„Manchmal ist Josh einfach zu nett“ – Daryl Gurney formuliert vor Belfast-Spieltag klare Ansage an Landsmann Rock

PDC
durch Nic Gayer
Donnerstag, 26 Februar 2026 um 10:00
Daryl Gurney (1)
Wenn Daryl Gurney neben seinen fantastischen Darts-Fähigkeiten für eine Sache bekannt ist, dann dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Der zweifache Major-Sieger aus Nordirland weiß wie kaum ein anderer, was es bedeutet, in der Premier League Darts zu bestehen – und vor allem, was ein Heimspiel in Belfast emotional auslöst. Mit Landsmann Josh Rock, mit dem er im vergangenen Jahr den World Cup of Darts gewann, kämpft aktuell ein enger Vertrauter in der Liga um wichtige Punkte. Die Frage nach einem Rat lag auf der Hand.
Die Antwort fiel typisch aus: offen, ehrlich – aber mit klaren Worten. „Ich gebe ihm seit Wochen schon Ratschläge“, erklärte er im Gespräch mit Tungsten Tales. „Aber das bleibt zwischen ihm und mir. Das werde ich hier nicht alles ausplaudern.“

„Er ist manchmal zu nett“

Trotzdem ließ Gurney durchblicken, worauf es ihm ankommt – besonders mit Blick auf den Premier-League-Abend in Belfast.
Josh Rock debütiert in diesem Jahr in der Premier League Darts
Josh Rock debütiert in diesem Jahr in der Premier League Darts
Josh Rock erhielt in dieser Saison erstmals eine Einladung zur Premier League Darts, einer Tour, auf der Gurney selbst einst Stammkraft war. Die Resultate des 24-Jährigen blieben bislang hinter den Erwartungen zurück. Für Gurney sagt das jedoch wenig aus. „Er hat es absolut verdient, in der Premier League Darts zu stehen“, betonte er. „Ich finde nicht, dass er schon sein volles Potenzial gezeigt hat.“
Er verwies auf ein Match, in dem Rock einen Average von rund 102 Punkten spielte und dennoch gegen Jonny Clayton verlor. „Das ist einfach Pech“, meinte Gurney. „Aber ich habe das Spiel nicht komplett gesehen, daher kann ich nicht mehr dazu sagen.“
Größere Sorgen bereitet ihm ein anderer Aspekt. „Manchmal ist Josh einfach zu nett“, analysierte Gurney. „Er verkriecht sich in seine eigene Zone, in seinem eigenen Kopf. Er denkt, alle seien da, um gemein zu ihm zu sein. Dabei müsste er eigentlich denken: Ich bin hier, um es allen schwer zu machen.“

Belfast: Segen oder zusätzlicher Druck?

Nun wartet Belfast – ein Abend, der für jeden nordirischen Spieler besonders ist, aber auch enormen Druck erzeugt. Gurney kennt dieses Gefühl nur zu gut. „Ich weiß nicht, wie Josh damit umgeht“, gab er offen zu. „Er ist so ruhig. So beherrscht. Ich glaube ehrlich gesagt, dass ihn nur wenig wirklich aus der Fassung bringt.“
Für ihn selbst fühlte sich die Bühne in Belfast anders an. „Wenn du mich jetzt auf die Premier League Darts in Belfast ansprichst, bekomme ich immer noch Gänsehaut“, sagte er. „Für mich fühlte es sich wie ein WM-Finale an.“
Er erinnerte sich an seinen Sieg über Rob Cross, kurz nachdem dieser Weltmeister geworden war. Dieser Moment brannte sich ein. „Im Jahr darauf musste ich wieder gegen ihn ran“, erzählte Gurney. „Ich hatte das Wochenende zuvor noch ein Turnier der European Tour gewonnen. Aber ich spürte, wie mir die Hände zitterten. Es war so intensiv.“
Dann folgte der prägendste Satz: „Wenn ich hundertprozentig fit war, war mir egal, wer mir gegenüberstand. In Belfast brauchten sie vier Pfeile, um mich zu schlagen. So hat es sich angefühlt. Weil ich es wie ein WM-Finale behandelt habe.“
Genau diese Haltung erwartet er von Rock. „Wenn Josh es nicht so angeht, fürchte ich, dass er wieder durchfällt, wie in den vergangenen Wochen. Aber ich hoffe wirklich, dass er schnell Punkte holt. Denn wenn das nicht passiert, fängt er an zu grübeln. Und wenn du zu weit zurückfällst, wird es fast unmöglich, das noch aufzuholen.“

Eine harte Auslosung

In Belfast trifft Rock im Viertelfinale auf Gian van Veen. „Da haben sie ihm schon eine harte Aufgabe gegeben“, sagte Gurney trocken. „Aber ich hoffe, dass er genug bringt, um dieses Spiel zu gewinnen.“

Gurneys eigene Form: wachsendes Vertrauen

Gurney sprach nicht nur über seinen Landsmann, sondern auch über sich selbst. Dabei klang vorsichtiger Optimismus an. „Es ist mein Selbstvertrauen“, erklärte er. „Anfang des Jahres hätte ich vielleicht gesagt, dass ich unter Druck stehe. Aber selbst an einem schlechteren Tag war ich in dieser Saison immer dicht dran.“
Sein Vertrauen wächst Schritt für Schritt. „Ich versuche, meinen Kopf frei zu bekommen“, sagte er. „Am Ende will ich in diesem Jahr bei allen Majors spielen.“
Da das Interview im Rahmen der Poland Darts Open stattfand, gab Gurney spannende Einblicke in sein derzeitiges Gefühl am Oche. „Bis ich auf die Bühne ging, spürte ich Druck. Aber sobald ich dort stand, fühlte ich mich wie ein Profi. Ich fühlte mich gut.“
Selbst verpasste Doppel brachten ihn nicht aus dem Konzept. „Ich hatte das Gefühl, dass ich noch so viele Gänge übrig hatte. Hätte ich mich zu 110 Prozent fokussieren müssen, hatte ich das Gefühl, dass ich trotzdem gewinnen würde.“

Neue Horizonte: Eindruck aus Polen

„Die Stadt ist wunderschön“, schwärmte Gurney über Krakau. „Ich nahm ein Taxi vom Flughafen und sah prachtvolle Gebäude. Und die Spielhalle war wirklich ein großartiges Gebäude.“
Er genießt es, neue Länder zu bereisen. „Ich liebe es, neue Orte zu sehen. Polen, Frankreich, Italien – überallhin, wo uns Darts führt.“
Mit einem Lächeln ergänzte er: „Ich kenne genug Leute, die hier Urlaub machen. Ich fliege für die Wärme auf die Kanaren, sie kommen für die Kälte hierher. Aber wenn sie das wollen, bitte. Nach dem, was ich gesehen habe, ist das ein wunderschöner Ort.“
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