Die Mission Titelverteidigung von
Luke Humphries beim
Winmau World Masters 2026 hat begonnen. Der amtierende Champion zog souverän in die nächste Runde ein, auch wenn sein Auftakt nicht frei von Fehlern blieb. Am Ende überwog dennoch Zufriedenheit – und vielleicht noch wichtiger: Vertrauen. In seiner Analyse sprach der Weltranglistenerste offen über technische Anpassungen, körperliche Entscheidungen und eine grundlegende Neuausrichtung seiner Laufbahn.
Mit einem
3:1-Erfolg gegen Dave Chisnall setzte sich Humphries in der ersten Runde des
Winmau World Masters 2026 durch. Nach dem überraschenden Verlust des ersten Sets fand „Cool Hand Luke“ schnell wieder zu seinem Spiel. „Das erste Set war ein seltsames“,
blickte er auf der Pressekonferenz zurück. „Ich habe eigentlich sehr gut gescort und mich ständig in Position gebracht, das Set zu gewinnen. Aber diese Doppel Fünf… aus irgendeinem Grund hat sie mich komplett aus dem Rhythmus gebracht.“
Fehler auf die Doppel, Vertrauen in die Scoring-Power
Trotz der vergebenen Chancen blieb Humphries ruhig. Die Doppel ließen ihn zwar im Stich, doch seine Basis – das Scoring – funktionierte. „Die Doppel, vor allem Doppel Sieben, waren einfach nicht nah dran. Dieses Set habe ich mir im Grunde selbst genommen“, erklärte er. „Aber ich habe weitergemacht wie immer: dranbleiben, weiterwerfen. Und meine Scores waren wirklich hervorragend.“
Dass dies kein Zufall war, wusste Humphries genau. Er spielte erstmals auf einer großen Bühne seit einer kleinen Materialveränderung. „Die wichtigste Erkenntnis dieses Matches ist, dass mein Scoring top war, gerade mit diesen neuen Darts“, stellte er fest.
Feine Materialänderungen mit großer Wirkung
Für Außenstehende wirkte das Setup des 30-jährigen Engländers nahezu unverändert. Doch im Detail hatte Humphries bewusst nachjustiert. „Viele Leute werden gedacht haben: Was ist denn anders? Aber für mich ist es wirklich ein anderes Set Darts“, erklärte er. „Es ist derselbe Stil wie im letzten Jahr, aber ein anderes Set. Ich spiele jetzt mit austauschbaren Spitzen, sodass ich bei Bedarf anpassen kann. Das Design ist gleich, aber das Gefühl ist anders.“
Auch bei den Flights kam es zu einer Umstellung – nicht aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit. „Die Flights, die ich benutzt habe, wurden einfach nicht mehr hergestellt. Nach Saudi-Arabien habe ich diese eingesetzt. Ich hatte sechs Tage, um damit zu trainieren, und ich habe sofort gut gescort. Da dachte ich: Schauen wir uns das Schritt für Schritt an.“
Humphries betrachtet sein Material dabei pragmatisch. „Flights bedeuten mir eigentlich nichts, aber gleichzeitig alles. Sie unterstützen dein Spiel. Es fühlt sich gut an, dass ich mich von der Idee gelöst habe, immer exakt mit demselben spielen zu müssen.“
Körperliche Fitness als Schlüssel zur Konstanz
Mindestens genauso wichtig wie die technischen Anpassungen ist für Humphries der körperliche Weg, den er eingeschlagen hat. Seit seinem WM-Titel hat er seinen Lebensstil weiter geschärft. „Ich habe wirklich mehr auf meinen Körper geachtet. Nicht weil mein Gewicht ein Problem war – das ist seit Jahren stabil –, sondern weil mein Körper nicht unbedingt gesund war.“
Darüber spricht Humphries bemerkenswert offen. „Du trainierst weniger, du isst schlechter. Das merkst du nicht sofort, aber es schleicht sich ein. Und in dieser Saison habe ich mich wirklich für einen fitteren Lebensstil entschieden. Gesünder essen, mehr bewegen. Und ich fühle mich gut. Gesunder Körper, gesunder Geist.“
Für ihn geht es dabei nicht um Verzicht, sondern um Details. „Es ist nicht so, dass du alles aufgibst. Es ist simpel: Nach einem Match kein Junkfood, sondern zum Beispiel Pasta. Kleine Anpassungen, aber sie machen einen großen Unterschied bei der Energie.“
Vorbildfunktion ohne Attitüde
Ob er sich damit als Vorbild für jüngere Spieler sieht, beantwortet Humphries zurückhaltend. „Jeder Spieler ist anders. Es gab genug Dartspieler, die nicht topfit waren und trotzdem alles gewonnen haben. Und es gibt fitte Spieler, die es nicht schaffen.“
Gleichzeitig betont er, wie wichtig das Thema mit zunehmendem Alter wird. „Wenn du jung bist, kommst du damit durch. Aber in deinen Dreißigern und Vierzigern verändert sich alles. Deine Muskeln, deine Gelenke. Dann ist es wichtig, gut auf dich zu achten.“
Humphries verweist dabei auch auf Kollegen wie Michael van Gerwen und Gerwyn Price, die ähnliche Wege eingeschlagen haben. „Diese zusätzlichen fünf Prozent können auf höchstem Niveau den Unterschied machen.“
Mission Titelverteidigung
Als Titelverteidiger zum
Winmau World Masters zurückzukehren, hat für Humphries einen besonderen Reiz. „Es ist immer schön, zu einem Turnier zurückzukehren, das du schon einmal gewonnen hast. Ich habe großartige Erinnerungen an das letzte Jahr.“
Gleichzeitig warnt er vor Nachlässigkeit. „Das ist ein gnadenloses Turnier. Wenn du deine Doppel nicht triffst, machst du es dir extrem schwer. Das hat man bei mir schon im ersten Set gesehen.“
Die Konsequenz ist klar. „Meine Doppel müssen schärfer werden. Das werde ich morgen auf jeden Fall üben, vor allem weil man mit einem neuen Setup manchmal merkt, dass das Scoring von allein kommt, aber gerade die Doppel den Unterschied machen.“
Neue Phase, neues Kapitel
Mit neuem Shirt, angepassten Darts und einem fitteren Körper fühlt sich 2026 für Humphries wie ein Neuanfang an. „Es ist eine Art Neuerfindung. Die letzten drei Jahre waren fantastisch: Weltmeister, Premier-League-Sieger, World Cup of Darts, nationale Titel. Dann kommt die Frage: Was jetzt? Wie gewinnst du noch mehr?“
Seine Antwort lautet Optimierung. „Ich will mich in die bestmögliche Verfassung bringen. Denn je älter du wirst, desto härter wird es. Dann musst du eben ein bisschen mehr tun.“
In der nächsten Runde wartet mit
Luke Woodhouse ein Gegner, der zuletzt mit enormer Scoring-Power auf sich aufmerksam gemacht hat. Humphries bleibt realistisch. „Es ist niemand, vor dem ich Angst habe, aber auch sicher kein Gegner, den du in der ersten Runde haben willst.“
Der Schlüssel liegt für ihn auf der Hand. „Ich kann mir keine Fehler leisten wie im ersten Set gegen Chisnall. Tue ich es doch, verliere ich. Aber wenn ich meine Doppel treffe, wird es für ihn ein sehr schwieriger Abend.“