Jonny Clayton ist zurück. Nicht, dass er jemals wirklich weg gewesen wäre, doch kurz vor dem
Winmau World Masters 2026 strahlt der Waliser neues Selbstvertrauen aus. Beim Medientag blickt Jonny Clayton, besser bekannt als „The Ferret“, entspannt, aber klar fokussiert auf das neue Dartsjahr. Es ist eine Saison, in der er erneut Teil des Premier-League-Aufgebots ist und in der er auf ein starkes, zugleich aber wechselhaftes Jahr 2025 aufbauen möchte.
„Meine Darts fühlen sich gut an“,
sagt Clayton im Gespräch mit TalkSport. „Die Konstanz kehrt auf das Niveau zurück, auf dem sie sein muss. Das gibt Vertrauen. Ich freue mich wirklich auf das, was kommt.“
Schöne Erinnerungen an das World Masters
Das
Winmau World Masters besitzt für Clayton eine besondere Bedeutung. Im vergangenen Jahr erreichte er dort das Finale, musste sich am Ende jedoch Luke Humphries geschlagen geben. Trotzdem blickt Clayton mit großer Zufriedenheit auf das Turnier zurück.
„Es war ein großartiges Turnier für mich in 2025“, sagt er. „Natürlich ärgert man sich, wenn man das Finale verliert, denn das Einzige, was ich besser hätte machen können, wäre gewesen, diesen Pokal zu holen. Aber ansonsten war es fantastisch. Hoffentlich komme ich in diesem Jahr wieder so weit – und vielleicht sogar einen Schritt weiter.“
Das Format des World Masters mit kurzen Matches – Best of Three Legs pro Satz und Best of Five Sätzen – kommt Clayton entgegen. „Es ist eine andere Herausforderung, als wir sie gewohnt sind. Es ist schwierig, aber auch fair. Man kann einen Satz verlieren und sofort zurückkommen. Das macht es spannend.“
Clayton gilt als Spieler, der im Setplay besonders aufblüht. Seiner Ansicht nach bietet dieses System mehr Möglichkeiten, ins Match zurückzufinden, als ein reines Legs-Format. „Wenn du in einem Legs-Match auf dem Weg zu sechs Legs 0:4 zurückliegst, hast du ein Problem“, erklärt er. „Mit Sätzen bekommst du mehr Luft. Du kannst resetten, dich neu sammeln. Das liegt mir.“
Dass er sich das Finale aus dem vergangenen Jahr noch einmal angesehen hat, überrascht kaum. Clayton analysiert sehr bewusst. „Wenn ich schlecht gespielt habe, schaue ich es mir nicht noch einmal an. Aber dieses Finale war ein gutes Match. Spannend, hohes Niveau. Dann willst du sehen, wo der Unterschied lag.“
Dieser Unterschied lag für ihn vor allem auf den Doppeln. „Ich bin, glaube ich, auf Doppel-20 gegangen, um im Match zu bleiben. Der ging nicht rein. So ist Darts manchmal. Du gibst dein Bestes, und wenn es nicht reicht, musst du es akzeptieren.“
Eine WM mit Haken und Ösen
Auch die
vergangene Weltmeisterschaft kam zur Sprache. Clayton scheiterte im Viertelfinale nach einer Niederlage gegen Ryan Searle. Sein Turnierverlauf wurde zudem von einer ungewöhnlichen Unterbrechung geprägt.
Nach der Disqualifikation von Dom Taylor infolge eines positiven Dopingtests musste Clayton lange auf sein nächstes Match warten.
„Das war für mich das erste Mal, dass ich so eine lange Unterbrechung erlebt habe“, erzählt er. „Normalerweise spiele ich um den 23. Dezember herum und bleibe im Rhythmus. Jetzt lag plötzlich alles still. Das war ungewohnt.“
Eine Ausrede will Clayton daraus aber nicht machen. „Wenn du die Bühne betrittst, hast du einfach einen Job zu erledigen. Gegen Ryan war mein Scoring am Ende in Ordnung, aber meine Doppel haben mich im Stich gelassen. Zehn von vierzig auf diesem Niveau ist einfach nicht gut genug.“
Sein Fazit fällt sportlich fair aus. „Ryan hat getan, was er tun musste. Er ist ein fantastischer Spieler und hat verdient gewonnen.“
Die Breite des modernen Darts
Der Weg bei der WM war für Clayton alles andere als einfach. Gegner wie Niels Zonneveld und Debütant Andreas Harrysson hinterließen Eindruck.
„Es zeigt, wie verrückt breit das Niveau inzwischen ist“, sagt Clayton. „Harrysson ist um die fünfzig und spielt so gut. Dass er danach keine PDC Tour Card geholt hat, ist fast nicht zu glauben. Das sagt alles darüber, wie stark der Circuit ist.“
Für Clayton war die Aufgabe auch deshalb schwierig, weil er wenig über Harrysson wusste. „Ich hatte nur seine vorherigen Spiele gesehen. Man weiß nicht, was einen erwartet, aber man spürt sofort: Dieser Mann schenkt dir nichts.“
Auch sein Landsmann und guter Freund Gerwyn Price kam zur Sprache. Clayton bestätigt, dass sie regelmäßig Kontakt haben, auch wenn es selten um Darts geht. „Meistens reden wir über Rugby oder Heimwerken“, sagt er lachend.
Das frühe Aus von Price gegen Wesley Plaisier sieht Clayton vor allem als Beleg für die Unberechenbarkeit des Sports. „Als Tipper würdest du dein Geld wahrscheinlich auf ‚Gezzy‘ setzen, denn er gehört zu den Besten. Aber Wesley hat getan, was er tun musste. So einfach ist das.“
Zurück in der Premier League Darts
Einer der Höhepunkte des Winters war für Clayton
die Bestätigung seiner Teilnahme an der
Premier League Darts 2026. Der Moment selbst passt perfekt zu ihm.
„Ich war gerade dabei, neben dem Haus eine Mancave zu bauen“, erzählt Clayton. „In meinen Stiefeln kurz ins Haus gerannt, um die Ankündigung zu schauen. Zehn Minuten vorher ruft mein Manager an: ‚Gute Nachrichten, du bist dabei.‘ Das hat die Überraschung ein wenig verdorben“, sagt er grinsend.
Die Freude blieb dennoch groß. „Die
Premier League Darts ist für mich das schönste Turnier, das es gibt. Sechzehn Wochen lang gegen die besten – oder zumindest formstärksten – Spieler der Welt. Wenn du dabei bist, machst du etwas richtig.“
Clayton geht sogar so weit, die Premier League höher einzuschätzen als die Weltmeisterschaft. „Das ist meine Meinung. Die WM ist der größte Titel, absolut. Aber was die reine Herausforderung und das konstante Niveau angeht, dann wähle ich die
Premier League Darts.“
Ambition und Freude
Obwohl Clayton weiterhin seinem ersten WM-Titel hinterherjagt, wirkt er bemerkenswert gelassen. „Natürlich möchte ich irgendwann die WM gewinnen. Aber ich genieße enorm, was ich jetzt tue. Sechzehn Wochen knallhart gegen Spieler, die 180er werfen, als wäre es nichts – das ist der Ort, an dem du sein willst.“
Zum Abschluss wird das Gespräch lockerer und dreht sich um seine Mancave. Ein Snooker- oder Pooltisch? Fehlanzeige. „Ich kann mich nicht mal mehr vernünftig über so einen Tisch beugen“, lacht Clayton. Ein Dartboard wird auf jeden Fall hängen. Vielleicht kommt auch noch ein Golfsimulator dazu.