„Sie haben sich nicht um mich gekümmert“ – James Wade spricht über Management-Trennung und die besondere Rolle seiner Frau

PDC
durch Nic Gayer
Donnerstag, 23 Juli 2026 um 9:30
James Wade
James Wade steht zum 14. Mal in seiner Karriere im Viertelfinale des World Matchplay. Nach dem 11:5-Erfolg über Ryan Searle sprach der Engländer allerdings nicht nur über seine Leistung, sondern vor allem über den Menschen, der ihn nach eigener Aussage durch die Höhen und Tiefen seiner Karriere begleitet: seine Frau.
Dabei räumte Wade zunächst mit einem Eindruck auf, den viele Zuschauer nach dem Match gewonnen hatten. Die Emotionen auf der Bühne seien keineswegs Ausdruck von Rührung gewesen – vielmehr habe er sich nach dem kräftezehrenden Duell schlicht völlig ausgelaugt gefühlt.

Wade staunt über seinen eigenen Average

„Emotional war ich nicht“, sagte Wade im Gespräch mit den Medien, darunter auch Dartsnews.de. „Ich war einfach komplett erschöpft. Das sind zwei verschiedene Dinge. Gegen jemanden wie Ryan Searle – der heute nicht sein bestes Spiel gezeigt hat – einen Sieg mitzunehmen, den nehme ich jeden Tag der Woche.“
James Wade in Aktion.
James Wade bedankt sich nach seinem Sieg über Ryan Searle bei seiner Frau, der er einen entscheidenden Anteil an seinem Erfolg zuschreibt.
Erst im Interview erfuhr Wade, dass er einen Average von 99,85 Punkten gespielt hatte – und konnte es zunächst kaum glauben. „Wirklich? Ich dachte, ich hätte vielleicht einen Average von 90 oder 91 gespielt“, sagte er lachend.
Als ihm bestätigt wurde, dass er nur knapp unter der 100er-Marke geblieben war, musste er schmunzeln. „Dann muss ich mein Interview wohl umschreiben. Dann habe ich offenbar doch ganz ordentlich gespielt. Ich bin wirklich zufrieden.“
Vor allem ein 143er-Finish bezeichnete Wade als Schlüsselmoment der Partie. „Solche Finishes tun weh. Normalerweise passieren sie immer gegen mich – deshalb war es schön, diesmal selbst eines zu werfen.“
Dieses Checkout habe ihm zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. „Ich hatte vorher schon einige Chancen auf solche Finishes. Als das 143er dann reinging, dachte ich nur: 'Wie wäre das denn?' Es war einfach ein gutes Gefühl. Vielleicht war genau das der kleine Moment, der Ryan ein Stück weit aus dem Match genommen hat.“

„Meine Frau trägt die ganze Reise mit“

Besonders persönlich wurde Wade, als er auf die Szene nach dem Match angesprochen wurde, als er mit gefalteten Händen in Richtung Zuschauer blickte. „Das war ein Dankeschön an meine Frau – für alles, was sie für mich tut.“
Anschließend erklärte der World-Matchplay-Champion von 2007, wie groß die Belastung für die Familien von Profisportlern sei. „Viele Menschen verstehen gar nicht, wie viel Stress wir als Darter auf unsere Familien übertragen. Das ist enorm – und manchmal wirklich schrecklich.“
Gerade nach enttäuschenden Wochenenden bekämen die Angehörigen häufig den ganzen Frust ab. „Wenn du nicht gewonnen oder nicht gut gespielt hast, kommst du nach Hause und beschwerst dich über alles. Das Hotel war schlecht, der Flug war schlecht, das Auto war schlecht. Am Ende landet all dieser Frust bei unseren Frauen oder Partnern.“
Für Wade spielt seine Frau inzwischen sogar eine noch wichtigere Rolle. „Ich habe momentan kein Management mehr. Vor ein paar Monaten hatte ich noch eines, aber das hat sich nicht wirklich um mich gekümmert. Jetzt ist meine Frau diejenige, die diesen ganzen Weg mit mir geht.“
Deshalb bedeutete ihm dieser Sieg besonders viel. „Ich habe zu ihr rübergeschaut und einfach gedacht: Wir haben das zusammen geschafft.“

Viel Respekt für Gian van Veen

Im Viertelfinale trifft Wade auf Gian van Veen – eine Neuauflage des Duells aus dem Vorjahr. Einen psychologischen Vorteil sieht der Engländer darin jedoch nicht. „Nein, so etwas gibt es für mich nicht. Gian ist ein hervorragender Spieler.“
Allerdings merkte Wade an, dass der Niederländer seiner Meinung nach durch seinen starken Lauf bei der Weltmeisterschaft einen wichtigen Entwicklungsschritt gemacht habe. „Ohne diesen WM-Lauf wäre er heute wahrscheinlich nicht dort, wo er jetzt ist. Aber ich sage das ganz ehrlich: Er ist ein absoluter Topspieler.“
Auch die kurzfristige Vorverlegung der Partie zwischen van Veen und Wessel Nijman fand Wade unglücklich. „Ich fand das wirklich unfair. Das war eine große Ablenkung für die beiden. Aber am Ende bleibt Darts eben Darts.“
Als er anschließend erfuhr, dass sein Viertelfinale erst einen Tag später stattfindet, reagierte er erleichtert. „Ach, ich habe also morgen frei.“

„Da ist noch deutlich mehr drin“

Trotz seines starken Averages glaubt Wade nicht, bereits sein bestes Niveau erreicht zu haben. „Nein. Da sind noch einige Gänge mehr drin.“
Außerdem hält er einen hohen Average nicht für den entscheidenden Faktor. „Ich glaube sogar, dass man mit einem Average von 96 häufiger ein Turnier gewinnt als mit 99. Aber natürlich nehme ich den Average heute gerne mit.“
Auch die längeren Distanzen im Viertelfinale bereiten ihm keine Sorgen. „Eigentlich ändert sich gar nicht so viel. Entscheidend ist die richtige Einstellung.“
Mit seinem eigenen Auftritt ging Wade dennoch kritisch um. „Die Einstellung war heute nicht so, wie sie hätte sein müssen. Ich hatte Glück, dass Ryan nicht sein bestes Spiel gespielt hat.“
Trotzdem sei sein Glaube an den Sieg nie verschwunden. „Irgendwie hatte ich während des gesamten Matches das Gefühl, dass ich es gewinnen würde.“
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