Sky-Experte mit klarer Prognose vor den World-Matchplay-Halbfinals: Gerwyn Price vor Van Veen – kaum Hoffnung für Van Duijvenbode gegen Luke Littler

PDC
Samstag, 25 Juli 2026 um 14:00
Luke Littler & Gerwyn Price
Die Halbfinals des World Matchplay versprechen Spektakel, mit zwei Duellen, die kaum kontrastreicher sein könnten. Gian van Veen trifft am Samstagabend auf Gerwyn Price, während Titelverteidiger Luke Littler seine Mission gegen Dirk van Duijvenbode fortsetzt. Laut Sky-Sports-Analyst Mark Webster ist vor allem das erste Halbfinale besonders interessant, auch wenn er anhand der aktuellen Form einen leichten Favoriten sieht.
Van Veen erreichte die letzten Vier, indem er in einem Thriller seinen Landsmann Wessel Nijman bezwang. Der Niederländer zeigte dabei nicht sein bestes Niveau, fand aber dennoch erneut einen Weg zum Sieg. Genau das stimmte Webster optimistisch.
„Das muss man positiv sehen“, sagt der frühere Lakeside-Champion bei Sky Sports. „Er hat einen Weg gefunden, das Halbfinale zu erreichen, ohne sein bestes Spiel zu zeigen, und auch das verlangt einem Spieler etwas ab.“
Nach Ansicht des früheren Lakeside-Champions geht es im Spitzensport nicht nur um spektakuläre Durchschnitte oder Rekorde. Mitunter zählt schlicht das Überleben. „Wir reden ständig über Luke Littler, der alle Rekorde bricht, aber manchmal geht es in diesem Sport einfach ums Arbeiten, wenn es nicht läuft.“

Van Veen behielt einen kühlen Kopf

Was Webster besonders auffiel, war die Art und Weise, wie Van Veen mit einer schwächeren Partie umging. Der Niederländer geriet seiner Meinung nach zu keinem Zeitpunkt in Panik.
„Er hat nicht den Kopf geschüttelt und sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. Meiner Ansicht nach hat er einfach akzeptiert, dass dies nicht seine beste Partie werden würde.“
Diese Haltung machte letztlich den Unterschied. „Er dachte: Wenn ich Chancen kreiere und sie nutze, bekomme ich automatisch Möglichkeiten, dieses Match zu gewinnen. Und genau das hat er getan.“
Die Zahlen geben Van Veen zudem Rückenwind. Seine Doppelfelder funktionieren in Blackpool hervorragend, mit einer Checkout-Quote von satten 56 Prozent. „Sein Finishing ist ausgezeichnet. Wenn sein Scoring dazu noch kommt, wer weiß, was dann möglich ist.“
Dennoch erkennt Webster einen klaren Verbesserungsbedarf Richtung Halbfinale. „Er muss gegen Gerwyn Price besser scoren.“ Das sei Van Veen laut dem Analysten selbst bewusst. „Das hat er in seinen Interviews auch eingeräumt. Seine Doppel sind im Moment prima, darauf kann er vertrauen. Aber wenn du nicht gut scorst, bekommst du auch keine Chancen auf ein Doppel.“
Mit einem Average, der nach der letzten Pause lange unter 90 lag und schließlich nur bei 93 endete, warnt Webster, dass ein solcher Start gegen Price wohl fatal wäre. „So einen langsamen Beginn kann er sich morgen nicht erlauben.“

Gerwyn Price wächst ins Turnier

Während Van Veen kämpfen musste, um seinen Platz im Halbfinale zu sichern, sah Webster einen immer stärker werdenden Gerwyn Price. Der Waliser bezwang Ross Smith mit einem Average von über 103 und überzeugte vor allem in der Schlussphase des Matches. „Das war über eine so lange Partie eine sehr gute Leistung.“
Besonders die Reaktion von Price, als Smith auf 12:12 herankam, fiel Webster auf. „Da wurde nicht der Kopf geschüttelt. Es hieß einfach: Weiter geht’s, bringen wir das zu Ende.“
Seiner Meinung nach vertraut Price komplett auf sein eigenes Spiel. „Er vertraut auf seine Art zu spielen und auf den Prozess, den er in dieser Woche durchlaufen hat. Er wird mit jeder Partie besser.“
Außerdem erkennt Webster, dass der ehemalige Weltmeister zunehmend Energie daraus zieht, die Endphase großer Turniere zu erreichen. „Er blüht auf, wenn er die Schlussphase eines Turniers erreicht. Jetzt, wo er wieder dort ist, freut er sich richtig auf dieses Halbfinale.“

„Price ist im Moment der komplettere Spieler“

Price sprach in den vergangenen Monaten offen über Ablenkungen im Privatleben, doch Webster stellt fest, dass der Fokus inzwischen voll auf Darts liegt. „Er hat in diesem Jahr bereits gute Ergebnisse geliefert. Natürlich gab es Ablenkungen in seiner Familie, und er hat selbst gesagt, dass ihn das beschäftigt hat. Aber am Ende ist er ein Profi, und ein sehr guter obendrein. Darauf muss er sich konzentrieren.“
Webster ist von beiden Halbfinalisten beeindruckt, erkennt aber dennoch einen kleinen Unterschied. „Ich bin von beiden beeindruckt, jeder auf seine Weise. Beide haben Partien gewonnen, in denen sie nicht immer ihr bestes Niveau erreicht haben.“
Trotzdem tendiert er zu Price. „Auf Basis dessen, was ich bislang gesehen habe, ist Gerwyn Price für mich der Favorit.“ Der Grund ist für ihn simpel. „Nur gut zu finishen reicht nicht weit genug. Du musst zuerst gut genug scoren, um überhaupt eine Chance auf ein Doppel zu bekommen. Wenn du im Scoring übertroffen wirst, bekommst du diese Chancen nicht.“
Daher bezeichnet Webster den Waliser derzeit als den kompletteren Spieler der beiden. „Für mich wirkt Gerwyn Price im Moment wie der komplettere Spieler.“
Das bedeute jedoch nicht, dass Van Veen chancenlos sei. Im Gegenteil, der Niederländer hat eine zusätzliche Motivation, Geschichte zu schreiben. „Er hat natürlich den Extra-Anreiz, die Nummer zwei der Welt zu werden und erstmals das Finale des World Matchplay zu erreichen. Dieses Halbfinale hat eigentlich alles in sich.“

Schwere Aufgabe für Van Duijvenbode

Auch zum zweiten Halbfinale äußerte sich Webster. Dort trifft Dirk van Duijvenbode auf Luke Littler, der in Blackpool erneut mit außergewöhnlichen Averages beeindruckt.
Obwohl Van Duijvenbode überzeugende Siege gegen Michael van Gerwen und Gary Anderson feierte, sieht Webster eine enorme Herausforderung. „Ich versuche, ein Plädoyer für Dirk zu halten.“
Es folgte jedoch gleich das Fazit. „Er war großartig.“ Dennoch weisen die Zahlen laut Webster klar in eine Richtung. „Gary Anderson spielte einen Average von 101 und verlor. Josh Rock warf ebenfalls 101 und wurde komplett weggefegt.“
Will Van Duijvenbode eine Chance haben, muss laut Webster alles passen. „Er muss früh in Führung gehen. Er muss hoffen, dass Luke Littler fünf oder sechs Punkte unter seinem üblichen Average bleibt. Dann treffen sie sich vielleicht irgendwo in der Mitte, und Dirk muss anschließend nahezu all seine Chancen nutzen.“
Webster selbst glaubt kaum daran. „Ehrlich gesagt sehe ich es nicht.“ Dennoch hat er eine klare Botschaft für den Niederländer. „Dirk muss mit einer positiven Einstellung auf die Bühne gehen. Ich mag es nicht, wenn Leute sagen, man habe nichts zu verlieren, denn das ist ein Halbfinale eines Majors. Solche Chancen bekommst du nicht oft.“
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading