Alex Williams setzte am Eröffnungsabend in Lakeside eines der stärksten Ausrufezeichen. Der Waliser drehte einen 0:2-Satzrückstand und bezwang
Romeo Grbavac bei dessen WDF Weltmeisterschafts-Debüt mit 3:2. Schon diese Aufholjagd beeindruckte – doch seine Worte nach dem Match klangen noch kraftvoller: Er trat mit echtem Ehrgeiz an und macht daraus kein Geheimnis.
Williams wusste, wie schwer die Aufgabe werden würde. Grbavac, der bereits WM-Erfahrung inklusive Ally Pally vorweisen kann, eröffnete mit einem 108er Average und legte im zweiten Satz ein 120er-Checkout nach. Der Kroate holte den Abschnitt mit 3:1 und zwang Williams damit in ein fast aussichtsloses 0:2 in einem Rennen bis zu drei gewonnenen Sätzen.
Der Moment der Wende
Doch Williams reagierte entschlossen. Er holte den dritten Satz mit 3:0 und gewann anschließend sechs der nächsten sieben Legs. Damit stellte er auf 2:2 und gab dem zuvor einseitigen Match eine völlig neue Dynamik. Im Entscheidungssatz lieferten sich beide ein offenes Duell, das erst im finalen Leg entschieden wurde. Beide vergaben Matchdarts – Williams hatte zuvor eine 144er-Kombination knapp verpasst –, doch der Waliser traf schließlich die Doppel 5 und vollendete sein Comeback.
Nach dem Spiel sprach Williams offen über die Mentalität, die ihn getragen hatte:
„Ich wusste, dass ich ein unglaublich schweres Los hatte“, erklärte er. „Romeo ist ein erfahrener Veteran – er hat das alles schon gesehen und geschafft. Zwei Sätze zurückzuliegen… Ich weiß nicht. Das ist einfach die Unverwüstlichkeit in mir. Ich will gewinnen. Ich will die ganze Sache gewinnen. Ich bin nicht hierher gekommen, um zu verlieren.“
Analyse eines zermürbenden Fünfsatzkampfs
Williams blieb trotz Triumph ehrlich und selbstkritisch. Er betonte, dass Chancen und Drucksituationen das Match bestimmten – und dass Grbavac erheblich zum intensiven Charakter des Spiels beitrug.
„Er hat mich in viele Legs reingelassen“, sagte Williams. „Ich habe viele 180er geworfen – keine Ahnung wie viele –, aber mein Scoring schwankte ein bisschen. Er hat ein paar Doppel verpasst, nicht viele, aber genug, um mich reinzulassen.“
Auch den Augenblick des entscheidenden Wurfs schilderte er sehr eindrücklich:
„Am Rand meines Sichtfelds sah ich ihn mit den Händen auf dem Tisch, als ich auf die 10 ging. Ich wusste, dass er durch war, und ich wusste, dass mein Dart sitzen würde. Ich bin einfach froh, dass er reinging.“
Duell mit Topgesetztem van Schie – Williams nimmt die Herausforderung an
Für seinen kämpferischen Auftritt belohnt sich Williams nun mit einem Zweitrundenduell gegen den topgesetzten Jimmy van Schie. Beide kennen sich gut und trainieren regelmäßig miteinander.
„Ich kenne Jimmy wirklich gut. Ein absolut netter Kerl“, sagte Williams. „Er wird einer der besten Spieler in der PDC sein, davon bin ich überzeugt. Aber ich habe dieses Spiel jetzt gewonnen – und ich komme morgen nicht hierher, um zu verlieren.“
Der Waliser ist sicher, dass seine Leistung gegen Grbavac ein echtes Spiegelbild seiner Fähigkeiten war.
„Natürlich glaube ich, dass ich ihn schlagen kann. Wird es ein harter Kampf? Natürlich wird es das. Wenn ich das mache, was ich heute gemacht habe… Ich glaube, ich brauche nur das Glück auf meiner Seite.“
Ein Debüt als klare Willensbekundung
Für seinen ersten Auftritt auf der Lakeside-Bühne wirkte Williams erstaunlich abgeklärt, selbst nach einem 0:2-Rückstand. Doch am deutlichsten blieb seine kompromisslose Haltung:
„Ich komme zu keinem Wettkampf, um zu verlieren“, betonte er – so direkt und entschlossen wie sein letztes Doppel.
Jimmy van Schie dürfte ein harter Prüfstein werden. Doch Williams hat sein Debüt genutzt, um zu zeigen, dass er nicht nur mithalten will – sondern angreifen.