Dirk van Duijvenbode hat beim
World Matchplay 2026 sein bislang bestes TV-Ergebnis des Jahres erzielt. Mit dem Einzug ins Halbfinale von Blackpool machte der Niederländer nicht nur einen großen Sprung in der PDC Order of Merit, sondern tankte nach schwierigen Monaten auch neues Selbstvertrauen.
Trotz des sportlichen Erfolgs blickt der „Aubergenius“ kritisch auf seine Leistungen zurück. Im
Podcast Darts Draait Door sprach der 34-Jährige offen über seine Form, die lange Suche nach dem richtigen Material und den mentalen Wandel, der ihm schließlich den Weg zurück in die Erfolgsspur ebnete.
Halbfinale bringt van Duijvenbode zurück auf Kurs
Obwohl das Halbfinale auf dem Papier ein herausragendes Resultat darstellt, sieht van Duijvenbode seine Auftritte differenziert.
Dirk van Duijvenbode erreichte beim World Matchplay erstmals das Halbfinale und schöpfte nach schwierigen Monaten neues Selbstvertrauen.
„Ein gutes Ergebnis, gerade mit Blick auf mein Ranking“, blickte er zurück. „Die ersten beiden Partien habe ich nicht großartig gespielt. Die letzte auch nicht. Aber am Ende habe ich trotzdem ein richtig gutes Ergebnis hingestellt. Darüber bin ich einfach sehr glücklich.“
Der Erfolg in Blackpool kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Nachdem van Duijvenbode in dieser Saison seinem Ziel, wieder in die Top-24 der Weltrangliste vorzustoßen, immer weiter hinterhergelaufen war, verschaffte ihm der Halbfinaleinzug den erhofften Sprung nach vorne.
„Mein Ziel für dieses Jahr war, sicher in den Top-24 zu stehen. Statt dass ich näher rankam, wurde ich eigentlich immer weiter weggeschoben. Jetzt habe ich mit diesem Schritt den Platz wieder. Jetzt heißt es festhalten und am liebsten noch ein bisschen weiter durchziehen.“
Auch sein guter Freund Vincent van der Voort sieht das Turnier als Spiegelbild der bisherigen Saison. Van Duijvenbode habe über Monate nach der richtigen Lösung gesucht – insbesondere mit Blick auf sein Material und die neuen Dartboards.
Van Duijvenbode relativiert Kritik an den Boards
In den vergangenen Monaten hatte der Niederländer die neuen PDC-Dartboards mehrfach kritisch kommentiert. Heute sieht er die Situation deutlich gelassener.
„Ich finde diese Boards überhaupt nicht schlecht“, betonte er. „Nur wenn das Board neu ist, ist es für meine Spielweise einfach zu hart. Dadurch hängen meine Darts. Nach einer Viertelstunde ist das meistens nicht mehr so, aber wir spielen auf der Euro Tour zum Beispiel Matches, die nur etwas über eine Viertelstunde dauern.“
Rückblickend sei das Problem nie ausschließlich das Board gewesen. Vielmehr habe er lange nach einem Setup gesucht, das zu den veränderten Bedingungen passt.
„Ich war auf der Suche nach dem, was für mich mit diesem System funktioniert. Wenn es einmal anders ist, hörst du mich wirklich nicht. Dann ist alles gut.“
Heute räumt van Duijvenbode ein, dass er sich zeitweise selbst in eine Negativspirale manövriert habe.
„Irgendwann schiebst du auch alles auf diesen Punkt. Das ist eigentlich Unsinn. Zu Beginn des Jahres habe ich einfach gut gespielt, obwohl ich da auch schon ein wenig damit zu tun hatte. Irgendwann gibst du allem die Schuld an diesem einen Punkt. So soll es nicht sein, und besser wirst du dadurch ganz sicher nicht.“
Mentaler Schalter sorgt für die Wende
Die entscheidende Veränderung kam unmittelbar vor dem
World Matchplay – allerdings nicht durch neues Material, sondern durch eine neue Einstellung.
„In der Woche vor dem Matchplay habe ich eigentlich den Schalter umgelegt. Es ist, wie es ist. Wir gehen einfach raus und liefern. Nicht mehr meckern.“
Auch beim Thema Material verfolgt er inzwischen einen deutlich pragmatischeren Ansatz.
„Vielleicht probiere ich noch etwas mit der Länge der Spitzen, weil ich denke, dass da vielleicht noch etwas drinsteckt. Aber am Ende macht das auch alles nicht mehr so viel aus. Ich habe nahezu alles probiert. Das Perfekte habe ich nicht gefunden. Dann musst du eben mit dem arbeiten, was du hast.“
Dennoch gibt der Niederländer zu, dass sich viele seiner Probleme letztlich im Kopf abgespielt haben.
„Wenn dein erster Dart im Triple steckt und er hängt ein bisschen, denkst du gleich: Da geht’s wieder los. Dabei steckt er immer noch im Triple. Dann probierst du wieder eine andere Spitze und bist sofort pessimistisch. Das war einfach meine eigene Einschätzung. Im Nachhinein dachte ich auch: Das ist eigentlich Unsinn.“
Chancenlos gegen Luke Littler
Für Unterhaltung sorgte van Duijvenbode in Blackpool einmal mehr mit engen und dramatischen Begegnungen.
„Ich habe mir schön viel TV-Zeit geholt“, lachte er. „Nur wurde sie mir im Halbfinale wieder abgenommen.“
Dort wartete ein überragender
Luke Littler. Der Weltmeister spielte von Beginn an auf außergewöhnlichem Niveau.
„Ich starte noch schön mit einer 174. Dann schaust du nach zehn Legs auf die Anzeige, und er wirft einfach 118 im Schnitt. Da denkst du schon: Das ist wirklich viel zu gut.“
Dirk van Duijvenbode musste sich im Halbfinale des World Matchplay dem späteren Turniersieger Luke Littler geschlagen geben.
Interessanterweise habe ihn dabei weniger Littlers Scoring unter Druck gesetzt als seine eigenen Gedanken.
„Irgendwann dachte ich vor allem: Ich will hier doch nicht nur ein oder zwei Legs gewinnen. Das ist natürlich keine gute Einstellung. Darüber habe ich mich im Nachhinein auch geärgert.“
Solche Gedanken seien gegen einen Gegner in dieser Form zwar verständlich, dennoch habe er sich darüber geärgert.
„Man kommt da fast nicht drum herum, wenn jemand so gut wirft. Aber ich nehme es mir trotzdem übel. Egal wie gut jemand ist, man muss einfach sein eigenes Ding durchziehen.“
Gleichzeitig erkennt van Duijvenbode die Leistung seines Gegners ohne Einschränkung an.
„Auf diesem Level gewinnst du einfach nicht. Punkt. Natürlich, wenn ich selbst sofort ein überragendes Match spiele, kann vielleicht etwas passieren, aber im Allgemeinen gewinnst du so ein Spiel nicht. Ich hätte allerdings eine bessere Partie abliefern können, als ich es letztlich getan habe. Das ärgert mich schon.“
Sieg gegen Gary Anderson gibt neues Selbstvertrauen
Von seinen drei Erfolgen in Blackpool zieht van Duijvenbode vor allem aus dem Sieg gegen
Gary Anderson viel Zuversicht. „Sowieso das gegen Anderson. Da steckten meine Darts auch gut im Board.“
Gleichzeitig spürte er, dass die Unsicherheit der vergangenen Monate noch nicht vollständig verschwunden war. „Man merkt doch, dass man etwas nervöser wird, wenn man wenig leistet und ein Spiel über die Ziellinie bringen muss. Das hatte ich eigentlich in allen drei gewonnenen Partien. Zum Glück habe ich sie alle drei nach Hause gebracht.“
Für die kommenden Monate hofft der Niederländer, dass das starke World Matchplay der Startschuss für eine erfolgreiche zweite Saisonhälfte war. „Jetzt hoffst du einfach, dass du dadurch mehr Vertrauen hast und es bei den nächsten Turnieren nur noch besser läuft.“
Sein Erfolg gegen
Michael van Gerwen habe übrigens nichts daran geändert, dass er den dreifachen Weltmeister weiterhin als Vorbild betrachtet. Vor allem dessen unerschütterliches Selbstvertrauen imponiert van Duijvenbode bis heute.
„Ich glaube, Michael hält sich immer noch für den besten Spieler der Welt. Von diesem Selbstvertrauen kann ich sehr viel lernen.“