Der Kampf um die letzten Startplätze für den
World Grand Prix geht in die entscheidende Phase. Vor dem letzten Turnier der European Tour liegen mehrere Spieler in der
Pro Tour Order of Merit nur hauchdünn auseinander. Besonders für
Kim Huybrechts steht ein nervenaufreibendes Wochenende bevor: Durch die Absage von Luke Littler erhält der Belgier bei der
Flanders Darts Trophy eine unverhoffte Chance – und kann sich damit sogar noch für den World Grand Prix qualifizieren.
Im Podcast
„Darts Draait Door“ analysierten Damian Vlottes und
Vincent van der Voort die Ausgangslage ausführlich. Vor allem die ersten Runden des bevorstehenden European-Tour-Turniers in Belgien versprechen nach Einschätzung van der Voorts enorme Spannung. Angesichts der minimalen Abstände kann jeder einzelne Sieg entscheidenden Einfluss auf die Vergabe der letzten Tickets haben.
Van der Voort erwartet dramatische erste Runden
„Das liegt definitiv eng beieinander. Aber das ist auch wirklich gut“, erklärt van der Voort. „Am kommenden Wochenende kommt so viel zusammen. Das macht die ersten paar Runden richtig spannend.“
Kim Huybrechts darf nach Luke Littlers Absage bei der Flanders Darts Trophy antreten. Damit bietet sich dem Belgier unverhofft die Chance auf ein Ticket für den World Grand Prix.
Den im Podcast genannten Zahlen zufolge konzentriert sich der Kampf insbesondere auf die Positionen von Joe Cullen und Cristo Reyes. Cullen steht bei 82.750 Pfund, Reyes folgt mit 82.000 Pfund. Dahinter lauert Sebastian Bialecki mit 80.500 Pfund, während Huybrechts mit 79.500 Pfund ebenfalls nur knapp zurückliegt.
Für Bialecki ist die Rechnung vergleichsweise einfach. Schon ein einziger Sieg würde den Polen einen gewaltigen Schritt näher an die Qualifikation bringen. „Wenn er ein Match gewinnt, bekommt er 3500 Pfund dazu. Dann geht er direkt auch an Reyes vorbei“, erklärt van der Voort. „Das wird ein sehr interessantes Wochenende.“
Auslosung könnte zum entscheidenden Faktor werden
Eine Schlüsselrolle könnte dabei auch die
Auslosung spielen. In der ersten Runde eines European-Tour-Turniers hoffen die Spieler normalerweise auf einen vermeintlich leichteren Gegner aus dem Kreis der Host Nation Qualifier. In Belgien ist ein solches Los nach Ansicht van der Voorts jedoch keineswegs automatisch mit einer einfachen Aufgabe gleichzusetzen.
„Da ist es keine Garantie, dass du jemanden bekommst, bei dem du denkst: den nehme ich mal eben mit. Deshalb wird die Auslosung auch sehr interessant.“ Zusätzlich besteht die Möglichkeit, dass direkte Konkurrenten im Rennen um den World Grand Prix unmittelbar aufeinandertreffen. „Cullen und Bialecki könnten eventuell auch noch gegen Reyes in der ersten Runde spielen. Das wäre perfekt.“
Neben Cullen, Reyes, Bialecki und Huybrechts dürfen sich auch einige weitere Spieler zumindest theoretische Hoffnungen auf die Qualifikation machen. Nach den im Podcast vorgestellten Berechnungen müsste Karel Sedlacek mindestens das Viertelfinale erreichen, während Martin Schindler zumindest ins Halbfinale einziehen müsste. Für Beau Greaves, Jeffrey de Graaf und Mickey Mansell führt der Weg zum World Grand Prix sogar ausschließlich über den Turniersieg.
Van der Voort betrachtet deshalb vor allem Huybrechts und Bialecki als die größten Herausforderer jener Spieler, die derzeit auf einem Qualifikationsplatz stehen. Auch Sedlacek schreibt der frühere UK-Open-Finalist noch nicht vollständig ab. Allerdings schätzt er den Tschechen aktuell weniger gefährlich ein als noch in der Vergangenheit.
„Ich finde, Sedlacek hat im Moment nicht die Form, die er letztes Jahr ein Stück weit hatte. Als er oft um die hundert Average spielte und sehr gefährlich war. Das hat er aktuell nicht wirklich.“
Von Tour-Card-Sorgen zur Jagd auf den World Grand Prix
Besonders beeindruckt zeigt sich van der Voort von der Entwicklung Huybrechts'. Der Belgier war mit völlig anderen Zielsetzungen in die Saison gestartet und musste sich zunächst vor allem Gedanken darüber machen, seine Zukunft auf der PDC-Tour abzusichern. Nur wenige Monate später besitzt er plötzlich die Chance, sich für ein prestigeträchtiges TV-Turnier zu qualifizieren.
„Es ist stark von Huybrechts, dass er so nah dran ist“, sagt van der Voort. „Denn der ist natürlich ins Jahr gegangen mit: Ich will zur WM, meine Tour Card behalten und bei den Players Championship Finals dabei sein. Und jetzt kämpft er schon um einen Platz beim Grand Prix. Das ist wirklich stark von ihm.“
Für van der Voort hat sich Huybrechts damit eindrucksvoll zurückgemeldet. „Der hat sich wieder gut zurückgekämpft. Wir dachten alle ein bisschen: der könnte auch mal rausfallen.“
Wer sich letztlich die beiden letzten Tickets für den World Grand Prix sichern wird, möchte van der Voort nicht vorhersagen. Dafür sind die Abstände zwischen den Kandidaten zu gering – und der Einfluss der jeweiligen Auslosung zu groß.
Die beste Ausgangsposition besitzt derzeit Cullen. Schon ein Sieg könnte dem Engländer reichen, um seine unmittelbaren Verfolger unter erheblichen Druck zu setzen. Allerdings dürfte seine aktuelle Form den Konkurrenten durchaus Hoffnung machen.
„Cullen hat die besten Karten. Aber er ist nicht richtig im Flow“, analysiert van der Voort. „Wenn er eine Runde gewinnt, wird es sehr schwierig. Dann müssen die anderen einfach zwei, drei Runden gewinnen.“
Auch Bialecki genießt letztlich das Vertrauen des Niederländers. Zwar befindet sich der Pole derzeit noch außerhalb der Qualifikationsplätze, durch seine Teilnahme hat er sein Schicksal jedoch weitgehend selbst in der Hand. „Ich denke trotzdem, dass Bialecki eine gute Chance hat. Das ist auch ein Junge, der nicht so auf Rankings schaut. Der beschäftigt sich damit nicht allzu sehr.“