„Meine Eltern denken sich vielleicht manchmal: Wer bist du eigentlich noch?“ – Ricky Evans über das hektische Leben als Dartprofi

PDC
Mittwoch, 25 März 2026 um 8:00
Ricky Evans
Ricky Evans ist seit fast fünfzehn Jahren auf der PDC-Tour unterwegs. Trotz des Ausbleibens eines Turniersiegs hat sich der 35-jährige Engländer zu einer respektierten Größe auf der Pro Tour entwickelt. Auch bei den Fans ist Evans sehr beliebt, vor allem wegen seiner spektakulären Walk-ons.
Evans ist nämlich nie um einen Scherz verlegen und erschien in den vergangenen Jahren bei der Darts-WM regelmäßig als Weihnachtsmann verkleidet auf der Bühne. Das Publikum im Alexandra Palace liebte es, und „Rapid Ricky“ wurde zur Kultfigur.

Leben aus dem Koffer

Hinter dem Humor steckt jedoch auch eine ernstere Seite. Evans sprach offen über die harte Realität des Tourlebens, besonders für Spieler außerhalb der absoluten Spitze. „Ich spiele eigentlich mehr Darts als die meisten Spieler“, erklärte er. „Lokale Ligen, Pro Tour, alles zusammen. Aber ich bin am Ende.“
Damit meint er nicht nur die körperliche Ermüdung. „Ich bin ständig unterwegs. Ich lebe aus dem Koffer. Meine Eltern denken sich vielleicht: Wer bist du eigentlich noch? Ich bin nie zu Hause.“
Für Spieler außerhalb der Weltspitze ist diese Belastung besonders groß. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie Jungs wie Luke Humphries oder Gerwyn Price das machen, zumal sie auch noch andere Verpflichtungen haben.“

Kein Spielraum zum Auslassen

Während Topspieler sich mitunter bewusst Pausen gönnen, hat Evans diesen Luxus nicht. Der Druck, Punkte zu sammeln und sich für große Turniere zu qualifizieren, zwingt ihn dazu, weiterzuspielen. „Wenn ich in ihrer Position wäre, würde ich vielleicht auch mal ein Turnier auslassen“, gab er zu. „Aber das kann ich nicht. Ich muss weiterspielen.“
Seine Ziele sind klar: Qualifikationen für große Bühnen wie die WM im Alexandra Palace und womöglich noch ein gutes Abschneiden bei weiteren Majors. „Ich habe in dreizehn Jahren noch nie ein Turnier ausgelassen“, sagte er. „Vielleicht sagt das auch etwas — denn ich habe noch nie eins gewonnen.“
Dennoch bleibt er zuversichtlich. „In meinem Kopf denke ich immer: Wenn ich ein Turnier auslasse, ist es vielleicht genau das Turnier, das ich gewonnen hätte. So tickt mein Gehirn.“
Ricky Evans grüßt das Publikum
Ricky Evans ist aktuell die Nummer 45 der Welt

Liebe zum Sport bleibt ausschlaggebend

Trotz aller Müdigkeit, Zweifel und Frustration bleibt eines konstant: seine Liebe zum Darts. „Ich liebe diesen Sport einfach“, so Evans. „Das ist der Grund, warum ich hier bin.“
Und als er hörte, dass er nach Absagen anderer Spieler doch noch am Turnier in Wieze am vergangenen Wochenende teilnehmen durfte, war die Entscheidung schnell gefallen. „Mein Manager sagte: Du bist drin. Flug gebucht, fertig. Es ist eine freie Chance, also warum nicht?“
Evans erreichte schließlich die zweite Runde der Belgian Darts Open, in der er mit 5:6 gegen Ryan Searle verlor.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading