„Wo werde ich wohnen? Ich weiß es nicht“ – Adam Leek kündigt seinen Job und erfüllt sich bei der Q-School den PDC-Traum

PDC
durch Nic Gayer
Freitag, 09 Januar 2026 um 10:00
LeekQ-School
Adam Leek konnte seine Emotionen kaum noch zügeln, als ihm bewusst wurde, was er soeben erreicht hatte. Am ersten Final-Stage-Tag der UK Q-School sicherte sich der Australier nach einem nervenaufreibenden Decider gegen Tyler Thorpe eine der begehrten PDC Tour Cards. Für Leek bedeutete dieser Moment nicht nur den sportlichen Durchbruch, sondern auch die Bestätigung einer mutigen Entscheidung: alles auf eine Karte zu setzen und den Fokus vollständig auf Darts zu legen.
Der Auftakt der Final Stage entwickelte sich für den vergleichsweise unbekannten Spieler aus Adelaide zu einer echten Belastungsprobe. Leek gewann vier Matches in Folge jeweils mit 6:5 – jedes einzelne im Entscheidungsleg. Den dramatischen Höhepunkt bildete das Duell mit Tyler Thorpe. Alle elf Legs gingen an den anwerfenden Spieler. Thorpe erhielt im Decider die Chance, das Match für sich zu entscheiden, verpasste jedoch das Doppel. Leek blieb ruhig, nutzte seine Gelegenheit und machte seinen erstmaligen Tour-Card-Gewinn perfekt.

Emotionale Reaktion nach einem Tag voller Druck

„Ich kann es ehrlich gesagt nicht glauben. Ich kann es nicht glauben“, sagte ein sichtlich gerührter Leek unmittelbar nach dem entscheidenden Sieg im Gespräch mit der PDC. Die Erleichterung nach einem extrem intensiven Tag war deutlich spürbar. „Es war ein stressiger Tag“, räumte er offen ein. „Aber ich habe mich immer wieder selbst zurechtgerückt.“
Damon Heta könnte beim World Cup of Darts gemeinsam mit Adam Leek für Australien antreten.
Damon Heta könnte beim World Cup of Darts gemeinsam mit Adam Leek für Australien antreten.
Besonders hob Leek einen wichtigen Unterstützer hervor: „Ein besonderer Dank geht an Dave Hannell – wir spielen viel Online-Darts zusammen. Ohne ihn hätte ich das nicht geschafft. Die Anzahl der Decider, die ich gegen ihn gespielt habe, hat mich auf diesen Moment vorbereitet.“
Der Weg zu diesem Erfolg war lang und riskant. Leek kündigte seinen Job und reiste aus Australien ins Vereinigte Königreich – mit dem klaren Ziel, Profidartspieler zu werden. Seit seiner Ankunft Anfang November stand alles im Zeichen der Vorbereitung. „Seit dem 5. November bin ich hier“, erklärte er. „Ich habe überall Turniere gespielt, immer mit der Q-School im Hinterkopf.“
Trotz seines Selbstvertrauens hatte Leek nicht damit gerechnet, dass sich der Erfolg so schnell einstellen würde. „Wenn ich ehrlich bin, dachte ich, dass nächstes Jahr wahrscheinlicher wäre“, sagte er. „Ich hatte noch viele Dinge zu klären. Ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll. Ich weiß nicht, wie ich alles regeln werde, aber ich muss es regeln.“

World Cup of Darts und neue Perspektiven

Mit der PDC Tour Card eröffnen sich für Leek unmittelbar neue Möglichkeiten. Sollte kein weiterer Australier über die Q-School eine Tour Card holen, rückt eine Teilnahme am World Cup of Darts an der Seite von Damon Heta in greifbare Nähe. Für Leek wäre das ein weiterer enormer Schritt und ein deutlicher Beschleuniger seiner internationalen Karriere.
Trotz der Freude kann Leek das Ausmaß seines Erfolgs noch kaum begreifen. „Wo werde ich wohnen? Keine Ahnung“, sagte er lachend. „Ich weiß nicht einmal, wie ich später wieder hierher zurückkommen soll.“ Fest steht jedoch: Adam Leek ist nun offiziell PDC-Profi.
Seine Q-School-Kampagne gewann durch Siege gegen namhafte Gegner zusätzlich an Gewicht. Unter anderem setzte er sich gegen den ehemaligen Weltmeister Steve Beaton durch. Zudem überstand er ein extrem nervenaufreibendes Match gegen Aidan Kirk, der mehrere Matchdarts hatte, um Leek die Tour Card zu verwehren. „Dieses Match war wirklich stressig“, gab Leek zu. „Aber ich habe immer daran geglaubt, dass ich das Talent habe.“
Nach eigener Aussage lag der entscheidende Fortschritt weniger im Wurf als im Kopf. „Früher war ich während der Matches so frustriert“, erklärte er. „Ich habe mich aus Partien genommen, die ich eigentlich gewinnen konnte. Ich musste lernen zu verlieren. Wirklich, ich musste lernen zu verlieren – und das hat mich hierhergebracht.“

Mentale Ruhe und Freude am Spiel

Diese neu gewonnene mentale Ruhe sorgt dafür, dass Leek heute vor allem eines tut: das Spiel genießen. „Wenn ich jetzt verliere, denke ich: fair play. Ich genieße einfach Darts.“ Auf die Frage, was ihn zu diesem großen Risiko bewegt habe, fiel seine Antwort klar aus: „Glaube. Darts im Fernsehen schauen und wissen, dass ich mit diesen Jungs mithalten kann.“
Diese „Jungs“ sind nun die absolute Weltspitze. In den kommenden zwei Jahren wird Adam Leek die Bühne mit Spielern wie Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen und Gary Anderson teilen. Eine Vorstellung, die sich für ihn noch immer surreal anfühlt. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich sagen soll“, sagte er abschließend – doch seine Leistungen am Board sprechen inzwischen eine deutliche Sprache.
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