Probleme mit den Rechenwegen im Darts? Wayne Mardle erklärt: „Du trainierst nicht, aber du lernst enorm viel“

PDC
Freitag, 07 August 2026 um 9:15
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Wayne Mardle zählte selbst jahrelang zur Weltspitze. Seit seinem Karriereende 2011 ist er ein gefragter Spieler für diverse Showturniere. Zudem kommentiert er für verschiedene TV-Sender und ist auch als Coach aktiv.
So hat Winmau Darts kürzlich ein neues Video gepostet, in dem Mardle Tipps gibt. Mardle plädiert dabei für eine oft unterschätzte Methode, um im Darts besser zu werden: nicht nur ständig werfen, sondern auch das Board und verschiedene Auswürfe durchdenken. Er sieht großen Wert darin, Finishes zu üben, ohne tatsächlich ein Match oder eine Trainingseinheit zu spielen. Laut Mardle kann ein Spieler dadurch schneller lernen, welche Routen er nehmen sollte und wo er sich einen Fehlwurf erlauben kann.
„Nimm ein Ersatzboard oder hol das Board von der Wand und leg es dir auf den Schoß. Setz dich einfach stundenlang hin. Anstatt fernzusehen, nimmst du drei Darts und gehst die Finishes von 2 bis 170 durch“, erklärt Mardle. Es klingt simpel, doch laut dem Engländer ist diese Methode besonders effektiv, weil ein Spieler die unterschiedlichen Situationen buchstäblich vor sich sieht.
Mardle betont, dass es dabei nicht notwendig ist, die Darts tatsächlich zu werfen. Durch das Ausführen der Kombinationen mit den Darts in der Hand am Board entwickle ein Spieler seiner Ansicht nach ein besseres visuelles Verständnis. „Du kannst dir diese Szenarien immer wieder vor Augen führen. Es ist visuell. Angenommen, du hast 93. Dann kannst du 57 für 36 Rest spielen, 19 für 74 und dann die T14 für die D16. Wenn du das mit den Darts in der Hand machst, siehst du es buchstäblich vor dir und lernst deutlich schneller.“
Laut Mardle geht es zudem um weit mehr als nur das Auswendiglernen von Finishes. Spieler lernen auch, welche Bereiche des Boards sie meiden sollten und welche Optionen ihnen bleiben, wenn der erste Pfeil nicht an der gewünschten Stelle landet.
Er nutzt erneut eine 93 als Beispiel. „Stell dir vor, du triffst die Triple 7 und lässt 72 stehen. In welche Richtung willst du dann gehen? Willst du auf Doppel 18? Oder willst du in derselben Gegend bleiben und auf T16 gehen? Vielleicht willst du T20 oder T12 spielen. All das kannst du mit dem Board auf dem Schoß durchspielen.“

Entwicklung von Gefühl für Risiko und Sicherheit

Der wichtigste Vorteil liegt laut Mardle in der Entwicklung eines Gefühls für Risiko und Sicherheit. „Du trainierst nicht im herkömmlichen Sinn, aber du lernst etwas über dich selbst und über das Board. Du lernst, wo du verfehlen willst. Ich bin der größte Befürworter davon.“
Dieses Denken in Möglichkeiten ist laut Mardle entscheidend für Spieler, die sich auf Topniveau entwickeln wollen. Er führt dabei ein Beispiel mit 104 an. Nach Ansicht des ehemaligen Premier-League-Spielers gibt es in dieser Situation einen Weg, den sich Spieler eigentlich immer eröffnen sollten: über die T16. „Michael van Gerwen wird dir das auch sagen. Bei 104 gibt es im Grunde nur einen richtigen Weg, und der führt über die T16. Wenn du diese Route nicht wählst, gibst du dir nicht genug Optionen.“
Wer von 104 die 48 wegnimmt, hat 56 übrig. Damit sind mehrere Möglichkeiten verfügbar, je nach Vorliebe des Spielers. „Vielleicht magst du Tops nicht. Dann kannst du zum Beispiel über 20, D18 oder 16 zu Tops gehen. Du kannst sogar zweimal 48 spielen. Wenn du irgendetwas in dieser Gegend triffst, spielt es keine Rolle. Du kannst 104 immer noch ausmachen.“
Dem gegenüber steht die Route über die Zwanzig. Die kann laut Mardle deutlich gefährlicher sein. Wenn ein Spieler bei 104 auf die Zwanzig geht und anschließend nicht den gewünschten Treffer setzt, können die Optionen schnell schwinden. „Bei 104 über die Zwanzig kannst du dich in Schwierigkeiten bringen. Wenn du beim Wurf auf die 20 abrutscht, und der Dart in die 1 oder 5 geht, hast du keine Chance mehr.“, erklärt er.
Genau solche Details waren laut Mardle auch Teil seines eigenen Spielstils. Obwohl er als offensiver Spieler galt, sagt der Engländer, dass er sich in seiner Karriere oft damit beschäftigte, was passiert, wenn ein Pfeil nicht exakt dort landet, wo er sollte. „Obwohl ich wegen meiner Wurftechnik ein offensiver Spieler war, nannten mich manche auch defensiv. Das lag daran, dass ich immer über den Fehlwurf nachdachte.“
Wayne Mardle im Einsatz für Sky Sports am Abend 6 der Premier League Darts 2026 in Glasgow
Wayne Mardle Kommentator für Sky Sports

Wichtige Lektion für jeden Dartspieler

Laut Mardle ist das eine wichtige Lektion für jeden Dartspieler. Ein gutes Finish geht schließlich nicht nur über den perfekten ersten Pfeil, sondern vor allem darüber, so viele Chancen wie möglich zu schaffen, wenn dieser perfekte Pfeil ausbleibt. Durch das visuelle Durchspielen von Szenarien im Vorfeld können Spieler seiner Ansicht nach lernen, unter Matchdruck automatisch bessere Entscheidungen zu treffen.
Letztlich läuft sein Rat auf ein simples Prinzip hinaus: Kenne nicht nur deine Finishes, sondern kenne auch deine Fehlwürfe. Wer versteht, wo er sicher verfehlen kann, gibt sich laut Mardle viel häufiger eine zweite Chance, ein Leg doch noch zuzumachen.
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