Gary Anderson hat offenbart, dass er nicht für ein Comeback in die
Premier League Darts angefragt wurde. Eine Entscheidung, die ihn – nach eigenen Worten – durchaus enttäuscht hat. Nicht, weil er hätte teilnehmen wollen, sondern weil er sich gewünscht hätte, selbst die Möglichkeit zu haben, „Nein“ zu sagen. Der zweifache Weltmeister erklärte, dass ihn die Entscheidung der PDC-Verantwortlichen überrascht habe, er aber zugleich nachvollziehen könne, warum er nicht berücksichtigt wurde.
Der 55-jährige Schotte, besser bekannt als „The Flying Scotsman“, gehört zu den erfolgreichsten Spielern der Darts-Geschichte. Dennoch verspürt Anderson wenig Bedürfnis, noch einmal Teil der prestigeträchtigen, zugleich aber extrem kräftezehrenden
Premier League Darts zu sein. Seiner Einschätzung nach liegt diese Phase seiner Karriere hinter ihm. Stattdessen richtet er seinen Fokus auf Turniere, die besser zu seinen aktuellen Ambitionen und seinem Lebensstil passen.
„Nein, sie haben mich nicht gefragt – und darüber war ich ehrlich gesagt ziemlich angefressen, denn ich hätte gern selbst Nein gesagt“, erklärte Anderson. „Ich denke, sie wussten, wie ich dazu stehe. Früher haben sie ständig gefragt, aber ich bin jetzt glücklich mit dem, was ich mache.“
Gary Anderson gewann die Premier League Darts in den Jahren 2011 und 2015
„Erledigt, was zu erledigen war“
Trotzdem betont Anderson, dass er großen Respekt vor der
Premier League Darts hat, die er als fantastisches, zugleich aber extrem hartes Turnier beschreibt. „Die Premier League Darts – das habe ich gemacht. Sie ist großartig, aber es ist knallharte Arbeit“, sagt er nüchtern. „Und wenn man das mit allem kombiniert, was sonst noch dazugehört, wird es einfach zu viel.“
Über viele Jahre galt der Schotte als feste Größe in der Premier League und gewann den Wettbewerb 2011 sowie 2015. Doch die Motivation, sich erneut dem wöchentlichen Reisen und der hohen Belastung zu unterwerfen, ist deutlich geschwunden. Anderson investiert seine Energie lieber in Turniere, die ihm helfen, seine Position in der Weltrangliste zu halten oder sogar weiter zu verbessern.
Aktuell belegt er Rang sechs der Weltrangliste – eine Platzierung, die er um jeden Preis verteidigen will. „Ich möchte in den nächsten fünf Jahren weiter pushen“, erklärt Anderson. „Dafür muss ich die Pro Tours und European Tours regelmäßig spielen.“
Reisen zehrt an den Kräften
Ein zentraler Knackpunkt für Anderson ist der intensive Reiseplan, den die
Premier League Darts mit sich bringt. Woche für Woche von Stadt zu Stadt zu reisen, häufig in Kombination mit weiteren Turnieren, fordert seinen Tribut. „Ich habe die European Tours wieder richtig schätzen gelernt“, sagt er. „Vor allem die Turniere, zu denen ich leicht anreisen kann: ein Flug, vielleicht ein Taxi und ein Zug – wunderbar. Aber zwei Flüge, ein drei Stunden langer Zug und danach noch eine halbe Stunde im Taxi? Nein, danke.“
Nach Andersons Einschätzung finden einige Turniere inzwischen an Orten statt, die nur schwer erreichbar sind. „Manche Locations liegen wirklich mitten im Nirgendwo“, sagt er lachend, aber mit spürbarer Frustration.
Anschließend beschreibt er den Ablauf einer typischen Premier-League-Woche: „Mittwoch musst du schon vor Ort sein, Donnerstag spielst du. Freitag geht es direkt weiter nach Deutschland oder sonst wohin, Samstag und Sonntag spielen, Montag zurück, Dienstag Koffer packen – und am Mittwoch beginnt der ganze Zirkus wieder von vorn.“
Obwohl die
Premier League Darts für ihr hohes Preisgeld bekannt ist, relativiert Anderson dessen Bedeutung. „Das Geld ist gut, keine Frage“, stellt er klar. „Aber am Ende gleicht sich das alles aus. Du bist ständig unterwegs und hast kaum Zeit zur Regeneration.“
Starkes Jahr bestätigt Entscheidung
Dass Andersons Fokus auf die Pro Tour richtig gewählt ist, zeigen seine jüngsten Ergebnisse. In der vergangenen Saison spielte er eine starke Kampagne, gewann sowohl den European Darts Grand Prix als auch Players Championship 7. Zudem erreichte er das Halbfinale der
Darts WM, wo er schließlich von
Gian van Veen gestoppt wurde.
Für Anderson steht fest: Der Verzicht auf die
Premier League Darts ist keine verpasste Chance, sondern eine bewusste Entscheidung. Auch wenn ihn die fehlende Anfrage zunächst enttäuscht hat, wirkt er insgesamt zufrieden mit dem Kurs seiner Karriere. „Ich bin glücklich mit dem, was ich jetzt mache“, sagt er abschließend.