„Wir sitzen seit fünfzehn Jahren am selben Tisch auf der ProTour“ – Gute Freundschaft zwischen O'Connor und Mansell erweist sich als Erfolgsrezept beim World Cup of Darts
Irland beeindruckt weiterhin beim World Cup of Darts. William O'Connor und Mickey Mansell zogen am Samstag dank eines überzeugenden 8:5-Siegs gegen Polen ins Viertelfinale ein. Damit hielten die Iren ihr hervorragendes Turnier in Frankfurt am Leben und der Glaube wuchs, dass vielleicht etwas Besonderes möglich ist.
Dieser Glaube war unmittelbar spürbar, als die beiden erfahrenen Iren anschließend vor die Presse traten. O'Connor erschien mit einem breiten Lächeln, während Mansell sichtlich einen weiteren erfolgreichen Tag auf der Bühne genoss. „Siehst du dieses Lächeln?“, scherzte O'Connor. „Das sagt eigentlich alles, was du wissen musst. Wir stehen in der nächsten Runde, und eines weiß ich sicher: Du weißt nie, wie weit wir noch kommen können.“
Die Frage lag auf der Hand. Ist dies vielleicht die beste Chance, die Irland je hatte, um den World Cup of Darts zu gewinnen?
O'Connor antwortete ehrlich. „Ja und nein. Wir haben schon einmal ein Finale gespielt, und das lief nicht gerade so, wie wir es uns erhofft hatten. Aber natürlich haben wir eine Chance. Wenn wir beide am selben Tag unser bestes Niveau abrufen, ist alles möglich.“
Gleich fügte er eine wichtige Einschränkung hinzu. „Das gilt natürlich auch für andere Länder. Aber wir wissen, was wir können. Wir spielen schon lange genug in der Nähe des anderen und wir sind beide echte Kämpfer. Du musst uns ausschalten, denn wenn du das nicht tust, schalten wir dich aus.“
Dieser Kampfgeist zeigte sich auch gegen Polen. Obwohl Irland lange Zeit die Kontrolle hatte, kam das polnische Team wieder ins Match. Dennoch gerieten O'Connor und Mansell nie wirklich in Panik.
Im Gespräch mit Dartsnews.de und weiteren Medienvertretern auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zeigten sich O'Connor und Mansell bestens gelaunt.
„Wir sind in der nächsten Runde, Jungs“, sagte O'Connor. „Und ich sage euch eines: Man weiß nie, wie weit wir noch kommen können.“
Von der Gruppenphase in den Schlusstag
Für Mansell läuft das Turnier inzwischen genau nach Plan. Das erste Ziel war das Überstehen der Gruppenphase. Das gelang trotz einer knüppelharten Auslosung. „Wenn du ins Turnier startest, willst du zuerst aus der Gruppe kommen“, erklärte Mansell. „Danach schaust du auf den Sonntag, denn das ist der große Tag. Zum Glück sind wir jetzt in dieser Position. Genau da wollten wir stehen.“
Laut Mansell hat Irland bereits unter Beweis gestellt, was es draufhat, angesichts des Weges, den das Team gehen musste. „Ich kenne nicht alle Statistiken der anderen Spiele, aber ich habe das Gefühl, dass wir in unseren Partien wirklich durch die Mangel gedreht wurden. Aus Sicht der Auslosung war das wahrscheinlich das härteste Szenario, das man bekommen konnte. Da sind wir durchgekommen, und darüber sind wir sehr glücklich.“
Die Iren mussten in der Gruppenphase direkt voll ran, während einige Topnationen dank ihres gesetzten Status erst später ins Turnier einstiegen.
Auch wenn das Endergebnis letztlich komfortabel aussah, gab es im Match gegen Polen einen kniffligen Moment. Irland schien auf dem Weg zu einer klaren Führung, sah die Polen aber wieder herankommen.
Das sorgte im Nachgang für einen der amüsantesten Momente der Pressekonferenz. „Wir führten 5:2 zur Pause“, erzählte O'Connor mit breitem Grinsen. „Da sagte Mickey zu mir: Hier sitzen viele Leute, die viel Geld für ihr Ticket bezahlt haben. Wir müssen die Jungs doch ein bisschen zurück ins Match kommen lassen.“
Mansell brach in Gelächter aus, während O'Connor fortfuhr. „Ich sagte ihm, dass ich das eigentlich nicht wollte. Aber er blieb hartnäckig. Also sagte ich: Na gut, wir lassen sie noch einmal rankommen, aber danach müssen wir das Ding sauber nach Hause bringen. Und genau das haben wir getan.“
Lieber nicht gegen Schottland
Nach dem Sieg ging es natürlich auch um den möglichen Viertelfinalgegner. Zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, ob Schottland oder Norwegen der nächste Kontrahent sein würde.
Auf die Anmerkung, ein Duell mit Schottland würde wegen des verlorenen World-Cup-Finals 2019 zusätzliche Motivation liefern, reagierte O'Connor prompt. „Nein. Ich möchte gegen die Jungs eigentlich gar nicht spielen. Und ich denke, Mickey sieht das ganz genauso.“
Mansell konnte dem einiges abgewinnen. „Ich habe in diesem Finale nicht einmal mitgespielt“, sagte er lachend. „Ich höre immer alle sagen: ‚No Scotland, no party‘. Aber wir suchen kein Party, also ist es uns völlig recht, wenn Schottland nicht dabei ist.“
O'Connor ging noch einen Schritt weiter. „Finde du mal heraus, wer auf dem Papier den leichtesten Weg hat. Genau das wollen wir. Wir suchen nicht nach Ruhm. Wir suchen nach Siegen.“
Trotz des Humors zeigte Mansell großen Respekt vor dem Sieger aus dem Duell zwischen Schottland und Norwegen. „Darüber müssen wir jetzt noch nicht nachdenken. Sie müssen erst selbst gewinnen. Aber jeder, der den Sonntag erreicht, spielt gut. Das steht fest.“
Laut Mansell beweist das Erreichen des Schlusstags, dass ein Team seinen Platz verdient. „Wer es schafft, wird ohnehin viel Selbstvertrauen haben. Es wird ein hartes Match. Aber ehrlich gesagt erwarten wir nichts anderes. Das ist seit drei Tagen so.“
O'Connor und Mansell spielen in diesem Jahr erstmals gemeinsam für Irland beim World Cup of Darts.
O'Connor kritisch gegenüber dem Format
Einer der auffälligsten Passagen der Pressekonferenz kam von O'Connor, der ausführlich über den Vorteil der gesetzten Nationen sprach.
Der Ire betonte, dass er das Prinzip der Setzliste voll unterstützt, sieht jedoch, dass die Länder, die bereits ab der Gruppenphase ranmüssen, körperlich einen klaren Nachteil haben. „Die gesetzten Teams steigen frisch ein. Wir haben jetzt drei harte Tage hinter uns.“
Laut O'Connor geht es nicht nur um die Matches selbst, sondern auch um all die Begleitumstände. „Man spielt vielleicht nicht extrem viele Legs, aber alles, was dazugehört, kostet Energie. Die Vorbereitung, die Anspannung, das Warten, bis man auf die Bühne darf. Das spürt man nach zwei oder drei Tagen.“
Deshalb blickt er mit einer gewissen Portion Neid auf die Topnationen, die erst später einsteigen. „Wir schauen auf die Jungs, die frisch in ihr erstes Spiel gehen, und denken: So würde ich auch gern reinkommen. Wenn ich frisch in dieses Turnier starten könnte, hätte ich das Gefühl, ich könnte es gewinnen.“
Dennoch wollte O'Connor seine Aussagen nicht als Kritik an den gesetzten Nationen verstanden wissen. „Ich mache niemandem einen Vorwurf. Wäre ich in ihrer Position, wäre ich auch froh darüber. Aber die Jungs wissen selbst, wie es ist.“
Fünfzehn Jahre Freundschaft
Das vielleicht wichtigste Thema der Pressekonferenz war die Verbindung zwischen O'Connor und Mansell. Obwohl es als Duo ihre erste gemeinsame World Cup ist, fühlen sie sich keineswegs wie eine neue Kombination. „Freundschaft“, antwortete Mansell sofort, als er nach ihrer größten Stärke gefragt wurde.
Dem Nordiren zufolge gibt es kein anderes Duo auf der Profitour, das sich so lange und so gut kennt. „Egal, welches der 48 Teams du heranziehst. Wir sitzen seit fünfzehn Jahren am selben Tisch auf der ProTour. Woche für Woche.“
Dadurch kennen sie einander durch und durch. „Ich habe Willies Höhen und Tiefen miterlebt und er meine. Wir haben alles gesehen. Das ist keine oberflächliche Freundschaft. Wir gönnen einander wirklich das Beste.“