Zum Start der PDC-Saison 2026 steuert die Order of Merit auf einen kritischen Punkt zu. Die Frage, wer Luke Littler an der Spitze herausfordern kann, rückt dabei fast in den Hintergrund. Projektionen auf Basis rollierenden Preisgeldes und aktueller Leistungstrends zeigen eine deutlich härtere Realität unterhalb der absoluten Elite.
Ehemalige Weltmeister sind nicht länger vor spürbaren Abstürzen geschützt. Jüngste Major-Sieger bewegen sich gefährlich nah an die Tour-Card-Grenze. Mindestens ein etablierter Name wird in den Berechnungen bereits komplett außerhalb der Tour geführt.
Dabei geht es nicht um Meinungen oder Momentaufnahmen. Es geht um nüchterne Mathematik. Setzen sich die aktuellen Muster fort, zeigt die Rangliste zum Ende der Saison 2026 ein klares, unerbittliches Bild.
Weltmeister mit Risiko größerer Abstürze
Michael van Gerwen
Prognostizierter Ranglistenplatz Ende 2026: 20
Van Gerwens prognostizierte Position ist die auffälligste Zahl der gesamten Projektion. Nach mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze würde Rang 20 keinen kurzen Formknick bedeuten, sondern einen strukturellen Einschnitt.
Zwar gewann der Niederländer 2025 einen TV-Titel, doch dieser zählte nicht in die Order of Merit. Doch der übergeordnete Trend ist klar. Tiefe Läufe bei Ranglisten-Majors, einst sein Markenzeichen, sind seltener geworden. Gleichzeitig laufen hohe Preisgelder aus früheren Zyklen aus, ohne vollständig ersetzt zu werden.
Ein Ranking auf Platz 20 hätte spürbare Folgen:
kein Setzlisten-Schutz bei Majors, deutlich härtere Auslosungen in frühen Runden und ein klar veränderter Wettbewerbsstatus.
Für Van Gerwen wäre das kein normales Abrutschen. Es würde seine Rolle innerhalb der modernen PDC-Hierarchie neu definieren.
Peter Wright
Prognostizierter Ranglistenplatz Ende 2026: 32
Wrights Projektion führt ihn außerhalb der Top 32. Diese Grenze besitzt in der PDC nicht nur symbolische, sondern auch praktische Bedeutung.
Die Saison 2025 lieferte kaum Anzeichen für die konstanten Major-Läufe, die nötig wären, um auslaufendes WM-Preisgeld aufzufangen. Frühe TV-Niederlagen häuften sich. Nachhaltige Runs blieben die Ausnahme.
Ein Ranking im niedrigen 30er-Bereich würde bedeuten:
Verlust der automatischen Setzung, höherer Qualifikationsdruck und eine stärkere Abhängigkeit von ProTour-Ergebnissen.
Es wäre das endgültige Ende von Wrights Status als geschützter Elite-Spieler.
Immer wieder wird über sein Karriereende gemunkelt: Peter Wright
Rob Cross
Prognostizierter Ranglistenplatz Ende 2026: 24
Cross’ Rückgang fällt weniger spektakulär aus, ist aber nicht minder relevant. Rang 24 verortet ihn klar im Verfolgerfeld statt unter den prägenden Figuren der Tour.
Seine letzten Spielzeiten waren von Schwankungen geprägt. Auf starke Wochen folgten frühe Aus. Genau diese Inkonstanz wird im aktuellen System bestraft, das konstante Preisgeldansammlung höher bewertet als einzelne Spitzen.
Auf Platz 24 bliebe Cross konkurrenzfähig, jedoch ohne Sicherheitspuffer. Jeder Major-Lauf würde überproportional zählen. Ein schwaches Jahr könnte sich schnell ausweiten.
Große Namen mit realem Tour-Card-Risiko
Dimitri Van den Bergh
Prognostizierter Ranglistenplatz Ende 2026: 51
Van den Berghs Projektion platziert ihn nur 13 Ränge über dem Cut-Off für die Tourcard. Dieser Puffer ist trügerisch klein.
Unterbrochene Saisons, geringeres Turnierpensum und fehlende tiefe Major-Läufe haben ihn verwundbar gemacht. Auf Rang 51 würde ein einziges schwaches Jahr reichen, um in einen echten Überlebenskampf zu geraten.
Für einen ehemaligen World Matchplay-Champion wäre das ein drastischer Statusverlust.
Raymond van Barneveld
Prognostizierter Ranglistenplatz Ende 2026: 39
Van Barneveld steht nicht unmittelbar vor dem Abgrund. Doch Rang 39 ist langfristig ein unsicherer Ort.
Ohne einen tiefen WM-Lauf hängt seine Sicherheit zunehmend von erkämpften Resultaten ab. Eine weitere stille Saison könnte ihn rasch in Richtung der 50er treiben, wo Qualifikation keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Zumal lässt der Niederländer das erste Majorturnier des Jahres sausen.
Ritchie Edhouse
Prognostizierter Ranglistenplatz Ende 2026: 54
Edhouses Platzierung ist eine der härtesten Aussagen dieser Projektion. Ein aktueller Major-Sieger auf Rang 54 zeigt die Schonungslosigkeit des Systems, sobald ein großer Erfolg aus der Wertung fällt.
Auf diesem Niveau trennen ihn nur zehn Plätze vom kompletten Tour-Card-Verlust. Ohne einen weiteren tiefen TV-Lauf zieht ihn allein die Mathematik in den Existenzkampf.
Ritchie Edhouse gewann 2024 die European Darts Championship
Mensur Suljovic
Prognostizierter Ranglistenplatz Ende 2026: 52
Suljovic befindet sich klar in der Gefahrenzone. Auf Rang 52 existiert praktisch kein Spielraum.
Ein verpasstes Darts-WM-Ticket oder eine Serie früher ProTour-Niederlagen würde ihn unmittelbar an den Cut-Off drücken. Erfahrung schützt auf diesem Niveau nicht mehr.
Alan Soutar
Prognostizierter Ranglistenplatz Ende 2026: 57
Soutars Prognose ist eindeutig. Auf Platz 57 trennen ihn nur sieben Ränge vom Verlust der Tour Card.
Seine wiederholte Kritik an der Ranglistenstruktur erhält dadurch zusätzliches Gewicht. Er argumentierte, das System schütze etablierte Namen, während Spieler seiner Kategorie unter permanentem Druck stünden, zu überleben statt sich zu entwickeln.
Auf Rang 57 reicht Solidität nicht aus. Nur konstantes Volumen hält einen Spieler sicher.
Ian White
Prognostizierter Ranglistenplatz Ende 2026: 55
Trotz eines leichten Aufschwungs 2025 bleibt White in der Gefahrenzone. Auf Platz 55 würde eine schwache Saison hart erarbeitete Fortschritte sofort zunichtemachen.
Das ist die Realität für Spieler ohne nennenswerten Preisgeldpuffer in der modernen PDC.
Gabriel Clemens
Prognostizierter Ranglistenplatz Ende 2026: 49
Die einstige Nummer 19 der Welt steckt seit über einem Jahr in einer schwächeren Phase. Nach seiner Auftaktniederlage gegen Rob Owen bei der Darts WM 2025 rutschte er aus den Top 32 der Weltrangliste.
Dennoch brachte ihm der WM-Auftritt, der bis in die dritte Runde führte, entscheidendes Preisgeld. Dieses verschaffte ihm nicht nur Luft im Tour-Card-Rennen, sondern auch neues Selbstvertrauen für die Saison 2026.
Nun steht er unter Zugzwang. Gelingt es ihm nicht, dieses Selbstvertrauen in konstante Leistungen umzuwandeln, könnte es zum Ende des Jahres 2026 um den Verbleib auf der Tour gehen, insbesondere falls er die WM verpassen sollte.
Scheiterte bei der Darts WM 2026 nur knapp an Luke Humphries
Bereits jenseits des prognostizierten Cut-Offs
Kim Huybrechts
Prognostizierter Ranglistenplatz Ende 2026: 69
Huybrechts ist die deutlichste Warnung. Außerhalb der Top 64 geführt, wäre seine Tour Card in diesem Szenario bereits verloren.
Dann geht es nicht mehr um Formfragen. Es geht um Existenzsicherung. Ohne schnelle Trendwende wird der Weg zurück über die Q-School führen.
Fazit
Diese Projektionen zeigen keine Sammlung einzelner Formtiefs. Sie zeigen systemischen Druck durch eine konsequent rollierende Order of Merit.
Weltmeister rutschen immer weiter ab. Jüngste Major-Sieger nähern sich gefährlich dem Tour-Card-Cut-Off. Mindestens ein ehemaliger Premier-League-Spieler wird bereits außerhalb der Tour prognostiziert.
Zu Beginn des Jahres 2026 sind die Stakes klar definiert. Für einige der bekanntesten Namen der PDC geht es nicht um Titeljagden. Es geht darum, einen Absturz zu verhindern, der ihre Karrieren grundlegend verändern könnte.