Die
Premier League Darts könnte ab 2028 eine völlig andere Ausrichtung erhalten. Das hat Matchroom-Sport-Vorsitzender
Barry Hearn während des World Matchplay in Blackpool angedeutet. Laut dem 78-jährigen Briten wächst innerhalb der PDC die Erkenntnis, dass es an der Zeit ist, über einen frischen Impuls für das Aushängeschild der Organisation nachzudenken, auch wenn er erwartet, dass das aktuelle Format 2027 noch beibehalten wird.
Die Zukunft der Premier League steht am Dienstag bei einer Vorstandssitzung der PDC in Blackpool auf der Agenda. Dabei wird unter anderem über die in den vergangenen Jahren immer häufiger geäußerte Kritik am aktuellen Turnierformat gesprochen. Derzeit wird die Premier League mit acht Spielern ausgetragen, die über sechzehn Spielwochen hinweg jeweils ein Miniturnier bestreiten. In den ersten sieben Spielwochen und erneut in den Spielwochen neun bis fünfzehn treffen alle Spieler in einem K.-o.-System aufeinander, woraufhin sich die vier bestplatzierten Dartspieler für die Play-offs qualifizieren.
Obwohl das Konzept kommerziell weiterhin sehr erfolgreich ist, mehren sich die kritischen Stimmen von Spielern und Fans. Unter anderem haben sich Michael van Gerwen und Gerwyn Price in der Vergangenheit zur aktuellen Ausrichtung geäußert. Anhänger bemängeln, dass sich die wöchentlichen Abende zunehmend ähneln, während Spieler auf den harten Reiseplan verweisen, auch weil die Premier League inzwischen durch acht verschiedene Länder tourt.
Laut Hearn wird das Format deshalb jedes Jahr neu bewertet. „Wir schauen uns das Format jedes Jahr erneut an“, sagt er
gegenüber The Sun. Dennoch warnt er davor, zu schnell Änderungen vorzunehmen. „Das Problem ist, dass maximal fünf Prozent der Besucher echte, leidenschaftliche Dartsfans sind. Die übrigen 95 Prozent kommen einfach für einen unterhaltsamen Abend.“
Ausverkaufte Hallen erschweren Veränderungen
Wie ungebrochen populär die Premier League ist, zeigt sich laut Hearn an den Besucherzahlen. „Im vergangenen Jahr haben wir 99,28 Prozent aller verfügbaren Tickets verkauft. Das ist eigentlich unfassbar.“
Gerade deshalb agiert die Organisation bei tiefgreifenden Änderungen mit Vorsicht. „Es gibt ein altes Sprichwort: Wenn etwas nicht kaputt ist, repariere es nicht.“
Dennoch schließt Hearn mittel- bis langfristige Anpassungen keineswegs aus. „Das ist etwas, worüber wir am Dienstag in unserer Vorstandssitzung in Blackpool sprechen werden.“
Er rechnet damit, dass das aktuelle Format vorerst noch eine Saison Bestand hat. „Mein Gefühl sagt mir, dass wir auf jeden Fall noch ein Jahr mit demselben Format weitermachen. Danach müssen wir schauen.“
Laut Hearn ist es wichtig, die Premier League attraktiv zu halten. „Wir beschäftigen uns ständig damit, sie frisch zu halten.“ Zudem spürt er, dass der Zeitpunkt für Veränderungen näher rückt. „Mein Gefühl sagt mir, dass wir langsam an den Punkt kommen, an dem wir es vielleicht erneuern müssen.“
Erfolg bringt neue Herausforderungen
Neben der Debatte über das Format sieht Hearn eine weitere Folge des enormen Wachstums, das der Dartsport in den vergangenen Jahren erlebt hat. Durch die stark gestiegenen Preisgelder sind Topspieler immer weniger von jedem einzelnen Turnier abhängig. „Wenn der Ticketverkauf derart enorme Beträge einbringt, ist das ein riesiger Bestandteil der Einnahmen des Dartsports.“
Laut Hearn befindet sich der Sport dadurch in hervorragender Verfassung. „Der Dartsport befindet sich derzeit an einem großartigen Punkt.“ Das bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich. „Was ich jetzt sehe, ist eigentlich unglaublich. Die Spieler verdienen zu viel Geld.“
Damit meint er nicht, dass die Preisgelder sinken sollten, sondern dass sich Topspieler immer häufiger den Luxus leisten können, Turniere auszulassen. „Das erkennt man daran, dass Spieler plötzlich sagen: ‚Das lasse ich aus, das auch und das auch.‘“
Früher sei das laut Hearn undenkbar gewesen. „Früher wollten alle eher mehr Turniere spielen, weil jeder so gern Geld verdienen wollte.“
‚Sie planen ihre Saison wie Golfer‘
Da die Preisgelder deutlich gestiegen sind, beobachtet Hearn eine Entwicklung, die er mit anderen Spitzensportarten vergleicht. „Das Preisgeld ist enorm nach oben gegangen, und das ist auch völlig gerechtfertigt.“
Dadurch treffen Spieler heute bewusste Entscheidungen. „Sie machen im Grunde dasselbe wie Golfer. Sie planen ihre Saison.“ Als Beispiel nennt er den amtierenden Weltmeister Luke Littler. „Luke Littler sagt: ‚Ich will dieses Jahr nicht nach Australien oder Neuseeland. Ich nehme mir eine Auszeit, weil ich Urlaub machen und danach wieder frisch sein möchte.‘“
Laut Hearn ist das vielmehr ein Zeichen dafür, dass der Dartsport erwachsen geworden ist. „Ich sehe das als ein riesiges Kompliment.“ Zugleich räumt er ein, dass die PDC dadurch vor neue Fragestellungen gestellt wird. „Ja, das macht es herausfordernder, aber genau dafür sind wir da. Wir müssen Lösungen finden.“