Der ehemalige Profidarter Matt Edgar glaubt, dass pfeifende und buhende Zuschauer durchaus die „Achillesferse“ von
Luke Littler sein könnten. Dennoch erwartet er, dass sich das 19-jährige Phänomen problemlos für die Play-offs der Premier League Darts in London qualifiziert.
Pfeifkonzerte und Buhrufe setzen Littler zu
Littler erwischte einen etwas holprigen Start in die
Premier League-Kampagne. Nach vier Spielabenden liegt der amtierende Weltmeister auf Rang sieben und hat lediglich einen Viertelfinal-Sieg eingefahren. In Belfast unterlag er letzte Woche Jonny Clayton mit 3:6, in einer Partie, in der Teile des Publikums deutlich gegen ihn waren. Das Pfeifen und Buhen schien sichtbar Einfluss auf das Spiel des jungen Engländers zu haben.
Edgar sieht darin einen interessanten Ansatzpunkt. „Ich finde, dass manche sehr schnell sagen, Luke wirke unmotiviert“, sagt er. „Aber wir sind jetzt vier Wochen unterwegs und er hat erst ein Match gewonnen. Das darf man ruhig ansprechen. Wir sind so sehr an seine Dominanz gewöhnt, dass jede Niederlage sofort auffällt.“
Luke Littler hat in der Premier League Darts 2026 bislang erst ein Match gewonnen
Laut Edgar befindet sich Littler weiterhin in einem Lernprozess. Während er in England oft gefeiert wird, kippt die Stimmung in anderen Ländern regelmäßig. „Wir schauen auf Luke Littler und denken: Er ist perfekt, er ist unschlagbar. Aber vielleicht sehen wir hier in diesem Moment seiner Karriere eine Art Schwachstelle: Wie gehst du mit einem Publikum um, das nicht hinter dir steht? Das ist etwas anderes, als nur deine Darts zu werfen, und es wird für ihn definitiv eine Herausforderung sein, damit umzugehen.“
Vor allem in Deutschland weniger Erfolg
Auffällig ist, dass Littler relativ selten in Deutschland spielt. Er entscheidet sich regelmäßig dafür, die dortigen Euro Tour-Events auszulassen. Im vergangenen Jahr bestritt er nur ein deutsches Turnier: den German Darts Grand Prix, bei der er das Halbfinale erreichte. Auf anderen deutschen Bühnen hatte er jedoch weniger Erfolg. So kam er bei der EM in Dortmund noch nie über die zweite Runde hinaus.
Auch beim PDC World Cup of Darts in Frankfurt bekam er eine feindselige Atmosphäre zu spüren. In der Begegnung zwischen England und Deutschland wurde er ausgepfiffen und mit Pfeifkonzerten bedacht, während die Deutschen geschlossen hinter ihrem Team standen. England schied aus, und Littler wirkte sichtlich genervt von den Umständen.
Dennoch zweifelt Edgar keinen Moment an der Klasse des zehnfachen Major-Siegers. „Ich sehe kein Szenario, in dem er nicht in den Top Vier landet“, stellt er resolut klar. „Vielleicht verläuft der Weg dorthin anders, als wir vorher dachten, aber am Ende führt für ihn alles zu den Play-offs in der O2 Arena.“
Nach Ansicht des Ex-Profis ist das vielmehr ein logischer Teil seiner Entwicklung. „Er ist immer noch erst neunzehn. Solche Erfahrungen – in feindlicher Umgebung spielen, mit Druck und Erwartungen umgehen – gehören dazu. Wenn er auch das noch verinnerlicht, wird er nur noch kompletter.“
Morgen steht in Cardiff der fünfte Spieltag der Premier League Darts auf dem Programm. Littler trifft im Viertelfinale auf Josh Rock.