„Sie haben sich nicht um mich gekümmert“ – James Wade spricht über Management-Trennung und die besondere Rolle seiner Frau
PDC
James Wade steht zum 14. Mal in seiner Karriere im Viertelfinale des World Matchplay. Nach dem 11:5-Erfolg über Ryan Searle sprach der Engländer allerdings nicht nur über seine Leistung, sondern vor allem über den Menschen, der ihn nach eigener Aussage durch die Höhen und Tiefen seiner Karriere begleitet: seine Frau.
Dabei räumte Wade zunächst mit einem Eindruck auf, den viele Zuschauer nach dem Match gewonnen hatten. Die Emotionen auf der Bühne seien keineswegs Ausdruck von Rührung gewesen – vielmehr habe er sich nach dem kräftezehrenden Duell schlicht völlig ausgelaugt gefühlt.
Wade staunt über seinen eigenen Average
„Emotional war ich nicht“, sagte Wade im Gespräch mit den Medien, darunter auch Dartsnews.de. „Ich war einfach komplett erschöpft. Das sind zwei verschiedene Dinge. Gegen jemanden wie Ryan Searle – der heute nicht sein bestes Spiel gezeigt hat – einen Sieg mitzunehmen, den nehme ich jeden Tag der Woche.“

James Wade bedankt sich nach seinem Sieg über Ryan Searle bei seiner Frau, der er einen entscheidenden Anteil an seinem Erfolg zuschreibt.
Erst im Interview erfuhr Wade, dass er einen Average von 99,85 Punkten gespielt hatte – und konnte es zunächst kaum glauben. „Wirklich? Ich dachte, ich hätte vielleicht einen Average von 90 oder 91 gespielt“, sagte er lachend.
Als ihm bestätigt wurde, dass er nur knapp unter der 100er-Marke geblieben war, musste er schmunzeln. „Dann muss ich mein Interview wohl umschreiben. Dann habe ich offenbar doch ganz ordentlich gespielt. Ich bin wirklich zufrieden.“
Vor allem ein 143er-Finish bezeichnete Wade als Schlüsselmoment der Partie. „Solche Finishes tun weh. Normalerweise passieren sie immer gegen mich – deshalb war es schön, diesmal selbst eines zu werfen.“
Dieses Checkout habe ihm zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. „Ich hatte vorher schon einige Chancen auf solche Finishes. Als das 143er dann reinging, dachte ich nur: 'Wie wäre das denn?' Es war einfach ein gutes Gefühl. Vielleicht war genau das der kleine Moment, der Ryan ein Stück weit aus dem Match genommen hat.“
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„Meine Frau trägt die ganze Reise mit“
Besonders persönlich wurde Wade, als er auf die Szene nach dem Match angesprochen wurde, als er mit gefalteten Händen in Richtung Zuschauer blickte. „Das war ein Dankeschön an meine Frau – für alles, was sie für mich tut.“
Anschließend erklärte der World-Matchplay-Champion von 2007, wie groß die Belastung für die Familien von Profisportlern sei. „Viele Menschen verstehen gar nicht, wie viel Stress wir als Darter auf unsere Familien übertragen. Das ist enorm – und manchmal wirklich schrecklich.“
Gerade nach enttäuschenden Wochenenden bekämen die Angehörigen häufig den ganzen Frust ab. „Wenn du nicht gewonnen oder nicht gut gespielt hast, kommst du nach Hause und beschwerst dich über alles. Das Hotel war schlecht, der Flug war schlecht, das Auto war schlecht. Am Ende landet all dieser Frust bei unseren Frauen oder Partnern.“
Für Wade spielt seine Frau inzwischen sogar eine noch wichtigere Rolle. „Ich habe momentan kein Management mehr. Vor ein paar Monaten hatte ich noch eines, aber das hat sich nicht wirklich um mich gekümmert. Jetzt ist meine Frau diejenige, die diesen ganzen Weg mit mir geht.“
Deshalb bedeutete ihm dieser Sieg besonders viel. „Ich habe zu ihr rübergeschaut und einfach gedacht: Wir haben das zusammen geschafft.“
Viel Respekt für Gian van Veen
Im Viertelfinale trifft Wade auf Gian van Veen – eine Neuauflage des Duells aus dem Vorjahr. Einen psychologischen Vorteil sieht der Engländer darin jedoch nicht. „Nein, so etwas gibt es für mich nicht. Gian ist ein hervorragender Spieler.“
Allerdings merkte Wade an, dass der Niederländer seiner Meinung nach durch seinen starken Lauf bei der Weltmeisterschaft einen wichtigen Entwicklungsschritt gemacht habe. „Ohne diesen WM-Lauf wäre er heute wahrscheinlich nicht dort, wo er jetzt ist. Aber ich sage das ganz ehrlich: Er ist ein absoluter Topspieler.“
Auch die kurzfristige Vorverlegung der Partie zwischen van Veen und Wessel Nijman fand Wade unglücklich. „Ich fand das wirklich unfair. Das war eine große Ablenkung für die beiden. Aber am Ende bleibt Darts eben Darts.“
Als er anschließend erfuhr, dass sein Viertelfinale erst einen Tag später stattfindet, reagierte er erleichtert. „Ach, ich habe also morgen frei.“
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„Da ist noch deutlich mehr drin“
Trotz seines starken Averages glaubt Wade nicht, bereits sein bestes Niveau erreicht zu haben. „Nein. Da sind noch einige Gänge mehr drin.“
Außerdem hält er einen hohen Average nicht für den entscheidenden Faktor. „Ich glaube sogar, dass man mit einem Average von 96 häufiger ein Turnier gewinnt als mit 99. Aber natürlich nehme ich den Average heute gerne mit.“
Auch die längeren Distanzen im Viertelfinale bereiten ihm keine Sorgen. „Eigentlich ändert sich gar nicht so viel. Entscheidend ist die richtige Einstellung.“
Mit seinem eigenen Auftritt ging Wade dennoch kritisch um. „Die Einstellung war heute nicht so, wie sie hätte sein müssen. Ich hatte Glück, dass Ryan nicht sein bestes Spiel gespielt hat.“
Trotzdem sei sein Glaube an den Sieg nie verschwunden. „Irgendwie hatte ich während des gesamten Matches das Gefühl, dass ich es gewinnen würde.“

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026









