DISKUSSION | Players Championship 15 und 16: Schindler glänzt, Springer überzeugt – der Wendepunkt für Darts-Deutschland?

PDC
durch Nic Gayer
Donnerstag, 14 Mai 2026 um 16:15
Schindler_Springer
Für van Gerwen war es der erste Pro-Tour-Erfolg seit Oktober 2024 – ein wichtiger Befreiungsschlag für den Niederländer. Gilding hingegen feierte sogar seinen allerersten Titel auf der Pro Tour. Eine bemerkenswerte Statistik für einen Spieler, der bereits einen Major-Triumph in seiner Karriere vorweisen kann. Entsprechend positiv wurde der Erfolg des Duos aufgenommen.

Zwischen Hoffnung und Fragezeichen bei van Gerwen

Dennoch bleibt bei van Gerwen die Frage offen, wie nachhaltig dieser Erfolg tatsächlich ist. Bereits am folgenden Tag schied „Mighty Mike“ in Runde eins überraschend gegen Joe Hunt aus, den aktuellen Spitzenreiter der Challenge Tour.
Gerade diese extremen Schwankungen prägen derzeit die Situation der „Green Machine“. Starke Auftritte wechseln sich immer wieder mit enttäuschenden Ergebnissen ab, während van Gerwen darum kämpft, dauerhaft wieder zur absoluten Weltspitze zu gehören. Umso spannender wird nun sein, ob der Turniersieg in Leicester tatsächlich die Grundlage für eine konstante Formsteigerung sein kann.
Auch bei Andrew Gilding sorgt der Erfolg für Diskussionen. Viele Beobachter sehen den Titelgewinn als längst überfällig an. Nun stellt sich die Frage, ob „Goldfinger“ damit womöglich den Startschuss für eine noch erfolgreichere Phase seiner Karriere gesetzt hat.
Darüber hinaus wurde erneut intensiv über das enorme spielerische Niveau auf der ProTour gesprochen. Besonders van Gerwens Average von 122 sorgte für Aufsehen. Ebenso standen die starken Auftritte von Stephen Bunting und Niko Springer im Fokus.
Angesichts dieser beeindruckenden Leistungen wird zugleich weiter diskutiert, welche Bedeutung die großen Namen überhaupt noch für die Ranglistenturniere haben. Denn obwohl zahlreiche Topstars weiterhin auf einzelne Events verzichten, bleibt das Niveau außergewöhnlich hoch.

Nicolas Gayer (DartsNews.DE)

Nach Wochen der sportlichen Enttäuschung war dieser Players-Championship-Block wohl das bisherige Highlight des deutschen Darts-Jahres. Auch wenn die Breite an Ergebnissen weiterhin fehlt, waren es vor allem die Leistungen und Resultate in der Spitze, die in Leicester überzeugten.
Angeführt wurde dieser sportliche Befreiungsschlag von Martin Schindler, der bei Players Championship 15 erstmals in dieser Saison wirklich sein Topniveau abrufen konnte. Nach zwei starken Auftaktsiegen setzte die deutsche Nummer eins mit seinem 6:2-Erfolg inklusive 113,79er-Average gegen Darius Labanauskas im Boardfinale ein echtes Ausrufezeichen. Noch beeindruckender war für mich persönlich allerdings Schindlers Leistung gegen Floor-Dominator Wessel Nijman, bei der er dem permanenten Druck des Niederländers souverän standhielt und mit einem weiteren 105er-Average ins Viertelfinale einzog. Dort gelang Schindler schließlich auch der Sprung ins Halbfinale, wo er kurioserweise trotz eines 108er-Averages mit 0:7 gegen Michael van Gerwen unterlag.
Bei Players Championship 16 am Mittwoch durfte Darts-Deutschland direkt das nächste Spitzenergebnis bejubeln: Niko Springer, der sich bereits am Vortag mit einem 112er-Erstrundenaverage warmgespielt hatte, marschierte mit starken Leistungen bis ins Halbfinale, wo er sich Jonny Clayton erst im Decider geschlagen geben musste. Auch Gabriel Clemens, der das Viertelfinale erreichte, konnte endlich wieder an seinen starken Saisonstart anknüpfen.
Niko Springer überzeugte in Leicester mit starken Leistungen und erreichte bei Players Championship 16 das Halbfinale
Niko Springer überzeugte in Leicester mit starken Leistungen und erreichte bei Players Championship 16 das Halbfinale
Die Schlagzeilen der ProTour-Woche gehören trotz alledem natürlich Michael van Gerwen. Der erste Floor-Titel seit 19 Monaten, ein 122,34er-Average und ein unglaublicher Schnitt von über 108 Punkten über Achtel-, Viertel-, Halbfinale und Finale hinweg. Das war der beste Michael van Gerwen, den wir seit langer Zeit gesehen haben – die einzige Frage ist nun, ob dieser Titel dafür sorgen kann, dass wir diesen Mighty Mike künftig wieder häufiger erleben werden.
Einen Teil der Schlagzeilen beanspruchte selbstverständlich auch „Goldfinger“ Andrew Gilding, der sich nach unglaublichen 442 Turnierteilnahmen erstmals zum Players-Championship-Titelgewinner krönte. Mit 55 Jahren scheint Andrew Gilding tatsächlich einfach immer besser zu werden – und befindet sich für den Rest der Saison in sämtlichen Rankings und Qualifikationsrennen in einer hervorragenden Ausgangsposition.
Abschließend fand ich bemerkenswert, auf welch außergewöhnlichem Niveau Players Championship 15 gespielt wurde. Mit einem Gesamtaverage von über 93 Punkten und 45 100+-Averages war es eines der stärksten Floor-Turniere der jüngeren Vergangenheit. Und das, obwohl große Teile der Weltspitze abgesagt hatten. Darts wird eben zum Glück nicht auf dem Papier gespielt.

Samuel Gill (DartsNews.com)

Wo anders anfangen als bei einem gewissen Michael van Gerwen. Der niederländische Koloss lieferte im jüngsten Double-Header eine dringend benötigte Rückkehr in den Titelkampf ab, doch zu welchem Preis?
Van Gerwen zeigte eine seiner besten anhaltenden Glanzphasen, seit er zu schwächeln begann und nicht mehr die dominierende Kraft an der Spitze war, die er einst darstellte. MVG sagt seit langem, dass ihm die Premier League nicht besonders wichtig ist und dass Ranglisten-Turniere sein Hauptaugenmerk sind. Das natürlich auch, weil ihm eine Ranglisten-Talfahrt droht und er diese aufhalten will. Er hat Minehead zuvor schon verpasst, und dies hilft ihm dabei.
Dann schied er tags darauf aus, wenn auch gegen einen starken Akteur in Joe Hunt, der die Challenge Tour Rangliste dominiert. Das Problem ist jedoch, dass MVG diese Form nicht nachhaltig abrufen kann; es ist sehr oft ein verrückter Tag, wie wir ihn mit dem 122er-Average sahen, und danach folgt direkt eine ziemlich schwache Niederlage. Bekommt er das in den Griff, ist alles gut. Doch derzeit sind es sehr hohe Hochs und sehr tiefe Tiefs.

Michael van Gerwens Weg zum Titel

Runde Spieler 1 (Average) Ergebnis Spieler 2 (Average)
Finale Michael van Gerwen (106,57) 8–5 Dirk van Duijvenbode (101,86)
Halbfinale Michael van Gerwen (122,34) 7–0 Martin Schindler (108,78)
Viertelfinale Michael van Gerwen (102,47) 6–2 Beau Greaves (97,02)
Achtelfinale Michael van Gerwen (101,92) 6–4 Gian van Veen (86,36)
Letzte 32 Michael van Gerwen (96,97) 6–4 Ross Smith (90,21)
Letzte 64 Michael van Gerwen (89,68) 6–4 Adam Lipscombe (88,22)
Letzte 128 Michael van Gerwen (93,87) 6–4 Dennie Olde Kalter (89,26)
Und dann ist da Andrew Gilding, der einfach nicht verschwindet. Er gewann die UK Open aus dem Nichts, als die Favoriten des Establishments strauchelten, und hat nun auch hier für einen schönen Meilenstein gesorgt.
Ein Spieler, der in Wahrheit dem gängigen Bild eines Dartspielers widerspricht, und es ist auch gut, einmal einen Sieger zu sehen, der nicht Wessel Nijman oder Chris Dobey heißt. So stark sie auch sind, die ProTour ist in Abwesenheit der großen Namen zu ihrer Bühne geworden.
Zum Schluss noch ein Punkt zum Fernbleiben der großen Namen. Über 16 haben sich erneut gegen eine Teilnahme entschieden; es wird langsam zur Farce, und die PDC muss meiner Meinung nach eingreifen. Vor allem, wenn Spieler Ausstellungen diesen Events vorziehen. Entweder gibt man ihnen, wenn man sie bei den Jahresend-Finals dabeihaben will, eine Hintertür, oder man macht es verpflichtend. Ein Tennissystem könnte nötig sein.

Lucas Michael (DartsNews.com)

Es gibt nur einen Ausgangspunkt: Michael van Gerwen. Es ist erstaunlich, dass jemand mit seiner Klasse und Qualität fast zwei Jahre lang keinen Players Championship Titel geholt hat. Das erwies sich im vergangenen Jahr als kostspielig, da er einen Start in Minehead verpasste, aber am Dienstag war er ein Mann mit einer Mission. Dieser 122,34er-Average wird noch Jahre Gesprächsthema sein. Dass Martin Schindler über 108 im Schnitt spielte und nicht einmal auf ein Doppel werfen durfte, ist unfassbar.
Die Frage stellt sich bei van Gerwen immer wieder: Ist das nur eine Eintagsfliege? In den vergangenen Jahren hat er sein bestes Niveau phasenweise gezeigt, die Fans mit ein paar Euro Tour Titeln und dem World Series of Darts Triumph im letzten Jahr gekitzelt. Daraus hat er jedoch nie Kapital geschlagen. Da ein Play-off-Platz in der Premier League Darts noch nicht sicher ist, muss er seine Form aus Leicester auf der großen Bühne bestätigen, wenn er zu seinem Besten zurückkehren will und nicht erneut einen brillanten Dartstag zur Fehlanzeige macht.
Michael van Gerwen präsentierte sich in Leicester in Bestform und feierte seinen ersten Players-Championship-Titel seit 19 Monaten
Michael van Gerwen präsentierte sich in Leicester in Bestform und feierte seinen ersten Players-Championship-Titel seit 19 Monaten
Auch Premier-League-Kollege Stephen Bunting agiert nicht in überragender Form. Berühmt für seine enorme Konstanz auf dem Floor, hat sein Lauf seit dem Finaleinzug beim dritten Event nachgelassen. Vor den jüngsten Turnieren scheiterte er in sieben gespielten Wettbewerben jeweils spätestens in Runde vier. Ein Halbfinale bei PC 15, untermauert von einem Viertelfinale am Folgetag, bedeutet jedoch eine deutliche Rückkehr zur Form.
Bei PC16 endete sein Turnier gegen Niko Springer. Ein im Darts bekanntes Gesicht, aber nicht unbedingt auf dem Floor. In seinen ersten 49 Players-Championship-Events kam er nie über die vierte Runde hinaus. Beim 50. Event durchbrach der Deutsche mit einem Halbfinaleinzug diese Schallmauer. Bekannt für seine Auftritte auf der großen Bühne, hatte er mit der Anpassung an den Floor zu kämpfen. Das hat seine Chancen auf ein Debüt in Minehead nach dem Rückzug im Vorjahr erheblich gesteigert und verschafft ihm etwas Luft, falls seine schwache Floor-Form anhält. Gleichwohl könnte dies ein Wendepunkt für den 25-Jährigen sein.
Abschließend verdient Andrew Gildings zweiter PDC-Titel Anerkennung. Bislang stand nur der UK Open auf seiner Habenseite, „Goldfinger“ hatte einen sehr ungewöhnlichen Lebenslauf. Keine PC-Titel, keine Euro-Tour-Titel, aber ein Major-Triumph. Seine Durststrecke auf dem Floor ist vorbei. Im Finale war er gegen den formstarken Jonny Clayton nur Außenseiter, doch ein 99er-Average reichte für einen abgeklärten Auftritt, der Gilding zurück in den Winners’ Circle brachte. Mit einem zu verteidigenden World Matchplay-Viertelfinale ist es eine rechtzeitige Rückkehr zur Form für Gilding, der seinen Platz in Blackpool im Juli gefestigt hat.

Pieter Verbeek (DartsNieuws.com)

Es hat gedauert, aber Michael van Gerwen hat endlich seinen ersten Ranglistentitel der Saison geholt. In den vergangenen Wochen blitzte seine Topform bereits wieder auf, doch fehlende Konstanz verhinderte ernsthafte Titelangriffe. Beim Players Championship 15 fügten sich jedoch alle Puzzleteile zusammen, untermauert von seinem verblüffenden 122,34-Average im Halbfinale gegen Martin Schindler.
Anschließend besiegte Van Gerwen Dirk van Duijvenbode in einem niederländischen Finale mit 8:5, wobei „Aubergenius“ selbst nach einer schwierigen ProTour-Phase dringend einen tiefen Run brauchte.
Nur einen Tag später folgte jedoch eine überraschende Niederlage gegen Joe Hunt, einen Spieler ohne PDC Tour Card. In vielerlei Hinsicht passt das noch immer in das inkonstante Muster rund um „Mighty Mike“ zu diesem Zeitpunkt der Saison.
Andrew Gilding krönte sich nach 442 Turnierteilnahmen erstmals zum Sieger eines Players-Championship-Turniers
Andrew Gilding krönte sich nach 442 Turnierteilnahmen erstmals zum Sieger eines Players-Championship-Turniers
Am zweiten Tag ging der Titel an Andrew Gilding, der selbst leicht überrascht über seinen Triumph wirkte. „Goldfinger“ hatte 2023 mit dem Gewinn der UK Open bereits einen der größten Coups der jüngeren Darts-Geschichte gelandet, doch ein ProTour-Titel fehlte weiterhin im Lebenslauf.
Diese Lücke ist nun geschlossen, sodass Gilding 2026 voraussichtlich bei so gut wie allen großen TV-Turnieren dabei sein wird. Und das ist gewiss nichts Schlechtes, denn Kultfiguren sind auf dem Darts-Circuit immer eine Bereicherung.
Und Sie? Wie ist Ihre Meinung zur Players Championship? Sagen Sie uns in den Kommentaren, was Sie denken, und steigen Sie in die Diskussion ein.
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