„Wenn ich ein paar schwache Monate habe, werde ich sofort abgeschrieben“: Humphries meldet sich vor den Play-offs eindrucksvoll zurück

PDC
durch Nic Gayer
Samstag, 16 Mai 2026 um 10:00
Luke Humphries (1)
Luke Humphries hat den 15. Spieltag der Premier League Darts in Birmingham gewonnen und damit pünktlich vor dem Saisonshowdown in den Play-offs seine Form wiedergefunden. Der Engländer, der in den vergangenen Wochen unter Druck stand und immer wieder diskutiert wurde, sprach auf der anschließenden Pressekonferenz offen über seine Formdelle, mentale Widerstandskraft und seinen Weg zurück an die Spitze.
Für Humphries fühlte sich der Erfolg in Birmingham vor allem wie eine Befreiung an. „Ehrlich gesagt vor allem Erleichterung“, sagte er gegenüber Online Darts und andere Medien. „Es war eine seltsame Saison für mich. Mal war es da, dann wieder nicht. In den letzten drei Wochen war das Spiel gut, aber ich habe die Spiele knapp nicht zugemacht.“

„Gerade deshalb bin ich stolz, dass ich weitergekämpft habe“

Der Titelverteidiger gab zu, dass er lange damit haderte, starke Leistungen und hohe Durchschnitte nicht konsequent in Ergebnisse ummünzen zu können. „Die Leistungen waren da, aber es lief nicht für mich. Es war ein etwas merkwürdiges Gefühl. Gerade deshalb bin ich stolz, dass ich weitergekämpft habe.“
Luke Humphries hat sich mit seinem Sieg in Birmingham eindrucksvoll zurückgemeldet und blickt mit neuem Selbstvertrauen auf die Premier-League-Play-offs
Luke Humphries hat sich mit seinem Sieg in Birmingham eindrucksvoll zurückgemeldet und blickt mit neuem Selbstvertrauen auf die Premier-League-Play-offs
Im Halbfinale gegen Luke Littler geriet Humphries schnell mit 0:3 in Rückstand. Doch statt sich dem Druck zu beugen, kämpfte er sich eindrucksvoll zurück und gewann schließlich mit 6:3 – ein Moment, der nach eigener Aussage den weiteren Verlauf des Abends entscheidend prägte. „Man muss alles Spiel für Spiel betrachten“, erklärte er. „Das Match gegen Stephen Bunting war schon wichtig, denn wenn du das verlierst, hängt plötzlich alles von anderen Ergebnissen ab.“
Sein Comeback gegen Littler beschrieb Humphries als den Augenblick, in dem der Abend kippte. „Als ich zurücklag, wusste ich, dass es schnell vorbei sein konnte. Aber ich blieb dran. Gegen Luke Littler musst du konstant dein Bestes abrufen. Er ist der beste Spieler der Welt, und wenn du ihn schlagen willst, musst du wirklich top spielen.“
Dabei ging es für Humphries nicht allein um spielerische Qualität, sondern auch um Timing und mentale Schärfe in den entscheidenden Momenten. „Die letzten Legs sind pures Adrenalin. Da gehst du manchmal einen Tick zu hart rein oder wirst zu vorsichtig. Gegen jemanden wie Luke wirst du sofort bestraft“, sagte Humphries.

„Wenn ich ein paar schwache Monate habe, werde ich sofort abgeschrieben“

Trotz seines Sieges und starker Averages in der Premier League fühlte sich Humphries in den vergangenen Wochen von außen häufig unterschätzt. „Wenn ich ein paar schwache Monate habe, werde ich sofort abgeschrieben. Aber es ist schön abgeschrieben zu werden – denn ich komme immer stärker zurück.“
Humphries verwies darauf, dass seine Zahlen belegen, wie konstant hoch sein Niveau weiterhin ist. „Über die letzten drei Wochen liege ich bei rund 103 im Average, über die ganze Saison bei ungefähr 100. Das ist Topniveau. Nur meine Doppel waren kurzzeitig nicht gut, und das kostet dich Matches.“
Genau dieser Bereich sei in den vorherigen Wochen der Unterschied zwischen Niederlage und Sieg gewesen. „In den letzten Wochen laufen die Doppel besser, und dann siehst du sofort den Unterschied in den Ergebnissen.“
Auch die mentale Seite seines Spiels sprach Humphries offen an – und damit die Frage, wie er mit Kritik, Druck und Zweifeln von außen umgeht. „Solche Stimmen musst du einfach ausblenden. Ich schaue vor allem auf mich. Habe ich diesen Hunger noch? Habe ich diesen Kampfgeist?“
Für Humphries ist genau diese Haltung der Grund, warum er wieder in die Spur gefunden hat. „Das trennt die Guten von den echten Topspielern. Du brauchst diesen kleinen ‚Köter‘ in dir, um weiterzukämpfen, wenn es schwierig wird. Und den habe ich wiedergefunden.“
Mit dem Triumph in Birmingham hat sich Humphries endgültig für die Play-offs in London qualifiziert. Nun stellt sich nur noch die Frage, ob er die Ligaphase als Dritter oder Vierter beendet – und damit, welche Halbfinalpaarung auf ihn wartet. Humphries selbst lässt das weitgehend kalt. „Ob ich ihm im Halbfinale oder Finale begegne, ist mir nicht so wichtig“, sagte er über ein mögliches Duell mit Luke Littler. „Jeder weiß, dass diese Spiele immer groß sind. Es ist immer ein Topspiel.“
Gleichzeitig betonte er, wie außergewöhnlich stark das Feld in der Premier League in diesem Jahr besetzt ist. „Die Top Vier sind im Moment einfach die vier besten Spieler der Welt. Das macht es nur noch schöner.“

„Wenn es wirklich darauf ankommt, komme ich immer zurück“

Humphries sprach zudem über die ständige Medienaufmerksamkeit und die Kritik, die im Spitzensport besonders dann lauter wird, wenn die Ergebnisse ausbleiben. „Das gehört dazu. Jeder hat damit zu tun. Wenn du nicht gut spielst, wirst du kritisiert. So einfach ist das.“
Dennoch habe er inzwischen gelernt, diesen Druck nicht als Belastung, sondern als Antrieb zu nutzen. „Es ist nichts Persönliches. Es ist Sport. Und ich habe in meiner Karriere schon öfter gezeigt, dass ich zurückkommen kann.“
Dabei verwies Humphries auf frühere große Titel und Situationen, in denen er ebenfalls unter erheblichem Druck gestanden hatte. „Wenn es wirklich darauf ankommt, komme ich immer zurück. Das habe ich mir inzwischen bewiesen.“
Ein wichtiger Bestandteil seiner Entwicklung liegt für Humphries auch abseits des Oches. Nach einer Phase, in der er seine Lebensweise selbstkritisch hinterfragte, hat er nach eigener Aussage konkrete Veränderungen vorgenommen. „Ich habe meinen Ansatz verändert. Ich habe mir ein Home-Gym eingerichtet, trainiere mehr und achte besser auf meine Ernährung.“
Das Ziel ist klar: Humphries will zurück auf jenes Niveau, auf dem er sich vor einigen Jahren sah – oder sogar darüber hinaus. „Es geht um Disziplin. Mehr Hingabe als früher. Das macht am Ende auf diesem Niveau den Unterschied.“

„Wir verstehen uns gut“

Auch auf den World Cup of Darts 2026 blickte Humphries voraus, bei dem er erneut gemeinsam mit Luke Littler für England antreten wird. Trotz der großen Erwartungen von außen sieht er die Zusammenarbeit mit seinem Landsmann als stabil und vertrauensvoll. „Manchmal denken die Leute, es gäbe Druck oder Probleme, aber das stimmt nicht. Wir verstehen uns gut.“
Die Enttäuschung des vergangenen Turniers habe den beiden sogar zusätzliche Motivation gegeben. „Letztes Jahr war schwierig. Wir haben gemeinsam darüber gesprochen. Vielleicht haben wir den Moment ein bisschen zu groß gemacht.“
In diesem Jahr wollen Humphries und Littler die Aufgabe anders angehen. „Kein Stress wegen Timing oder Routinen. Jeder bleibt bei seiner eigenen Vorbereitung, aber gemeinsam stark als Team.“
Zum Abschluss sprach Humphries über die größere Bedeutung seiner früheren Offenheit im Umgang mit mentaler Gesundheit. Er betonte, dass ihn diese Erfahrungen sowohl als Spieler als auch als Mensch geprägt haben. „Was ich erlebt habe, hat mich mental stärker gemacht. Ich sage nicht, dass ich froh bin, dass es passiert ist, aber es hat mir geholfen zu wachsen.“
Aus seiner Sicht ist es wichtig, dass Spitzensportler solche Themen offen ansprechen. „Wenn ich jemanden inspirieren kann, dranzubleiben, ist das vielleicht wichtiger als jeder Titel.“
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