England Darts hat einen öffentlichen Spendenaufruf gestartet und warnt, dass die steigenden Rechtskosten im Zusammenhang mit einem laufenden Diskriminierungsverfahren die Finanzen des Verbands massiv belasten – und inzwischen sogar die Unterstützung der englischen Nationalteams gefährden.
In einer
kürzlich veröffentlichten Erklärung teilte England Darts mit, bereits rund 10.000 Pfund für die Verteidigung des Falls ausgegeben zu haben. Sollte es zu einem vollständigen Prozess kommen, rechnet die Organisation mit weiteren Kosten von etwa 45.000 Pfund. Der ehrenamtlich geführte Verband erklärt, die finanzielle Last beginne zunehmend Ressourcen von seiner Kernaufgabe abzuziehen: der Vertretung Englands im internationalen Dartsport.
Verband warnt vor existenziellen Folgen
England Darts erhält keine Fördermittel von Sport England oder der National Lottery. Stattdessen finanziert der Verband seine Männer-, Frauen-, Jungen- und Mädchenteams, die bei Welt-, Europa- und Britischen Meisterschaften antreten, ausschließlich über bescheidene Überschüsse aus nationalen Turnieren. Man erklärt, dass Umfang und Dauer des Verfahrens dieses Modell empfindlich gestört haben – weshalb man nun die breitere Darts-Community um Unterstützung bittet.
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht eine Diskriminierungsklage, die aus einer Entscheidung aus dem Jahr 2024 hervorging, der transgender Spielerin Samantha Lewis die Teilnahme an den
England Open zu verweigern. Der Streit umfasst zudem Aussagen über
Deta Hedman, eine langjährige Persönlichkeit innerhalb der Organisation mit mehreren offiziellen Funktionen. England Darts erklärt, man habe keine andere Wahl gehabt, als die Klage anzufechten. Die Angelegenheit bleibt ungeklärt – während die Kosten weiter steigen.
Der Verband betont, dass die finanzielle Belastung durch diesen Fall in seiner Geschichte beispiellos sei. Bereits jetzt seien Mittel, die eigentlich für die internationale Vertretung vorgesehen waren, in Rechtskosten geflossen. Im Spendenaufruf heißt es:
„Das Geld, das wir bereits investieren mussten, um unsere Situation zu verteidigen, ist das Geld der Mitglieder – und es hatte unmittelbare Auswirkungen auf unsere Fähigkeit, die International Teams zu unterstützen.“
England Darts erklärt weiter, das eigene Finanzmodell habe stets darauf basiert, begrenzte Turniereinnahmen direkt in die Nationalteams zurückfließen zu lassen, statt größere Rücklagen aufzubauen. Dieser Ansatz solle sicherstellen, dass internationale Nominierungen leistungsbasiert erfolgen. Man „glaube fest daran, dass die Vertretung Englands auf Fähigkeit und Verdiensten beruhen sollte – nicht auf finanziellen Mitteln“.
Nach Angaben des Verbands entstand der Rechtsstreit aus der Entscheidung, unter der eigenen „Zero-Tolerance“-Richtlinie gegenüber dem Missbrauch von Offiziellen – einschließlich Äußerungen in sozialen Medien – einen Start bei den
England Open zu verweigern. England Darts erklärt, diese Maßnahme sei „ausschließlich erfolgt, um Detas Ruf zu schützen und unser Bekenntnis zu einem respektvollen und fairen sportlichen Umfeld aufrechtzuerhalten“, und fügt hinzu, der Ausschluss habe „nichts mit Lewis’ Geschlechtsidentität zu tun“.
Zudem betont die Organisation, dass die betroffene Person zuvor noch nie an einem ihrer Turniere teilgenommen habe. „Dies war Lewis’ erster Versuch, an einem England-Darts-Event teilzunehmen“, heißt es. Die anschließende rechtliche Anfechtung habe keinen anderen Ausweg gelassen, als die eigene Position zu verteidigen. England Darts warnt, dass die Fortführung des Verfahrens nun „die Zukunft unseres Unternehmens in erheblichem Maße in seiner Existenz gefährdet“, sofern keine zusätzlichen Mittel erworben werden.
Gegenposition von Samantha Lewis und aktueller Stand des Verfahrens
Aus Sicht von Samantha Lewis stellte die verweigerte Teilnahme an den
England Open eine rechtswidrige Diskriminierung dar. Lewis reichte Klage wegen Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsumwandlung ein und machte zusätzlich eine Verletzung der Menschenrechte geltend. Sie hält daran fest, dass der Ausschluss nicht durch Verhaltensaspekte gerechtfertigt gewesen sei.
In öffentlichen Stellungnahmen nach dem Vorfall bezeichnete Lewis die Entscheidung als diskriminierend und argumentierte, die Verweigerung habe eine gleichberechtigte Teilnahme an einem England-Darts-Event verhindert. Die Klage stützt sich auf die Behauptung einer weniger günstigen Behandlung im Zusammenhang mit der Geschlechtsumwandlung – eine Position, die England Darts grundsätzlich bestreitet.
Das Verfahren läuft inzwischen seit mehr als einem Jahr und bleibt weiterhin ungeklärt. England Darts erklärt, bei einer ersten Anhörung im März 2025 seien dem Verband Kosten zugesprochen worden. Gleichzeitig teilt man mit, dass diese bislang nicht beigetrieben wurden und man beraten worden sei, ein Einzug sei unabhängig vom endgültigen Ausgang des Falls unwahrscheinlich.
Öffentlich zugängliche Informationen deuten darauf hin, dass die Angelegenheit nun für einen Prozess im Jahr 2026 terminiert ist. Beide Seiten streiten weiterhin über die Grundlage der ursprünglichen Entscheidung. England Darts beharrt darauf, dass die Maßnahme der Durchsetzung von Verhaltensstandards diente, während Lewis weiterhin argumentiert, der Ausschluss sei diskriminierender Natur gewesen.
Auswirkungen auf den englischen Amateur-Dartsport
Unabhängig vom Ausgang des Falls wirft die Causa bereits größere Fragen auf: etwa, wie langwierige Rechtsstreitigkeiten innerhalb ehrenamtlicher Strukturen aufgefangen werden sollen – Strukturen, auf denen nicht nur der englische Dartsport, sondern auch das System der World Darts Federation basiert.