„Solange sie mitspielt, kämpfen wir alle eigentlich nur um Platz zwei“: Deta Hedman schwärmt von Beau Greaves

PDC
durch Nic Gayer
Montag, 06 Juli 2026 um 17:00
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Deta Hedman gehört seit Jahrzehnten zu den prägendsten Persönlichkeiten des Dartsports. Mit einer beeindruckenden Titelsammlung, zahllosen Erfolgen und polarisierenden Meinungen sorgt die „Caribbean Queen“ immer für Gesprächsstoff. Doch auch ihre Begeisterung für den Dartsport ist bis heute ungebrochen – nicht allein wegen der Titel und Wettkämpfe, sondern vor allem wegen dessen, was der Sport abseits der Bühne bewirken kann.
Im Gespräch mit Oche180 sprach Hedman ausführlich über ihr Engagement bei Charity-Veranstaltungen, die Entwicklung des Dartsports, den lang ersehnten WM-Triumph in Lakeside, ihre Ziele beim Women's World Matchplay sowie ihre große Bewunderung für Beau Greaves.

„Sie riskieren ihr Leben, damit wir sicher leben können“

Kürzlich nahm Hedman an einer Benefizveranstaltung teil, bei der Spenden für Organisationen gesammelt wurden, die sich für mentale Gesundheit und Veteranen einsetzen. Für die englische Darts-Legende stand außer Frage, sich daran zu beteiligen.
Deta Hedman posiert mit dem WDF-Titel.
Deta Hedman blickt auf ihren lang ersehnten WM-Titel zurück und spricht offen über ihre Bewunderung für Beau Greaves sowie ihre Leidenschaft für den Dartsport.
„Alles, was mit den Streitkräften zu tun hat – eigentlich mit allen Hilfsdiensten –, unterstütze ich gerne“, erklärt Hedman. „Ich erinnere mich noch daran, wie ich gefragt wurde, ob ich die erste Veranstaltung in Blackpool begleiten würde. Ich habe sofort zugesagt.“
Ihre Wertschätzung für Soldaten und Veteranen geht dabei weit über bloße Worte hinaus. Hedman empfindet großen Respekt für Menschen, die sich bewusst dafür entscheiden, andere zu schützen.
„Ich habe zuvor bereits Veranstaltungen mit Target Darts begleitet und fand das großartig. Es ist schön, den Menschen etwas zurückzugeben, die ihr Leben riskieren, damit wir in Sicherheit leben können. Es gibt nicht viele, die bereit wären, so einen Beruf auszuüben.“
Auch persönlich macht sie sich darüber Gedanken. „Manchmal frage ich mich, wie ich selbst damit umgehen würde, wenn jeder in einem bestimmten Alter zum Militär müsste. Umso größer ist mein Respekt vor denjenigen, die sich freiwillig dafür entscheiden. Ihnen werde ich immer helfen, wenn ich kann.“
Während ihrer langen Karriere hat Hedman sämtliche Entwicklungsphasen des Dartsports erlebt – von den Boomjahren in den Achtzigern und Neunzigern über schwierigere Zeiten bis hin zum aktuellen Aufschwung.
Für sie spielt das Fernsehen dabei eine entscheidende Rolle. „Das ist wie in vielen großen Sportarten – Golf, Tennis, Cricket oder Rugby. Alles hängt davon ab, wie präsent man im Fernsehen ist. In den Achtzigern und Neunzigern war Darts riesig, danach wurde es ruhiger. Dann kam Luke Littler und hat dem Sport neues Leben eingehaucht.“
Vor allem junge Spieler profitieren nach ihrer Einschätzung von Littlers Aufstieg. „Es gibt heute viel mehr Möglichkeiten für den Nachwuchs und für die Basis des Sports. Außerdem freut es mich, dass Darts auch innerhalb der Streitkräfte wächst, denn dort gibt es wirklich viele gute Spieler.“
Gleichzeitig betont Hedman, dass Darts weit mehr sei als reiner Leistungssport. Gerade die Offenheit des Sports mache seinen besonderen Reiz aus. „Man muss kein Weltklassespieler sein. Solange man drei Pfeile ins Board bekommt, kann man Spaß haben. Es geht um die Atmosphäre, die Gemeinschaft und das Miteinander. Deshalb liebe ich diesen Sport. Alle kommen zusammen wie eine große Familie. Wir respektieren einander und jeder versucht, seinen kleinen Beitrag zu leisten.“

„Meine Beine wurden einfach weich, als ich Weltmeisterin wurde“

Obwohl Hedman bereits nahezu jeden bedeutenden Titel gewonnen hatte, fehlte ihrer außergewöhnlichen Karriere lange Zeit der WM-Triumph in Lakeside. Erst nach mehreren verlorenen Endspielen erfüllte sie sich schließlich diesen Traum.
Als der entscheidende Dart im Doppel einschlug, brachen sämtliche Emotionen aus ihr heraus. „In dem Moment, als ich das Doppel getroffen habe, dachte ich nur: Endlich habe ich es geschafft. Direkt danach wurde mir bewusst: Mein Gott, du bist tatsächlich Weltmeisterin geworden.“
Für sie fühlte es sich an, als falle eine riesige Last von ihren Schultern. „Man sagt oft, dass einem eine Last abfällt – genau so war es. Mein viertes Finale, so viele Jahre später, und endlich hat es geklappt.“
Unmittelbar nach dem Match suchte sie Halt bei ihrer Finalgegnerin Lorena Winstanley, weil sie von ihren Gefühlen überwältigt wurde. „Ich habe Lorena umarmt und plötzlich wurden meine Beine ganz weich. Nicht nur mein Kopf spielte verrückt, mein ganzer Körper reagierte. Ich sagte zu ihr: 'Lass mich nicht los', damit ich mich erst einmal wieder sammeln konnte.“
Selbst Monate später wirkt der Titel für Hedman noch immer unwirklich. „Ich kann jedem erklären, wie sich das anfühlt, aber wirklich verstehen kann man es erst, wenn man es selbst erlebt hat. Ich kneife mich manchmal immer noch und denke: Habe ich das wirklich geschafft? Im Moment steht sogar die echte Trophäe bei mir zu Hause. Jedes Mal, wenn ich nach Hause komme, denke ich daran, dass ich sie bald wieder zurückgeben muss. Hoffentlich bekomme ich sie irgendwann noch einmal.“
Neben ihrem WM-Titel gibt es allerdings noch einen weiteren Pokal, den sie ihrer Sammlung gerne hinzufügen würde: den Sieg beim Women's World Matchplay in Blackpool. Dabei räumt sie offen ein, dass dieses Turnier ursprünglich gar nicht zu ihren größten Zielen gehörte.
„Das klingt vielleicht komisch, aber das Matchplay hatte ich eigentlich nie wirklich auf dem Schirm. Ich habe immer gesagt, dass ich einfach die PDC Women's Series spielen möchte, um etwas Preisgeld zu gewinnen. Damit kann ich dann zum nächsten Turnier fahren.“
Dass sie sich schließlich qualifizierte, kam selbst für sie überraschend. „Mein Partner Paul James sagte irgendwann zu mir, ich müsse jetzt gute Ergebnisse spielen, um mich noch für das Matchplay zu qualifizieren. Ich lag damals auf Platz acht oder neun und er meinte: 'Es wäre schön, wenn du noch ein Turnier gewinnen könntest.'“
Mit ihrem typischen Humor antwortete Hedman sofort. „Ich sagte nur: Klar, Paul. Ich werde den anderen einfach sagen, dass sie absichtlich gegen mich verlieren sollen.“ Doch ausgerechnet an diesem Tag lief alles perfekt. „Ich habe wirklich richtig gut gespielt. Als ich danach auf die Rangliste geschaut habe, dachte ich nur: Mein Gott, Paul. Normalerweise sagst du mir etwas und ich mache es nie. Diesmal hat es tatsächlich funktioniert.“
Trotz aller Titel bleibt für Hedman das Spielen für England das Größte überhaupt. „Es gibt kein schöneres Gefühl, als auf der Bühne zu stehen und sein Land zu vertreten. Das ist etwas ganz Besonderes. Allein wenn ich darüber spreche, bekomme ich Gänsehaut.“
Wie viel ihr das Nationaltrikot bedeutet, macht sie unmissverständlich klar. „Wenn es darum geht, für mein Land zu spielen, müsste wirklich unglaublich viel Geld im Spiel sein, bevor ich mich dagegen entscheiden würde. So viel bedeutet mir das.“

„Solange Beau Greaves mitspielt, spielen wir eigentlich um Platz zwei“

Sollte Hedman das Women's World Matchplay gewinnen, könnte sie vor der schwierigen Entscheidung stehen, zwischen einer Teilnahme an der PDC-Weltmeisterschaft im Alexandra Palace und einer Titelverteidigung in Lakeside wählen zu müssen. Mit diesem Gedanken beschäftigt sie sich derzeit allerdings noch nicht.
Stattdessen richtet sie den Blick zunächst auf die klare Favoritin des Turniers: Beau Greaves. „Ehrlich gesagt habe ich darüber noch gar nicht nachgedacht. Ich habe es schon einmal gesagt und wiederhole es gerne: Solange Beau Greaves dabei ist, kämpfen wir anderen eigentlich alle nur um Platz zwei.“
Beau Greaves ballt die Faust.
Beau Greaves gilt für Deta Hedman derzeit als die dominierende Spielerin im Frauen-Darts: „Solange sie mitspielt, kämpfen wir alle eigentlich nur um Platz zwei.“
Den Leistungen ihrer Landsfrau begegnet Hedman mit großem Respekt und bewertet ihre eigenen Chancen äußerst realistisch. „Versteht mich nicht falsch: An einem guten Tag können wir jede Spielerin schlagen. Ich weiß, wie gut ich sein kann. Ich kann großartige Matches und Legs spielen – aber eben auch schreckliche. Und bei der Form, die Beau momentan hat, braucht es schon etwas Außergewöhnliches, um sie zu besiegen.“
Auch ihre eigene Weltmeisterschaft betrachtet Hedman vor diesem Hintergrund nüchtern. „Ich war ehrlich gesagt erleichtert, als Beau gesagt hat, dass sie nicht in Lakeside spielen wird. Nicht, weil ich mir selbst nichts zutraue. Aber wenn sie dabei gewesen wäre, glaube ich nicht, dass ich den Titel gewonnen hätte. Natürlich hätte ich alles gegeben, aber sie ist einfach überragend.“
Für Hedman zählt Greaves zu den außergewöhnlichsten Talenten, die der Dartsport hervorgebracht hat. „Sie ist eine dieser ganz besonderen Persönlichkeiten, die nur äußerst selten auftauchen. Dasselbe haben wir erlebt, als Luke Littler aufgetaucht ist. Auch er beweist das immer wieder.“
Nach ihrer Einschätzung setzt Greaves derzeit den Maßstab im Frauen-Darts. „Vielleicht kommt in fünf oder sechs Jahren wieder jemand nach. Aber im Moment können wir Beau eigentlich nur schlagen, wenn sie selbst einen schlechten Tag erwischt.“
Dennoch weiß Hedman aus eigener Erfahrung, dass sich eine Karriere im Laufe der Jahre verändern kann. „Sie ist jung, hungrig und körperlich topfit. Aber wenn man auf Ende vierzig oder fünfzig zugeht, verändert sich auch das eigene Spiel. Es liegt an Beau, ob sie diesen Weg weitergeht oder irgendwann entscheidet, dass sie etwas anderes machen möchte.“
An ihrer Unterstützung für Greaves wird das allerdings nichts ändern. „Ich hoffe, dass sie weitermacht und weiterhin alle schlägt. Selbst wenn sie mich besiegt, ist mir das egal. Ich finde es einfach großartig, ihr beim Gewinnen zuzusehen.“
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