„Vielleicht ist es Zeit für eine Anpassung“ – Mark Webster bringt Premier-League-Reform ins Spiel

PDC
durch Nic Gayer
Dienstag, 27 Januar 2026 um 14:00
Mark Webster
Die Auslosung für das anstehende Winmau World Masters liefert wie gewohnt reichlich Gesprächsstoff – und bringt Mark Webster gleich in mehrfacher Hinsicht zum Nachdenken. Im Gespräch mit Tungsten Tales analysierte der ehemalige Major-Finalist nicht nur das Teilnehmerfeld, sondern äußerte sich auch grundsätzlich zu Turnierformaten und zur Entwicklung der Premier League. Aus Sicht Websters verbindet beides ein entscheidender Faktor: eine explosive Mischung aus echten Topduellen, kniffligen Erstrundenpartien und vor allem großer Ungewissheit durch kurze, kompromisslose Formate.
„Es ist ein bisschen eine gemischte Auslosung“, ordnet Webster ein. „Es sind noch Plätze offen, also lässt sich das Gesamtbild noch nicht komplett zeichnen. Aber schau dir nur die Eröffnungsspiele an: Luke Littler gegen Mike De Decker, Luke Humphries gegen Dave Chisnall – das sind sofort ernsthafte Kracher.“

Kurzes Format, große Wirkung

Genau diese Mischung macht das Turnier für Webster so reizvoll. „Erst wenn die Qualifikationen gespielt sind, weißt du wirklich, wie die Auslosung aussieht. Bis dahin bleibt es Spekulation“, erklärt er. „Aber dieses Format funktioniert: schnelle, kurze Sätze, wenig Zeit zur Erholung. Das war vor zwölf Monaten schon ein Erfolg, und ich erwarte, dass es jetzt nicht anders sein wird.“

Littler gegen De Decker: „Eine Chance, aber auch ein Risiko“

Besonders viel Aufmerksamkeit zieht das Duell zwischen Luke Littler und Mike De Decker auf sich. Für Littler ist das World Masters ein Titel, der in seiner beeindruckenden Sammlung noch fehlt – ein zusätzlicher Reiz für beide Seiten.
„Ist es ein Free Hit für Mike? Ja und nein“, analysiert Webster. „Wenn er die Form findet, die er Ende 2024 hatte – als er den World Grand Prix gewonnen hat – kann er in diesem kurzen Format jedem wehtun. Er hätte Luke Littler damals auch beim Grand Slam schlagen müssen.“
Gleichzeitig erkennt Webster Unsicherheiten im Spiel des Belgiers. „Im Moment steckt etwas Unsicherheit in seinem Spiel. Mike hat selbst gesagt, dass er soziale Medien zurückfahren musste, um aus dieser WM-Blase herauszukommen. Das sagt schon etwas.“ Dennoch betont er: „Er trainiert hart, er ist ein guter Spieler und ein guter Kerl. Das ist seine Auslosung, damit muss er arbeiten.“

Chisnall unter Druck: „Es ist Zeit für einen Reset“

Auch Dave Chisnall steht vor einer enormen Herausforderung – ausgerechnet Titelverteidiger Luke Humphries wartet zum Auftakt. Für Webster markiert dieses Match einen wichtigen Punkt in Chisnalls Karriere. „Dave wird denken: Es ist Zeit für einen Reset“, sagt er. „Er ist in den Rankings so weit nach oben gekommen, weil er genau solche Spiele gewonnen hat. Das muss er wieder tun. Dafür braucht er aber Form und Konstanz.“
Dass Chisnall den World Grand Prix verpasst hat, wertet Webster als deutliches Signal. „Dave verpasst normalerweise keine Majors über die Rangliste. Das ist für ihn eigentlich beispiellos. Die Aufgabe in diesem Jahr ist klar: über Wasser bleiben und neu aufbauen.“
Trotzdem sieht Webster Chancen. „Dieses schnelle, kurze Format kann ihm sogar helfen. Offenes Setting, kurze Sätze – das liegt Dave. Und Luke Humphries weiß ganz genau, wie gefährlich er sein kann.“

Qualifikation: „Eine Lotterie mit riesiger Belohnung“

Den Qualifikationstag bezeichnet Webster als eines der schönsten Elemente des World Masters. „Diese Qualifier sind eine Lotterie, seien wir ehrlich. Aber sie bieten auch eine enorme Chance – besonders für jemanden, der gerade eine Tour Card gewonnen hat und einen Monat später schon im Fernsehen stehen kann.“
Er nennt auch Namen, denen er den Durchbruch wünscht. „Ich fände es großartig, wenn sich Beau Greaves qualifiziert. Und ich bin gut mit Joe Cullen befreundet, daher gönne ich es ihm ebenfalls sehr. In Joe steckt immer noch ein Topspieler.“
„Wenn du durch diese Qualifikationen kommst, kannst du manchmal auf einer Welle bleiben“, erklärt Webster weiter. „Du spielst am Mittwoch, nimmst den Schwung mit und plötzlich kommst du am Donnerstag oder Freitag durch. Das ist die Magie solcher Turniere.“
Über Beau Greaves, die ihre Weltmeisterschaft unter großer Aufmerksamkeit gespielt hat, spricht Webster besonders positiv. „Für sie beginnt jetzt ein neues Projekt. Sie spielt auf der Haupttour, es ist ihre erste Masters-Qualifikation – plötzlich steht viel auf dem Spiel.“
Niemand sollte überrascht sein, wenn sie sich durchsetzt, meint Webster. „Sie kann hohe Averages spielen. In diesen Qualifiern muss sie extrem fokussiert sein, aber sie hat eine echte Chance, durchzukommen.“

Premier League: „Vielleicht Zeit für eine Anpassung“

Zum Abschluss blickte Webster auf die Premier League, an der er selbst einst teilnahm. Er versteht sowohl die Begeisterung als auch die Kritik. „Das Format ist erfolgreich. Als Zuschauer bekommst du jede Woche ein Mini-Turnier mit den besten Spielern der Welt.“
Veränderungen schließt er dennoch nicht aus. „Vielleicht ist es bald Zeit für eine Anpassung. Die PDC steht nie still und hört durchaus zu. Persönlich würde ich gerne sehen, dass es Platz für ein oder zwei zusätzliche Spieler gibt.“
Zu Stephen Bunting äußert sich Webster offen. „Ich denke, er wird es erneut schwer haben. Bei seiner Nominierung hatte er vielleicht etwas Glück, aber ich verstehe auch, warum er dabei ist. Er muss stark starten, denn wenn du in eine Negativspirale gerätst, wird es sehr schwierig.“
Seine Prognose fällt klar aus – mit einer offenen Hintertür: „Humphries sehe ich sicher unter den letzten Vier. Dieser vierte Platz ist knifflig, es wird extrem eng. Wenn Jonny dabei ist, entspannt er oft – und dann wird er gefährlich. Es wird eine faszinierende Premier League.“
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading