Fallon Sherrock richtet den Blick fest nach vorn. Mit dem
Women’s World Matchplay steht eines der wichtigsten Turniere ihres Jahres unmittelbar bevor – und die Engländerin reist mit klaren Ambitionen an. Die Erinnerungen an die beiden verlorenen Finals der vergangenen Jahre wirken nach, sie treiben sie an. Sherrock will den Titel zurückholen und stellt sich selbstbewusst gegen die aktuelle Dominanz von
Beau Greaves.
Beim BST Hyde Park Championship sprach „The Queen of the Palace“ offen über ihre Form, ihre gesundheitliche Situation und ihre sportlichen Ziele. Trotz anhaltender körperlicher Probleme glaubt sie fest daran, wieder ganz oben angreifen zu können. Ihre Botschaft ist klar: Sie sieht sich weiterhin als ernsthafte Titelkandidatin.
Extreme Bedingungen und wachsender Sport
Das Showturnier im Hyde Park verlangte den Spielerinnen und Spielern alles ab. Hohe Temperaturen und schwierige Windverhältnisse machten präzises Scoring zur Herausforderung. Sherrock nahm die Situation mit Humor: „Ich fühle mich, als wäre ich gerade aus einem Ofen gekommen.“
Gleichzeitig hebt sie den besonderen Reiz solcher Events hervor. „Du weißt wegen des Winds manchmal überhaupt nicht, wohin deine Darts fliegen“, erklärt sie. „Du versuchst, das Beste daraus zu machen.“ Für das Publikum entsteht daraus ein unterhaltsames Spektakel, für die Spieler eine willkommene Abwechslung zum klassischen Turnieralltag.
Sherrock gewann das Women's World Matchplay 2022.
Sherrock sieht in solchen Veranstaltungen auch einen wichtigen Impuls für den Sport. „Es zeigt, wo der Sport aktuell steht“, betont sie. Immer mehr bekannte Persönlichkeiten interessieren sich für Darts und treten selbst ans Board. „Je öfter wir solche Events haben, desto größer wird der Sport“, ergänzt sie.
Auch die Entwicklung der Zuschauerzahlen beobachtet sie genau. Große Turniere sind längst ausverkauft, Tickets heiß begehrt. „Jeder will Karten haben“, sagt Sherrock. Sie hält es deshalb für möglich, dass Darts künftig noch größere Bühnen erobert. „Vielleicht können wir eines Tages sogar ein Fußballstadion ausverkaufen.“
Form im Aufwind: Der Blick geht nach oben
Sportlich sieht Sherrock deutliche Fortschritte. „Ich trainiere so viel ich kann und spiele alle Matches, die möglich sind“, erklärt sie. Konstanz steht im Mittelpunkt ihrer Vorbereitung, und die Ergebnisse geben ihr recht.
Ihr Anspruch ist klar definiert. „Ich will mindestens um die 90 im Average spielen“, sagt sie. Gegen Topspielerinnen wie Beau Greaves reicht das allerdings nicht aus. „Wenn ich gegen sie spiele, muss der Average Richtung 100 gehen“, stellt Sherrock fest. „Wenn ich das nicht schaffe, kann ich genauso gut nach Hause fahren.“
Diese ehrliche Einschätzung zeigt ihren Anspruch. Sherrock weiß genau, welches Niveau nötig ist, um Titel zu gewinnen. Genau darauf richtet sie ihr Training aus.
Klare Ansage an die Konkurrenz
Aussagen, dass das Teilnehmerfeld lediglich um Platz zwei spiele, lehnt Sherrock entschieden ab. „Ich verstehe nicht, warum man zu einem Turnier fahren sollte mit dem Gedanken, um den zweiten Platz zu spielen“, sagt sie deutlich.
Für sie beginnt Erfolg im Kopf. „Du musst mit der Überzeugung fahren, dass du gewinnst“, erklärt sie. Zweifel lässt sie nicht zu. „Du spielst gegen jeden Gegner, versuchst jeden zu schlagen und zeigst dein bestes Spiel.“
Diese Mentalität zieht sich durch ihre gesamte Karriere. Sherrock denkt nicht in Hierarchien, sondern in Chancen. Für sie zählt nur der eigene Auftritt – und der soll auf höchstem Niveau stattfinden.
Neuer Ausrüster, vertrautes Gefühl
Mit dem Wechsel zu Winmau hat Sherrock ein neues Kapitel begonnen. Nach Jahren bei Target stellte sie ihr Setup um, ohne große Probleme. „Ich benutze die neuen Darts schon“, sagt sie.
Aktuell arbeitet sie noch an Feinabstimmungen. „Ich experimentiere noch ein wenig mit Flights und Shafts“, erklärt sie. Die Umstellung verlief dennoch reibungslos. „Die meisten Barrels ähneln sich doch ziemlich“, so Sherrock.
Entscheidend bleibt für sie das Gefühl beim Gruppieren im Triple-Feld. „Mit etwas Training kann ich mich im Grunde an alles anpassen“, sagt sie. Diese Flexibilität gibt ihr zusätzliche Sicherheit.
Verpasste Titel als Motivation
Die beiden verlorenen Finals beschäftigen Sherrock weiterhin. „Zwei Finals nacheinander tun einfach weh“, gibt sie offen zu. Trotz Anerkennung für ihre Gegnerinnen bleibt die Enttäuschung bestehen.
Sie analysiert die Niederlagen klar. „Ich habe meine Doppelfelder verpasst, sie nicht“, sagt sie rückblickend. Genau dort setzt sie nun an, um künftig den Unterschied zu machen.
Ihr Ziel bleibt unverändert. „Ich will diesen Titel wirklich unbedingt“, betont sie. Jedes Jahr reist sie mit der gleichen Überzeugung an. Der Hunger auf den nächsten großen Erfolg ist ungebrochen.
Gesundheit als ständiger Begleiter
Neben dem sportlichen Anspruch spielt ihre Gesundheit eine entscheidende Rolle. „Ich bin nicht besser, aber auch nicht schlechter. Alles ist stabil“, beschreibt Sherrock ihre aktuelle Situation.
Sie hat gelernt, mit den Einschränkungen umzugehen. „Ich kenne meine Grenzen“, sagt sie. Regeneration und Belastungssteuerung stehen heute im Fokus. „Ich weiß, wie ich mich erholen muss.“
Trotzdem setzt ihr Körper klare Grenzen. „Ich kann nicht jedes Wochenende spielen“, erklärt sie. Viele sehen nur die Auftritte auf der Bühne, nicht aber die Folgen danach. „Die Leute sehen nicht, wie es mir zu Hause geht.“
Gesundheit als entscheidender Faktor
Ihre körperliche Verfassung spielt eine zentrale Rolle in ihrer Karriere. Sherrock kämpft seit längerer Zeit mit gesundheitlichen Problemen, die ihren Alltag und ihre sportliche Planung beeinflussen. Immerhin hat sich die Situation zuletzt stabilisiert.
Sie kennt ihren Körper heute deutlich besser als noch vor einigen Jahren. Regeneration, Belastungssteuerung und Ernährung stehen stärker im Fokus. Diese Erfahrungen helfen ihr, das Maximum aus ihren Möglichkeiten herauszuholen.
Dennoch setzt ihre Gesundheit klare Grenzen. Sie kann nicht jedes Wochenende antreten und muss ihre Einsätze sorgfältig planen. Außenstehende sehen oft nur die Auftritte auf der Bühne, nicht aber die Belastung danach. Turniere fordern ihren Körper erheblich, insbesondere über mehrere Tage hinweg.
WM wichtigstes Ziel, Grand Slam abhängig vom Matchplay
Für den Rest der Saison steht ein Ziel ganz oben. „Es hängt ein wenig davon ab, wie das
Women's World Matchplay verläuft. Wenn ich das gewinne, muss ich mir um die Qualifikation für den Grand Slam keine Sorgen machen.“
Gelingt das nicht, wartet in der Women's Series noch viel Arbeit. „Dann muss ich dort voll durchziehen. Natürlich will ich den Grand Slam erreichen, aber mein größtes Ziel bleibt die WM.“
Sollte Beau Greaves sich endgültig voll auf die PDC-Tour konzentrieren, könnte sie möglicherweise seltener oder gar nicht mehr an der Women's Series teilnehmen. Das sorgt bei Sherrock für gemischte Gefühle. „Es ist eigentlich ein bisschen fifty-fifty.“
Einerseits sieht sie mehr Chancen auf Titel. „Die meisten Male, wenn ich bei der Women's Series ausscheide, ist das gegen Beau oder Lisa Ashton. Ohne sie würde ich wahrscheinlich viel häufiger gewinnen.“
Doch aus ihrer Sicht hat das auch eine Kehrseite. „Ich brauche das Preisgeld nicht unbedingt. Ich will vor allem Titel gewinnen. Nur frage ich mich dann: Spiele ich dann überhaupt noch gegen das stärkste Teilnehmerfeld? Man vermisst dann schließlich die Nummer eins der Welt. Für mein Gefühl spielt man dann eigentlich um den zweiten Platz.“
Zudem erwartet sie, dass die sozialen Medien sofort darauf anspringen. „Das werden die Leute sowieso sagen. Das sind alles Keyboard-Warriors. Sie schätzen das Wachstum des Frauendarts nicht. Das sollten sie eigentlich unterstützen. Aber sie sind nie zufrieden. Selbst bei den Männern passiert das. Wenn Luke Littler irgendwo nicht mitspielt, sagen die Leute auch sofort, dass ein Turnier weniger wert ist. Man sollte einfach wertschätzen, dass jemand einen Titel gewinnt.“
Tour Card bleibt großer Traum
Trotz allem hat sich Sherrocks langfristiges Ziel nicht verändert. Sie will weiterhin eine Tour Card erobern und sich dauerhaft mit den besten Spielern der Welt messen. „Das ist immer noch mein Ziel.“
Sie erkennt jedoch, dass ihre Gesundheit vorerst die größte Unwägbarkeit darstellt. „Ich denke nur nicht, dass das sofort passieren wird. Wenn es in den kommenden Jahren gelingt, ist das fantastisch. Aber ich weiß nicht, wie sich mein Spiel auf der Tour entwickeln würde.“
Sherrock blickt dabei auch auf eine zukünftige Nierenoperation, von der sie hofft, dass sie ihr neue Möglichkeiten eröffnet. „Ich denke, dass ich nach dieser Nierenoperation wirklich neu anfangen kann. Dann kann ich mein Spiel weiterentwickeln, die ProTour angehen und mich wirklich herausfordern.“