Stephen Bunting spricht offen über Spielsucht: „Es ist wichtig, dass die Leute wissen, wer ich wirklich bin“

PDC
durch Nic Gayer
Freitag, 11 September 2026 um 10:00
Stephen Bunting (3)
Stephen Bunting hat sich im Laufe der Jahre einen besonderen Platz in der Dartswelt erarbeitet. Der Engländer ist nicht nur ein ehemaliger Weltranglisten-Vierter und Spieler der absoluten Elite, sondern wurde dank seiner markanten Persönlichkeit, seines unverwechselbaren Walk-ons und seiner großen Präsenz in den sozialen Medien zu einer echten Kultfigur. In seiner neuen Autobiografie „Bulletproof“ zeigt der 41-Jährige jedoch auch die andere Seite seines Lebens.
Das Buch, an dem rund achtzehn Monate gearbeitet wurde, erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Bunting beliebter wirkt denn je. Der Spitzname 'Bunting Mental' ist in der Dartswelt längst fest verankert, und sein Walk-on zu Titanium von David Guetta und Sia zählt zu den prägnantesten auf der PDC-Tour. „Ich habe natürlich viele Geschichten zu erzählen“, sagt Bunting gegenüber The Standard. „Ich bin meiner Meinung nach eine ziemlich interessante Person.“

90.000 Pfund Spielschulden

Dem Engländer war wichtig, dass das Buch keine geschönte Erzählung wird. Bunting wollte ehrlich über seine Erfolge und die schwierigsten Phasen seines Lebens sprechen. So schreibt er offen über seine Glücksspielprobleme, durch die er am Ende nicht weniger als 90.000 Pfund Schulden mit Online-Slots anhäufte.
Stephen Bunting zelebriert seinen Walk-on.
Spricht in seiner neuen Autobiografie offen über seine Spielschulden: Stephen „The Bullet“ Bunting
„Ich versuche immer, so ehrlich wie möglich zu sein. Das kann mich bei bestimmten Menschen in Schwierigkeiten bringen, aber es ist wichtig, dass die Leute wissen, wer ich wirklich bin. Es ist nicht konstruiert. Ich habe keinen Stein auf dem anderen gelassen, auch nicht bei den schlechten Momenten, einschließlich meiner Probleme mit dem Glücksspiel.“

Vom Dartspieler zur Kultfigur

Obwohl Bunting in erster Linie weiterhin Dart-Profi ist, hat er in den vergangenen Jahren eine zweite Karriere aufgebaut. Über YouTube und soziale Medien zeigt er weit mehr als nur den Spieler auf der Bühne. „Absolut ein Darter“, antwortet Bunting lachend auf die Frage, ob er lieber Dartspieler oder YouTuber sei. „Aber wenn du nur Darter bist, sehen die Leute nur die Rückseite deines Kopfes.“
Sein Ansatz hat offensichtlich gewirkt. Ein Video seines bekannten Walk-ons sammelte kürzlich satte zwanzig Millionen Aufrufe. Auch kommerziell hat der Engländer seine Persönlichkeit sehr gut genutzt. So legte seine Website zeitweise lahm, nachdem seine personalisierten Teddybären in den Verkauf gingen. Dennoch nennt Bunting seinen kommerziellen Erfolg selbst „ein bisschen Zufall“.
Die Popularität des Sports ist seiner Meinung nach auch dem Aufstieg von Luke Littler zu verdanken. Bunting, der zusammen mit Littler Miteigentümer eines Pferdes ist, das bezeichnenderweise den Namen ‚Bunting Mental‘ trägt, hat großen Respekt vor dem jungen Weltmeister.
„Er ist ein unglaublich netter Junge. Wir sollten alle dankbar sein für das viele Geld, das er in unseren Sport gebracht hat. Er hat eine besondere Ausstrahlung. Hoffentlich bleibt das noch lange so, aber hoffentlich kann ich selbst auch meinen Teil an Turnieren gewinnen.“

„Ich bin absolut Bunting Mental“

Die Fans spielen in Buntings Geschichte eine wichtige Rolle. Während Matches ertönt regelmäßig der inzwischen berühmte Slogan „Let’s go Bunting Mental“. Der Engländer genießt das sichtbar. „Ich bin absolut Bunting Mental. Ich finde es fantastisch, dass die Fans das singen. Es gibt mir im Match zusätzliche Energie. Man sagt, das Publikum in Liverpool an der Anfield Road sei der zwölfte Mann. Für mich ist das Publikum wirklich der zwölfte Mann.“
Dennoch ist der populäre Bunting alles andere als unantastbar. Der Titel seines Buches stammt aus dem Text seines Walk-on-Songs Titanium, doch die Frage, ob er tatsächlich „bulletproof“ (kugelsicher, Anm. d. Red.) sei, beantwortet er entschieden. „Absolut nicht. Bestimmte Dinge, die mir begegnet sind, könnte man als potenzielle Kugeln bezeichnen, und die hinterlassen wirklich Narben.“
Damit spielt er unter anderem auf die heftige Kritik an, die er Ende vergangenen Jahres in den sozialen Medien einstecken musste. Nach einem Interview, in dem er sich scherzhaft ‚The People’s Champion‘ nannte, sah sich Bunting einer Flut von Online-Hass ausgesetzt. Die Folgen waren sogar in seiner Familie spürbar. Sein vierzehnjähriger Sohn Toby wechselte wegen Mobbings auf eine Privatschule. „Dass die Leute so über mich dachten, stand komplett im Widerspruch zu allem, wofür ich hart gearbeitet habe“, sagt Bunting.

Niemals aufgeben

Trotz aller schwierigen Momente weigert sich Bunting, negativ auf seine Karriere zu blicken. Er gibt zu, mehrfach darüber nachgedacht zu haben, mit Darts aufzuhören. Die individuelle Natur des Sports macht es mitunter hart. „Darts kann ein einsamer Sport sein. Im Fußball kannst du den Ball zum Mitspieler passen und zwanzig Minuten ohne Ball sein. Du kannst dich nicht verstecken.“
Dennoch hat Bunting nach eigener Aussage gelernt, seine Gedanken besser zu steuern. Mithilfe von Hypnotherapie versucht er, positiver zu denken. „Selbst wenn ich 0:9 hintenläge, würde ich immer glauben, dass ich ein Match gewinnen kann. Wenn ich 1:6 verliere, denke ich an das Leg, das ich gewonnen habe, und nicht daran, dass ich völlig untergegangen bin.“
Seine größte Motivation bleibt die Familie. Vor allem sein Sohn Toby, der zu ihm aufschaut, spielt dabei eine wichtige Rolle. Bunting erkennt viel von sich selbst in seinem Sohn wieder und will letztlich vor allem weiter für seine Familie sorgen.
Ein Weltmeistertitel fehlt auf seiner beeindruckenden Bilanz noch immer. „Ich glaube nicht, dass man je zufrieden sein kann, bevor man die Weltmeisterschaft gewonnen hat. Aber es war bislang keine schlechte Karriere.“
Und auch nach seiner aktiven Laufbahn will Bunting dem Sport verbunden bleiben. Ob als Kommentator oder als Trainer junger Dartspieler: Der Engländer sieht sich nicht einfach aus der Dartswelt verschwinden. „Wenn ich mit dem Dartspielen fertig bin, will ich immer noch im Sport aktiv bleiben. Ob das nun kommentieren ist oder Kinder trainieren. Solange ich weiter für meine Familie sorgen kann, ist das für mich das Allerwichtigste.“
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