommen ist.

UK Q-School: Sykes und McGuirk triumphieren

Nach einer bislang schwer berechenbaren Q-School-Woche in Milton Keynes, in der viele große Namen früh scheiterten und Favoriten reihenweise strauchelten, setzten sich am Ende zwei bekannte Akteure durch. Allen voran Tom Sykes, der für viele Insider längst als einer der besten Spieler ohne Profistatus galt. Nach einem holprigen Start in die Q-School belohnte sich der Engländer nun mit dem Tour-Card-Gewinn, indem er Stephen Burton im entscheidenden Match mit 6:4 bezwang. Sykes, der eigens seinen Job aufgegeben hat, um sich voll auf Darts zu konzentrieren, überzeugte über den Tag hinweg mit konstant starken Leistungen, blieb nie unter einem 84er-Average und spielte zeitweise dreistellig – eine echte Verstärkung für die PDC-Tour.
Ebenfalls erfolgreich war der frühere WDF-Weltmeister Shane McGuirk, der ein Jahr nach einem enttäuschenden Anlauf nun doch noch den Sprung auf die Pro Tour schaffte. Der Ire setzte sich in einem starken Turnierverlauf unter anderem gegen Adam Hunt, Robbie Martin und Nick Cocks durch und bezwang schließlich auch WM-Überraschungsmann Charlie Manby, der trotz Finaleinzugs punktemäßig weiter unter Druck steht. Während McGuirk seinen Durchbruch feierte, bleibt die Lage im Rennen um die restlichen Tour Cards in Milton Keynes weiterhin extrem eng – Spieler wie Burton, David Sharp, Sam Spivey, Harry Ward und Derek Coulson liegen aktuell zwar auf Tour-Card-Kurs, doch vor dem Entscheidungstag ist noch niemand in Sicherheit.
Klatscht 10Besucher 7
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading