In der Sport1-Sendung Madhouse analysierten Kommentator Basti Schwele und Experte
Robert Marijanovic die jüngsten Erfolge der deutschen Spieler auf der Pro Tour. Dreimal in Folge stand ein Deutscher im Halbfinale eines Players Championship Turniers, dazu kam der Finaleinzug von Max Hopp. Für beide ist klar: Das deutsche Dartsjahr nimmt langsam Fahrt auf.
Nachdem zunächst über Michael van Gerwen und dessen unglaublichen 122er Average bei Players Championship 15 gesprochen wurde, richtete sich der Fokus schnell auf die deutschen Spieler. „Bei allem Hype um Michael van Gerwen – Schindi spielt 108 und verliert 0:7 gegen ihn. Die letzten zwei Wochen waren sehr gut für die deutschen Spieler“, betonte Schwele.
„Das Jahr der Deutschen“
Marijanovic stimmte sofort zu. „Ja, es war sehr gut. Schindler haben wir schon angesprochen mit dem Halbfinale, Springer Halbfinale, Clemens Viertelfinale. Es rollt langsam an für die deutschen Spieler.“ Schwele erinnerte zusätzlich an den Finaleinzug von Hopp in der Woche zuvor. „Es ist aktuell wirklich gut. Auch Leon Weber sei mal kurz erwähnt. Er ist gerade ganz knapp an den WM-Startplätzen dran. Wenn er noch ein paar gute Ergebnisse einfährt, wird auch er seine erste WM spielen. Es könnte wirklich das Jahr der Deutschen werden.“
„Es klingt gut“, führte Marijanovic weiter aus. „Es waren jetzt drei deutsche Spieler in Folge im Halbfinale bei Players Championships. Das finde ich super.“ Gleichzeitig wollte er die Entwicklung aber realistisch einordnen. „Bei 15 Tourcardholdern ist die Kritik natürlich weiterhin da, weil die ganz großen Ergebnisse noch fehlen. Aber wir müssen auch mal über den Tellerrand schauen.“
Dabei verwies er auf die enorme internationale Konkurrenz. „Die Engländer sind brutal, die Niederländer sind brutal. Joe Hunt, die Nummer eins der Challenge Tour, rückt immer wieder bei Players Championships nach und hat jetzt sogar Michael van Gerwen am Tag nach seinem Titel besiegt. Wir haben eine Menge Potenzial, aber die anderen holen eben auch auf.“
Geschwächtes Teilnehmerfeld genutzt
Schwele wollte anschließend wissen, warum die letzten beiden Wochen aus deutscher Sicht plötzlich deutlich erfolgreicher verliefen. Schließlich waren die Ergebnisse der deutschen Spieler auf dem Floor zuvor eher überschaubar.
„Ohne die Leistungen schmälern zu wollen, hatten wir natürlich auch viele Absagen von Premier-League-Spielern“, erklärte Marijanovic. „Bei den letzten Turnieren waren sieben von acht Premier-League-Spielern nicht dabei, teilweise gab es bis zu 17 Absagen. Das macht das Feld natürlich offener.“ Dennoch sei es aus deutscher Sicht positiv, wenn diese Chancen genutzt würden. „Dann ist es natürlich super, wenn ein Deutscher in diese Lücke stößt und sie füllt. Aber es wird nicht immer so bleiben, deshalb ist dranbleiben ganz wichtig.“
Auf dem Weg ins Halbfinale von Players Championship 15 spielte Martin Schindler unter anderem einen Average von über 113 Punkten
Besonders wichtig sei laut Marijanovic auch der Zusammenhalt unter den deutschen Spielern. „Ich hoffe, dass jetzt wieder ein Spirit unter den Deutschen entsteht. Viele unterhalten sich, trainieren zusammen oder fahren gemeinsam zu den Turnieren. Zumal will natürlich jeder mal mit Gabriel Clemens im Auto fahren und schauen, ob er das überlebt“, sagte Marijanovic scherzhaft.
Schwele fragte sofort nach, ob Clemens denn ein schlechter Autofahrer sei. Das wies Marijanovic direkt zurück. „Er fährt wirklich sehr, sehr gut – gerade im Linksverkehr sowieso.“ Dort sei Clemens sogar „führend im Linksfahren“.
Im weiteren Verlauf sprach Marijanovic auch über die Konkurrenzsituation innerhalb des deutschen Dartsports. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir zwischenzeitlich ein bisschen stagnieren. Deshalb ist Konkurrenz untereinander extrem wichtig.“ Dabei betonte er, dass es trotz guter Beziehungen keineswegs immer harmonisch zugehe. „Das ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen – ganz im Gegenteil. Man ist Gegner am Board, es gibt deutsche Duelle und jeder will gewinnen. Aber genau das spornt dich an.“
Zum Abschluss hob Schwele noch einmal hervor, dass die jüngsten Erfolge auf mehrere Schultern verteilt seien. „Das Schöne ist ja auch, dass wir vier unterschiedliche Namen bei diesen Halbfinals und Finals haben. Step by step ist immer wieder jemand dabei. Das sieht aktuell echt gut aus, was die Deutschen auf dem Floor machen.“