Während eines vollen Medientags in London sprach Tom Brown, der relativ neue CEO der Nodor Group, dem Mutterunternehmen hinter den ikonischen Darts-Marken
Winmau und Red Dragon, mit
Online Darts. In einer Sportart, die sich derzeit in einer beispiellosen Wachstumsphase befindet, steht Brown an der Spitze von zwei Marken mit zusammen über einem Jahrhundert Geschichte. Seine Botschaft ist klar: Innovation, Qualität und Wachstum – und vor allem: Das ist erst der Anfang.
Eine Branche im Hyperwachstum
Brown ist im internationalen Geschäftsleben kein Unbekannter. Zuvor arbeitete er unter anderem bei TomTom und House of Fraser. Dennoch nennt er den Wechsel in die Dartswelt „fantastisch“. „Sport und Darts sind unglaublich spannend, um darin zu arbeiten“,
sagt er. „Wir haben bei Winmau und Red Dragon ein Team mit enorm viel Erfahrung und einer echten Siegermentalität. Kombiniert man das mit einem Sport, der exponentiell wächst, entsteht eine äußerst dynamische Umgebung.“
Dieses Wachstum ist nicht übertrieben. Darts ist im Vereinigten Königreich nach wie vor der reifste Markt, doch auch dort steigen Einschaltquoten, Teilnehmerzahlen und Verkäufe weiter. In Ländern wie Deutschland und den Niederlanden ist der Sport inzwischen tief verwurzelt, während Märkte wie die Vereinigten Staaten, Kanada, China und Australien laut Brown noch enormes Potenzial bieten. „Die UK ist ausgereift, wächst aber immer noch stark. In den USA und China sprechen wir über Millionen potenzieller Spieler. Wir sind vom Limit noch weit entfernt.“
Ein zehnjähriges Abkommen mit der PDC
Eine der wichtigsten Ankündigungen ist das neue zehnjährige Abkommen mit der PDC. In einem wettbewerbsintensiven Markt, in dem mehrere Hersteller gerne die offizielle Bühne für sich beanspruchen würden, ist ein solcher Langfristdeal ein starkes Signal. „Es war wichtig, aber auch gegenseitig“, erklärt Brown. „Unsere Winmau-Boards sind marktführend. Mit der
Einführung des Blade X bringen wir das bislang fortschrittlichste Board. Für die PDC war es, hoffe ich, eine logische Wahl.“
Laut Brown geht es nicht nur um Kommerz, sondern um gemeinsames Wachstum. Die komplette Entwicklungslinie – von der Jugend über die Junior Darts Corporation (JDC) bis an die professionelle Spitze – ist inzwischen fest verankert. „Wie in anderen Spitzensportarten sehen wir nun auch im Darts einen klaren Ausbildungsweg. Dieses System liefert Talent von Weltklasse.“
Blade X: technologische Evolution
Die Einführung des Blade X ist ohne Zweifel der technische Schwerpunkt. Winmau produziert seit dreißig Jahren Blade-Boards und veränderte damals den Standard im Sport. Mit dem Blade X wird diese Linie fortgeführt.
Was macht den Unterschied? Ein auffälliger Punkt ist die Entwicklung rund um längere Dartspitzen. Der Trend zur Personalisierung – längere, aggressivere Spitzen – erzeugt zusätzliche Belastung für das Board. Das Blade X ist mit einer Rückkonstruktion aus Hartholz und Fasern ausgestattet, die 13% länger sind als bei anderen Boards. Insgesamt enthält jedes Board 5,5 Millionen Fasern. „Diese zusätzliche Faserlänge sorgt dafür, dass längere Spitzen tief eindringen können, ohne strukturelle Schäden am Board zu verursachen“, so Brown. „Das bedeutet mehr Haltbarkeit und Zuverlässigkeit.“
Das Thema aggressive Spitzen ist aktuell. Obwohl die PDC Regeln verschärft hat, nutzen einige Spieler weiterhin extrem raue Spitzen. Laut Brown ist das mit dem Blade X eigentlich nicht nötig. „Spieler dürfen verwenden, was sie wollen, aber unsere Qualität macht es überflüssig.“
Die fünfjährige Garantie – in diesem Markt bemerkenswert lang – unterstreicht dieses Vertrauen. Normale Abnutzung ist selbstverständlich ausgenommen, doch Produktionsfehler werden ohne Diskussion behoben.
Winmau ist Titelsponsor der World Masters
Innovation: zuhören und vorausdenken
Winmau hat kürzlich auch Switch Points eingeführt, ein System, bei dem Spieler ihre Spitzen einfach wechseln können. In den sozialen Medien wurde sofort gefragt, wann dieses System breiter im Sortiment verfügbar sein wird. Brown ist deutlich: „Wir müssen liefern, was der Verbraucher will, aber auch das, von dem er noch nicht weiß, dass er es will.“
Er verweist auf die Philosophie der „marginal gains“: kleine Verbesserungen, die zusammen einen großen Unterschied machen. Wie im Radsport geht es im Darts um Details. Spieler experimentieren mit Flights, Barrels und Spitzen, um genau das Quäntchen mehr herauszuholen.
Im berühmten „Flight Room“ in Bridgend arbeiten Topspieler intensiv an ihrem Material. Namen wie Luke Humphries,
Michael van Gerwen, Gian van Veen und Jonny Clayton testen dort stundenlang verschiedene Konfigurationen.
Dass sogar Van Gerwen bereit ist, mit neuer Technologie zu experimentieren, sagt Kennern zufolge genug.
Die Kraft des World-Masters-Moments
Die Wiederbelebung der Winmau World Masters ist ein weiterer wichtiger Termin im Kalender. Das Turnier in klassischer Ausrichtung passt perfekt zum Hype nach der WM. „Rund um Oktober und November beginnt das Interesse zu steigen. Während der WM explodiert es. Die Leute kaufen ein Board, neue Darts, Zubehör. Dann ist es entscheidend, dass im Januar ein neuer Höhepunkt folgt, um dieses Momentum zu halten.“
Ein strategischer Schritt ist die Übernahme von Autodarts, aktiv in automatischen Scoringsystemen mit einer nachgewiesenen Genauigkeit von 99,2%. Brown sieht Technologie als Katalysator, vor allem für Jugendliche. „Mein siebenjähriger Sohn hat Schwierigkeiten mit dem Rechnen. Automatisches Scoring hilft. Zudem sehen wir, dass Darts immer häufiger Einzug in Schulen hält, als Hilfsmittel beim Rechnen und in der Mathematik.“
Hier streift Brown ein breiteres Phänomen: den sogenannten „Littler-Effekt“, in Anlehnung an
Luke Littler. Die junge Sensation hat eine neue Generation erschlossen. Wo vor zehn Jahren der Großteil der Spieler über dreißig war, liegt das Durchschnittsalter nun unter dieser Marke.
Diese jüngere Zielgruppe ist offener für Experimente und Personalisierung – genau dort setzen Winmau und Red Dragon an.
Weltweite Ambitionen
Intern spricht die Nodor Group von einer „aggressiven Roadmap“. Details bleiben vorerst intern, doch die Richtung ist klar: Innovation beschleunigen, Produktionskapazitäten ausbauen und international dort investieren, wo die Leidenschaft für das Produkt sichtbar ist.
Deutschland, die Niederlande und das Vereinigte Königreich bleiben Kernmärkte. Nordamerika wächst. Asien lockt. Australien und Kanada zeigen starke Bindung. „Wir gehen dorthin, wo die Leidenschaft ist“, sagt Brown nüchtern.
Auf die Frage, wo die Obergrenze des Sports liegt, muss Brown nicht lange überlegen. „Wir sind noch lange nicht am Ende. Intern sagen wir: Wir fangen gerade erst an.“