Der niederländische Dartsport erlebte im Rahmen des European-Tour-Events in Göttingen ein auffallend starkes Wochenende. Mehrere Spieler aus den Niederlanden spielten sich in den Vordergrund – und am Ende holte
Wessel Nijman den Titel.
Im Podcast
Darts Draait Door blickte
Vincent van der Voort auf das Turnier zurück und sprach von einer klaren Verschiebung innerhalb der niederländischen Spitze. Für den ehemaligen Profi ist der Moment gekommen, in dem eine neue Generation endgültig übernimmt. „Für die Niederlande war es wirklich ein prächtiges Wochenende“, sagte er. „Eine tolle Anzahl an Spielern, die weit kamen.“
Nijman beeindruckt mit dominanter Titelpremiere
Während etablierte Namen wie
Michael van Gerwen, Gian van Veen und Danny Noppert vergleichsweise unauffällig blieben, rückten andere Niederländer in den Fokus. Spieler wie
Niels Zonneveld, Wessel Nijman und Dirk van Duijvenbode prägten das Turniergeschehen und sorgten für eine klare niederländische Handschrift.
Wessel Nijman feierte am vergangenen Wochenende seinen ersten Turniersieg auf der European Tour
„Es ist schön, dass die neue Generation jetzt übernimmt“, erklärte van der Voort. „Gerade wenn man auf Zonneveld und Nijman schaut, die haben wirklich ein fantastisches Wochenende gehabt.“
Die Hauptrolle gehörte jedoch Wessel Nijman. Bei der
European Darts Trophy gewann er seinen ersten Titel auf der European Tour – und das in beeindruckender Manier. Für van der Voort gab es keinen Zweifel am dominanten Spieler des Wochenendes: „Da ist eigentlich niemand in die Nähe gekommen. Aber wirklich nicht im Geringsten. Er hat alle einfach abgefertigt. Hut ab.“
Frühere Unsicherheiten in engen Momenten waren nicht mehr zu erkennen. „Früher hast du gesehen, dass er in engen Situationen knapp an Tops vorbeiwurf. Aber jetzt war es so sauber, so gut“, analysierte van der Voort. „Seine ganze Ausstrahlung, da steckte so viel Selbstvertrauen drin. Ich glaube, er hat kaum einen Pfeil deutlich verpasst.“
Besonders überzeugte ihn die Kontrolle, mit der Nijman seine Matches gestaltete. Spannung kam kaum auf, weil er seinen Gegnern keine Chance ließ. „Das ist die beste Taktik“, sagte van der Voort. „Das habe ich einmal zuvor bei Jamie Hughes gesehen. Der hat damals auch alle vom Board gespielt. Genau das hat Nijman an diesem Wochenende gezeigt.“
Schritt in Richtung Weltspitze
Für van der Voort passt Nijmans Auftritt in die generelle Entwicklung des Youngsters. Der Niederländer nähert sich der Top-16 der Weltrangliste und wirkt bereit für den nächsten Schritt. „Er ist jetzt schon dicht an der Top-16 dran und da wird er auch reinkommen“, prognostizierte er. „Mit diesem Niveau ist eigentlich alles möglich.“
Trotzdem bleibt die Zahl niederländischer Sieger auf der European Tour mit vier erfolgreichen Akteuren überschaubar. „Ich finde das für so ein großes Dartsland wie die Niederlande eigentlich ziemlich wenig“, sagte van der Voort. „Es gibt auch Spieler, die denken, dass sie da hätten stehen müssen.“
Ein Beispiel dafür ist Dirk van Duijvenbode. „Ich denke, dass Dirk von allen am nächsten dran war“, erklärte van der Voort. „Er hat mehrfach Matchdarts vergeben. Das ist bitter. Aber gut, jetzt ist wieder ein Niederländer dazugekommen.“
Zonneveld bestätigt starke Entwicklung
Neben Nijman überzeugte vor allem Niels Zonneveld. Der Niederländer erreichte das Halbfinale und feierte mehrere starke Siege – darunter auch einen gegen Michael van Gerwen.
Van der Voort sieht bei ihm eine klare Entwicklung: „Ich finde, dass Niels wirklich ein fantastisches Turnier gespielt hat.“
Im Halbfinale gegen Nijman war jedoch Schluss – allerdings weniger wegen eigener Schwächen. „Ich denke, dass er gut gespielt hat, aber auf jemanden traf, der fantastisch war“, erklärte van der Voort. „Das war sein Pech: Er traf auf Wessel Nijman, der vielleicht das beste Turnier seiner Karriere spielte.“
Vor allem im Scoring überzeugte Zonneveld, doch das hohe Niveau seines Gegners setzte ihn permanent unter Druck. „Wenn dein Gegner in den ersten drei Legs jeweils eine 180 wirft und alles direkt ausmacht, dann läufst du hinterher. Dann kommst du nicht mehr ran“, so van der Voort.
Sorgen um van Gerwen
Weniger positiv fällt die Analyse bei Michael van Gerwen aus. Der dreimalige Weltmeister spielte mit über 107 Punkten zwar einen hohen Average, ließ aber in entscheidenden Momenten Chancen liegen.
„Averages sagen nicht alles“, betonte van der Voort. „Van Gerwen spielt 107 im Schnitt, verpasst aber wichtige Momente. Das sind die Situationen, in denen du ein Match entscheidest.“
Für van der Voort handelt es sich hierbei um ein tiefgründiges Problem. Er erkennt eine Veränderung in van Gerwens Wahrnehmung: „Ich habe ihm auch gesagt: Niemand hat mehr Angst vor dir.“
Früher sei das anders gewesen: „Die Spieler dachten: Wenn van Gerwen sein bestes Niveau erreicht, dann verliere ich. Dieses Gefühl ist jetzt weg.“
Das habe direkte Auswirkungen auf die Matches. „Alle denken jetzt: Wenn er einen schwächeren Tag hat, ist er zu schlagen. Und das passiert auch regelmäßig. Es ist kein Einzelfall mehr.“
Sein Fazit fällt klar aus: van Gerwen muss sich dieses Image zurückholen. „Er muss es sich selbst wieder erzwingen“, sagte van der Voort. „Dafür muss er hart arbeiten. Das ist die Herausforderung, vor der er jetzt steht.“