„Menschen werden zurückblicken und sagen: ‚Devon hat es vorausgesagt‘“ – Petersen glaubt, dass Afrika binnen drei Jahren „ein ernstzunehmender Faktor“ im Darts wird
Der World Cup of Darts ist für Südafrika vorbei, doch Devon Petersen blickt trotz des frühen Aus einvernehmlich in die Zukunft. Der flamboyante „African Warrior“ feierte in Frankfurt sein Comeback auf der großen Bühne und nutzte seinen Auftritt sofort, um seine ambitionierte Vision für den afrikanischen Dartsport zu skizzieren.
Gemeinsam mit Graham Filby schied Petersen in der Gruppenphase aus. Südafrika verlor gegen Schweden, beendete das Turnier jedoch mit einem Sieg über die Mongolei. Damit endete die Kampagne immerhin mit einem positiven Zeichen, auch wenn es nicht für die K.-o.-Runde reichte.
Petersen betonte im Anschluss, dass er die Erwartungen an seine Person nicht als Belastung empfindet. „Ich sehe es nicht als Druck, sondern als Erwartung. Ich will immer der Beste sein und Afrika so gut wie möglich vertreten“, sagte Petersen gegenüber Online Darts.
„Die Menschen zu Hause unterstützen uns enorm, zugleich gibt es aber auch eine toxische Kultur, in der jeder erwartet, dass du ständig auf absolutem Topniveau spielst. Ich kenne den Berg, den ich erklimmen muss, und ich verstehe, dass Erfolg Zeit braucht.“
Nach einer Phase, in der ihn Verletzungen zurückwarfen, weiß Petersen, dass er Geduld braucht. „Ich komme von einer Verletzung zurück und weiß, dass ich Schritt für Schritt aufbauen muss. Man kann nicht rennen, bevor man gehen kann. Ein Sieg auf einer großen Bühne bleibt ein Sieg, und der fühlt sich gut an. Vielleicht ist es nicht genug, aber wie sie in Dumb and Dumber sagen: ‚Also sagst du, es gibt eine Chance?‘ Es gibt immer eine Chance.“
„Die kommenden 18 Monate werden für Afrika entscheidend“
Während viele Spieler nach einem enttäuschenden Turnier vor allem zurückblicken, richtet Petersen den Fokus klar auf die Zukunft. Seiner Ansicht nach steht Afrika vor einem großen Durchbruch in der Dartswelt.
„Der Sport hat eine enorme Entwicklung durchlaufen. Wir kommen aus einer Phase, in der niemand genau wusste, wie das Umfeld aussieht. Jetzt können wir genau benennen, wo Darts wächst und welche Regionen sich entwickeln.“
Laut Petersen wird die kommende Zeit entscheidend für das weitere Wachstum des Sports auf dem Kontinent. „Ich denke, dass die nächsten zwölf bis achtzehn Monate für afrikanischen Darts enorm wichtig werden. In diesem Jahr mussten wir leider erleben, wie Uganda sich wegen Visaproblemen zurückzog, doch solche Hürden werden in Zukunft verschwinden.“
Der Südafrikaner sieht immer mehr Länder und Organisationen, die sich hinter den Sport stellen. „Mittlerweile versteht jeder, was es bedeutet, sein Land auf der größten Bühne der Welt zu vertreten. Wir haben die Plattform, wir haben die Struktur, und mit Projekten wie der International Darts School League (IDSL), Dartboard Maths und all den neuen Initiativen, die entstehen, glaube ich, dass Afrika in drei Jahren eine ernstzunehmende Größe wird. Dann werden die Leute sagen: ‚Devon hat es schon vorausgesagt.‘“
Petersen kehrte in Südafrika mit Filby zurück.
Professionelle Events als nächster Schritt für Wachstum
Obwohl häufig über ein mögliches World Series-Event auf afrikanischem Boden spekuliert wird, findet Petersen, dass zunächst die Basis weiter gefestigt werden muss. „Ein gut organisiertes Profi-Event würde allem, was wir derzeit aufbauen, einen enormen Schub geben. Es würde zeigen, dass Darts längst kein Kneipensport mehr ist, sondern echter Spitzensport.“
Nach Petersen würde ein internationales Event nicht nur für mehr Sichtbarkeit sorgen, sondern auch für Inspiration bei lokalen Spielern.
„Das Licht, die Kameras und die große Bühne nach Afrika zu holen, ist der nächste Schritt. Das Wichtigste ist, dass sich lokale Spieler mit der Weltspitze messen können. Das schafft Respekt, Ambition und Glauben. Ich denke, dass wir innerhalb von zwei Jahren ein internationales Event ausrichten können, das den Sport komplett auf ein höheres Niveau hebt.“
Auch bekannte Namen aus der Dartswelt können dabei eine wichtige Rolle spielen. „Menschen wie Mark Webster nach Afrika zu holen, gemeinsam mit anderen Kommentatoren und Persönlichkeiten des Sports, wäre ein enormer Impuls für die Entwicklung von Darts auf dem Kontinent.“
Petersen kritisiert unrealistische Erwartungen
Ein weiteres Thema, das Petersen ansprach, war die Kritik, mit der Spieler regelmäßig konfrontiert werden. Seiner Meinung nach entsteht sie oft, weil Fans ein falsches Bild davon haben, was realistisch ist.
„Die Leute sehen jede Woche die Premier League, Euro Tours und Showturniere. Dort beobachten sie Spieler, die ständig Averages von über hundert werfen. Das sind jedoch die allerbesten Dartspieler der Welt.“
Dadurch entstehen laut ihm unrealistische Erwartungen an aufstrebende Dartnationen. „Wenn Südafrika eine starke Leistung zeigt, erwarten die Leute, dass wir dieses Niveau in jedem Match abrufen. Aber sie vergessen, dass Infrastruktur und Entwicklungsmöglichkeiten völlig anders sind. Afrika ist noch mitten in der Entwicklung.“
Dabei verwies er auf die Leistungen seines Teamkollegen Graham Filby. „Was Graham gezeigt hat, beweist, dass das Niveau da ist. Wenn er es kann, können es andere auch. Wir haben als Land schon mehrfach bewiesen, dass wir auf dieser Bühne hingehören. Das war mein dreizehnter World Cup und rückblickend hatten wir mehr Erfolge als Enttäuschungen.“
Investitionen in die Jugend müssen das Fundament bilden
Für Petersen liegt der Schlüssel zu weiterem Wachstum bei der Jugend. Deshalb setzt er sich aktiv dafür ein, den Sport für Schülerinnen und Schüler zugänglicher zu machen. „In vielen Teilen Afrikas dreht sich der Alltag ums Überleben. Menschen werden nicht immer ermutigt, groß zu träumen. Sport spielt dadurch oft nur eine untergeordnete Rolle.“
Mit Projekten wie der International Darts School League und Dartboard Maths versucht Petersen, diese Situation zu verändern. „Wir integrieren Darts in die Bildung. Nicht nur als außerschulische Aktivität, sondern gerade als Teil des Lernprozesses. Darts hat eine starke Verbindung zu Rechnen und kognitiver Entwicklung, weshalb es hervorragend in Schulen passt.“
Laut Petersen kann der Sport dadurch weit mehr leisten als nur Unterhaltung. „Über Materialprogramme von Mission und anderen Partnern bringen wir Darts direkt an Schulen. Damit verändern wir nicht nur die Art, wie die Menschen den Sport sehen, sondern auch, wie junge Leute ihn kennenlernen.“
Der frühere World Cup-Teilnehmer ist überzeugt, dass Darts eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielen kann. „Ich sage immer, dass Dartspieler eigentlich Mathe-Genies sind. Wir führen ständig komplexe Berechnungen aus, ohne darüber nachzudenken. Darts ist viel mehr als nur Pfeile werfen. Ich glaube fest daran, dass der Sport Leben verändern und sogar die Entwicklung Afrikas positiv beeinflussen kann. Graham Filby und ich wollen dabei vorangehen.“