Madars Razma gehört zwar nicht zu den großen Titelhamstern der PDC, zählt seit Jahren aber zu den markantesten und konstantesten Gesichtern auf der Tour. Als Lettlands Nummer eins hat sich „Razmatazz“ dauerhaft in der erweiterten Weltspitze etabliert und zugleich maßgeblich dazu beigetragen, den Dartsport in der baltischen Region bekannter zu machen.
Der ganz große Triumph auf der PDC-Bühne fehlt dem 36-Jährigen bislang zwar noch, doch seine Erfolge sprechen für sich. Ein Viertelfinale beim World Cup of Darts, drei Endspielteilnahmen bei Players Championships sowie zwei Halbfinals auf der European Tour unterstreichen, dass Razma seit Jahren auf höchstem Niveau konkurrenzfähig ist.
Mehr als nur Ergebnisse auf der Tour
Sein Einfluss reicht allerdings weit über sportliche Resultate hinaus. In einer Region, in der Eishockey und Basketball traditionell deutlich populärer sind als Darts, hat Razma bewiesen, dass auch Spieler aus Lettland ihren Platz unter den Besten der Welt finden können. Ohne großes Aufsehen oder extravagantes Auftreten hat er sich zu einem der verlässlichsten Profis der PDC entwickelt.
Madars Razma ist seit Jahren Lettlands Nummer eins und zählt zu den konstantesten Spielern auf der PDC Pro Tour.
Abseits der Bühne beschreibt sich Razma vor allem als Familienmensch. Auf die Frage, wer der Mensch hinter dem Dartspieler sei, fällt seine Antwort entsprechend knapp aus.
„Ich bin verheiratet und habe zwei großartige Söhne“, erzählt der Lette gegenüber
Bang on Target.
Beruflich steuert Razma inzwischen auf ein bemerkenswertes Jubiläum zu. Seit fast zehn Jahren gehört er der PDC Pro Tour an – eine Konstanz, die alles andere als selbstverständlich ist. Viele Spieler verlieren in dieser Zeit ihre Tour Card oder verschwinden nach und nach von der großen Bühne. Razma hingegen hat sich immer wieder behauptet.
Dass ihm das gelungen ist, führt er vor allem auf Geduld und Ausdauer zurück.
„In diesen zehn Jahren gab es viele Momente, in denen ich sagen wollte: ‚Ich höre auf.‘ Aber ich bin sehr froh, dass ich letztlich bereit war zu warten, zu lernen und Erfahrung zu sammeln. Diese Erfahrung hilft mir heute enorm gegen neue Spieler, die sie noch nicht haben.“
Razma sieht großes Potenzial in der Region
Neben seiner eigenen Karriere verfolgt Razma die Entwicklung des Dartsports in Skandinavien und dem Baltikum aufmerksam. Über die PDC Nordic & Baltic Tour haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Talente den Sprung auf die internationale Bühne geschafft. Der endgültige Durchbruch in die Weltspitze bleibt jedoch für viele schwierig.
„Wir sollten über jeden neuen Spieler auf der Tour froh sein“, sagt Razma. „Aber im Moment sehen wir, dass die meisten Toppositionen noch immer von erfahrenen Spielern eingenommen werden. Dennoch denke ich, dass insgesamt viel Qualität in unserer Region vorhanden ist.“
Neben Razma selbst zählt vor allem Darius Labanauskas aus Litauen zu den bekanntesten Spielern aus dem Baltikum, denen der Sprung in die PDC gelungen ist. Dennoch bleibt die Zahl der Profis aus dieser Region überschaubar – aus Sicht des Letten nicht ausschließlich aus sportlichen Gründen.
„Einer der Gründe könnten die hohen Lebenshaltungskosten sein. Der PDC-Kalender ist heutzutage sehr voll, und zusätzlich gibt es noch die PDC Nordic & Baltic-Turniere. Spieler müssen sich von der Arbeit freinehmen, aber es gibt keine Garantie, dass sie mit PDC-Turnieren genug Geld verdienen können. Für Darius und mich ist die Situation anders, weil wir in günstigeren Ländern leben.“
Für Razma zeigt das deutlich, dass Talent allein im modernen Dartsport längst nicht mehr ausreicht. Wer den Sprung auf die Pro Tour schaffen will, muss auch die finanziellen Möglichkeiten besitzen, den enormen Reiseaufwand stemmen zu können.
Obwohl der erste große Titel bislang auf sich warten lässt, stand Razma mehrfach dicht vor einem Triumph. Drei Finals bei Players Championships und zwei Halbfinals auf der European Tour zeigen, dass er an guten Tagen jeden Spieler der Welt schlagen kann.
An diese besonderen Momente erinnert sich der Lette bis heute gerne zurück.
„Ich erinnere mich noch sehr gut an mein erstes Halbfinale auf der European Tour, genauso wie an alle Finals bei den Players Championship-Turnieren. Jedes dieser Turniere hat seine eigene besondere Geschichte. Natürlich vergesse ich auch mein Viertelfinale beim World Grand Prix und mein Debüt beim World Matchplay nicht.“
Angesichts der enormen Leistungsdichte auf der Tour sei es heute allerdings schwerer denn je, Titel zu gewinnen. Nahezu jedes Pro-Tour-Turnier ist inzwischen mit Spielern besetzt, die an einem guten Tag Averages jenseits der 100 Punkte spielen könnten.
Rückkehr auf die Nordic & Baltic Tour als Wunsch
Trotz seiner langjährigen Zugehörigkeit zur PDC Pro Tour würde Razma künftig gerne wieder häufiger gegen Spieler aus seiner Heimatregion antreten. Die aktuellen Regularien lassen das allerdings nicht zu.
„Ich würde gern wieder auf der PDC Nordic & Baltic Tour spielen“, verrät er. „Wie gesagt, es gibt gute Spieler und es wären hochwertige Partien.“
Weil ihm Starts auf der regionalen Tour verwehrt bleiben, sucht Razma inzwischen andere Möglichkeiten, um zusätzliche Matchpraxis zu sammeln.
„Weil ich nicht an den PDC Nordic & Baltic-Turnieren teilnehmen darf, habe ich begonnen, lokale Turniere in Lettland zu spielen. Die Gegner sind nicht so stark, wie ich es mir wünschen würde, aber es ist immer noch besser als nichts.“
Ganz ohne Nachteile sei das allerdings nicht.
„Der Nachteil wäre, dass man am Sonntagabend noch zu den Pro Tour-Turnieren reisen muss.“
Razma wünscht sich European Tour in Skandinavien
Die European Tour hat in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Ein Turnier in der baltischen oder skandinavischen Region sucht man im Kalender bislang jedoch vergeblich. Razma glaubt zu wissen, woran das liegt.
„Ich bin mir zu 99 Prozent sicher, dass das Problem bei den Unterkünften und den Kosten liegt“, erklärt der Lette. „Die World Series-Turniere in Kopenhagen haben bereits bewiesen, dass die PDC in dieser Region großartige Events organisieren kann.“
Ein weiteres Event in Dänemark hält Razma allerdings für wenig realistisch. Stattdessen würde er sich ein European-Tour-Turnier in Schweden wünschen.
„Ein zweites Turnier in Dänemark wäre zu viel, aber ich würde gern eine European Tour in Schweden sehen. Dort gibt es viele gute lokale Spieler.“
An der Nachfrage der Fans hätte ein solches Event aus seiner Sicht keinen Mangel.
„Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass die Leute gern ein PDC European Tour-Turnier in einem der skandinavischen oder baltischen Länder sehen würden.“
Stolz auf den historischen World-Cup-Lauf mit Lettland
Einen der größten Momente seiner bisherigen Karriere erlebte Razma im Juni im Trikot seines Heimatlandes. Gemeinsam mit Landsmann Valters Melderis sorgte er beim World Cup of Darts mit dem Einzug ins Viertelfinale für einen historischen Erfolg.
Madars Razma (l.) und Valters Melderis sorgten mit Lettland beim World Cup of Darts für einen historischen Viertelfinaleinzug.
„Selbstverständlich waren wir nach dem Turnier beide stolz auf das, was wir beim World Cup erreicht hatten“, sagt Razma. „Ich stimme zu, dass wir vielleicht ein bisschen Glück mit der Auslosung und den Gegnern hatten, aber dieses letzte Spiel war wirklich so ein Moment: wow.“
Trotz des Erfolgs bleibt bei ihm das Gefühl, dass sogar noch mehr möglich gewesen wäre.
„Ich habe immer noch gemischte Gefühle. Wenn sie uns noch eine Chance geben würden ... Aber es ist, wie es ist. Wir müssen die positiven Emotionen in die kommenden Turniere mitnehmen.“
Auffällig war während des Turniers, dass Razma im lettischen Duo stets als zweiter Spieler ans Oche trat. Dahinter steckte nach seinen Worten eine bewusste Entscheidung.
„Wir hatten vor dem Turnier vereinbart, dass ich in all unseren Spielen als zweiter Spieler werfe. Dafür gibt es mindestens drei oder vier Gründe, die ich aber nicht offenlegen möchte.“
Grand Slam bleibt das große Ziel
Mit Blick auf den weiteren Saisonverlauf hat Razma seine Ziele klar definiert. In erster Linie möchte der Lette seine Position in der Weltrangliste weiter verbessern.
„Jedes Jahr setze ich mir ein Ziel in der Rangliste: besser abschneiden als in der Vorsaison“, erzählt er. „In diesem Jahr muss ich bei der WM viel Preisgeld verteidigen, aber ich hoffe, dass ich dafür bereit bin.“
Ein Turnier steht dabei ganz besonders auf seiner Wunschliste.
„Ich habe noch nie beim Grand Slam of Darts gespielt und würde mich sehr gern dafür qualifizieren. Aber ich blicke ohnehin auf alles positiv!“