„Jetzt ist es im Grunde eine goldene Chance aufs Finale“ – Van der Voort sieht Möglichkeiten für den Sieger des Duells Nijman gegen Van Veen nach Humphries’ frühem Aus

PDC
Mittwoch, 22 Juli 2026 um 15:30
Wessel Nijman & Gian van Veen (1)
Die zweite Runde des World Matchplay bietet am Mittwochabend ein bemerkenswertes rein niederländisches Duell. Wessel Nijman und Gian van Veen kämpfen in Blackpool um einen Platz im Viertelfinale. Laut Vincent van der Voort ist Nijmans aktuelle Form ausschlaggebend, zugleich warnt er jedoch, Van Veen dürfe keinesfalls unterschätzt werden.
Im Podcast Darts Draait Door sprachen Van der Voort und Moderator Damian Vlottes ausführlich über das mit Spannung erwartete Aufeinandertreffen der derzeit größten niederländischen Talente. Der Ex-Profi sieht Nijman aktuell als Favoriten, betont jedoch, dass der Abstand zwischen beiden kleiner sei, als viele denken.
Das überraschende Ausscheiden von Luke Humphries hat die Auslosung weit geöffnet. Van der Voort ist überzeugt, dass sich dadurch auch Nijmans Perspektive verändert.
„Ich räume Wessel jetzt wirklich sehr gute Chancen ein“, sagt er. „Humphries ist natürlich immer noch einen Schritt besser als Nijman, vor allem, wenn es in einem Halbfinale richtig zählt. Jetzt denke ich, dass er schlichtweg den Draw hat, um das Finale zu erreichen.“
Dass Gerwyn Price bei seinem früheren Auftritt nicht sein Topniveau traf, eröffnet nach Ansicht von Van der Voort ebenfalls zusätzliche Möglichkeiten. „Das macht ein wenig Hoffnung. Und außerdem hat Wessel bereits gezeigt, dass er Price schlagen kann. Er hat dieses European-Tour-Finale gegen ihn gewonnen. Also weiß er, dass er diesem Level sehr nahe ist.“

„Jetzt ist es im Grunde eine goldene Chance aufs Finale“

Dennoch will Van der Voort nicht vorgreifen. Wo zuvor über einen idealen Weg ins Halbfinale gesprochen wurde, bewertet er die Lage nun anders.
„Wie die Überschrift des vorherigen Podcasts lautete: eine goldene Chance aufs Halbfinale für Nijman. Jetzt ist es im Grunde eine goldene Chance aufs Finale.“
Er schiebt jedoch sofort eine Einschränkung hinterher. „Nur schauen wir natürlich jetzt sehr weit voraus. Zuerst muss er noch Gian van Veen schlagen und dann vielleicht auch noch an James Wade vorbei. Das ist wirklich nicht so einfach.“
Van der Voort weist anschließend darauf hin, dass Wade im vergangenen Jahr für Nijman deutlich zu stark war. „Letztes Jahr hat er gegen Wade verloren und Wade war fantastisch. Und er kann auch einfach gegen Van Veen verlieren. Es ist ja nicht so, dass Gian plötzlich nicht mehr spielen kann.“
Obwohl der Fokus in den vergangenen Monaten vor allem auf Nijmans beeindruckendem Aufstieg lag, findet Van der Voort, dass Van Veens Ergebnisse dadurch teils untergehen. „Wir dürfen Gian van Veen, die Nummer drei der Welt, ganz sicher nicht kleinreden.“
Dennoch sieht er derzeit Nijman als Favoriten. „Ich denke, es ist ungefähr sechzig zu vierzig. Knapper als die anderen niederländischen Duelle, aber ich meine schon, dass Nijman wirklich der Favorit ist.“
Wessel Nijman jubelt.
Wessel Nijman der Favorit für das Double-Dutch-Duell heute Abend?
Das begründet Van der Voort vor allem mit der Form der vergangenen Monate und dem, was beide in Runde eins gezeigt haben. „Im Moment ist Nijman schlicht deutlich besser in Form. Er spielt mit Leichtigkeit, alles wirkt flüssiger, und derzeit scheint ihm einfach alles zu laufen.“
Van der Voort erkennt klare Unterschiede in ihren Entwicklungen. „Letztes Jahr war Gian in dieser Phase, in der alles wie von selbst zu kommen schien. Jetzt ist das im Grunde bei Wessel der Fall.“
Dennoch weiß Van der Voort, dass ein Van Veen in Topform ein äußerst gefährlicher Gegner bleibt. „Wenn Gian dranbleibt und zwischen 97 und 100 im Average spielt, dann muss Wessel wirklich hart arbeiten, um ihn zu schlagen. Er muss auch auf die Doppel scharf sein und in den richtigen Momenten die richtigen Entscheidungen treffen. Aber wenn man jetzt eine Prognose abgeben muss, kann man eigentlich nicht an Wessel vorbeischauen. Er ist derzeit schlicht der bessere Spieler.“
Obwohl Nijman das jüngste Duell überzeugend gewann, merkt Van der Voort an, dass der direkte Vergleich insgesamt eigentlich für Van Veen spricht. „Das letzte Mal trafen sie im März aufeinander. Nijman gewann damals mit einem 113er Average. Das passt perfekt zu der Form, die er in diesem Jahr hat.“
Wessel Nijman und Gian van Veen umarmen sich auf der Bühne.
Das frühe Aus von Humphries hat den Weg ins Halbfinale, möglicherweise sogar ins Finale, für Van Veen und Nijman geöffnet.

Rivalität, die den niederländischen Dartsport jahrelang prägen könnte

Van der Voort erwartet zudem, dass diese direkten Duelle über Jahre hinweg zu einem festen Bestandteil der größten Turniere werden. „Auf dem Papier ist das schlicht die Zukunft. Wir werden diese beiden sehr lange gegeneinander sehen.“
Über einen langen Zeitraum, sagt er, hatte Van Veen klar die Oberhand. „Über eine sehr lange Phase war Gian einfach immer besser. Nur beim letzten Mal war Nijman der stärkere Spieler.“ Das macht das Aufeinandertreffen seiner Ansicht nach umso reizvoller. „Es wird ein Kracher am Mittwoch.“
Abseits der sportlichen Bedeutung spielt laut Vlottes auch die persönliche Rivalität eine Rolle. „Beide sind gegeneinander extra motiviert. Das ist etwas anderes, als gegen jemand anderen zu spielen.“
Van der Voort stimmt voll zu. „Ein Landsmann ist ohnehin etwas anderes. Aber in diesem Fall sind sie auch gleich alt. Das fließt alles mit ein.“ Er ist überzeugt, dass beiden Spielern bewusst ist, wie wichtig dieses Match sein könnte. „Beide wissen, dass das ein wichtiges Spiel ist.“
Während Nijman derzeit Selbstvertrauen ausstrahlt, sieht Van der Voort diese Partie als möglichen Wendepunkt für Van Veen. „Für Gian wäre es gerade jetzt besonders schön zu gewinnen, weil momentan so viel über Wessel gesprochen wird.“
Ein Sieg, sagt er, bedeute weit mehr als nur einen Platz im Viertelfinale. „Das könnte auch das Spiel sein, das ihn wieder voll auf Kurs bringt und zurück zu seinem allerbesten Niveau.“
Deshalb nennt Van der Voort das Duell sogar eines der wichtigsten Spiele in Van Veens Saison. „Wenn er dieses wirklich stark spielt, geht er mit enormem Selbstvertrauen in die nächste Partie. Es könnte genau der Moment sein, an dem er es wieder dreht. Vielleicht wird es sogar ein Schlüsselspiel für sein gesamtes Jahr.“
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