„Einfach zu kopieren, was wir aufgebaut haben, dafür habe ich weniger Respekt“ – Treibende Kraft hinter der JDC teilt gegen die Konkurrenz aus

JDC
durch Nic Gayer
Samstag, 14 März 2026 um 13:00
Steve-Brown
Die Dartswelt hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Während Nachwuchsspieler ihr Talent früher in kleinen Vereinsheimen oder Hinterzimmern von Kneipen unter Beweis stellten, trainieren sie heute in professionellen Akademien, treten in Livestreams auf und folgen einem klaren Entwicklungsweg in Richtung Weltspitze. Laut Ex-Profi Steve Brown, der heute als treibende Kraft der Junior Darts Corporation (JDC) fungiert, hat sich diese Entwicklung zuletzt enorm beschleunigt.
In einem ausführlichen Interview mit Online Darts sprach Brown offen über das rasante Wachstum des Jugenddarts, den Einfluss von Luke Littler, die zunehmende Konkurrenz innerhalb des Sports und seine eigene Rolle in dieser Entwicklung. Sein Fazit fällt eindeutig aus: Der Dartsport steht am Beginn einer neuen Ära.

Ein übervoller Darts-Kalender

Wer heute im Darts aktiv ist, hat kaum noch freie Wochenenden. Laut Brown gilt das sowohl für die Weltspitze als auch für Nachwuchsspieler. „Es ist wirklich unglaublich, wie voll der Kalender geworden ist“, sagte er. „Es gibt eigentlich kein freies Wochenende mehr. Ob bei der Elite oder im Jugendbereich, es passiert immer etwas.“
Das stellt einen deutlichen Unterschied zu der Situation vor zehn oder fünfzehn Jahren dar. Damals war Jugenddarts eine vergleichsweise kleine Nische innerhalb des Sports. Heute existieren überall Akademien, Ligen und Turniere. Für Brown bringt dieses Wachstum klare Vorteile – sowohl für junge Spieler als auch für den gesamten Sport.

Der Littler-Effekt

Obwohl sich der Jugendbereich bereits zuvor stark entwickelte, räumt Brown ein, dass ein Name den Prozess enorm beschleunigt hat: Luke Littler. Der junge Engländer schaffte auf höchstem Niveau einen sensationellen Durchbruch und bewies, dass ein Teenager sofort mit der Weltspitze mithalten kann.
Luke Littler gewann 2023 die JDC-Weltmeisterschaft – sein späterer Durchbruch beschleunigte laut Steve Brown den Boom im Jugenddarts zusätzlich
Luke Littler gewann 2023 die JDC-Weltmeisterschaft – sein späterer Durchbruch beschleunigte laut Steve Brown den Boom im Jugenddarts zusätzlich
„Was Luke geleistet hat, hat alles enorm beschleunigt“, erklärte Brown. „Wir waren bereits auf starkem Wachstumskurs, aber sein Erfolg hat dem Ganzen wirklich Turbo verliehen.“
Von diesem Effekt profitiert laut Brown nicht nur der Jugendbereich. „Wie man sagt: Eine steigende Flut hebt alle Boote. Die Popularität von Darts insgesamt ist enorm gewachsen.“

Von Kneipen zu Sportklubs

Eine weitere auffällige Entwicklung ist die zunehmende Integration von Darts in klassische Sportklubs. Während junge Spieler früher vor allem in Kneipen oder Sälen spielten, eröffnen heute Cricket-, Fußball- und Rugbyklubs eigene Dartsakademien.
„Früher hatten solche Klubs vielleicht ein- oder zweimal pro Woche geöffnet“, erklärte Brown. „Jetzt eröffnen sie echte Dartsakademien und sind an mehreren Abenden pro Woche voll.“
Diese Entwicklung verbessert nicht nur die Trainingsbedingungen, sondern sorgt auch für eine deutlich professionellere Talentförderung.

Die Kehrseite des Erfolgs

Das Wachstum bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich. Brown beobachtet, dass immer mehr Eltern ihre Kinder als potenzielle zukünftige Stars sehen – und damit zusätzlichen Druck erzeugen. Die Situation erinnert ihn stark an den Jugendfußball, in dem Eltern oft besonders ehrgeizig auftreten.
„Ich denke, dieser Druck entsteht teilweise von selbst“, sagte Brown. „Kinder sehen junge Spieler im Fernsehen und glauben, sie müssten im gleichen Alter dasselbe erreichen.“
Besonders häufig fällt dabei der Vergleich mit Luke Littler. „Viele junge Spieler schauen zu ihm und denken: Er war mit fünfzehn so gut, also muss ich das auch sein. Aber jeder geht sein eigenes Rennen.“
Brown betont daher, wie wichtig es ist, dass junge Spieler sich nicht ständig mit anderen vergleichen. „Manche Kinder sind mit zwölf fantastisch und mit vierzehn weniger gut. Das gehört zur Entwicklung.“

Eine jüngere Generation von Profis

Brown ist überzeugt, dass das Durchschnittsalter der Profispieler in den kommenden Jahren weiter sinken wird. Der Talentstrom sei schlicht zu groß.
„Die Talente reißen nicht ab“, sagte er. „Ich denke, Darts-Karrieren könnten in Zukunft kürzer werden als beispielsweise Fußballkarrieren.“
Der Grund dafür liegt in der begrenzten Zahl an Plätzen an der Spitze. Innerhalb der PDC besitzen derzeit nur 128 Spieler eine Tour Card.
Langfristig könnte das laut Brown zu Problemen führen. „Es könnte gut sein, dass eine riesige Gruppe von Spielern entsteht, die gut genug fürs Fernsehen sind, aber schlichtweg keinen Platz bekommen.“

Muss die PDC expandieren?

Diese Entwicklung wirft die Frage auf, ob die PDC in Zukunft mehr als die aktuellen 128 Tour Cards vergeben sollte. Brown hält diese Diskussion für durchaus berechtigt.
„Wenn ich im Vorstand der PDC säße, würde ich mir das definitiv ansehen“, erklärte er. „Sonst läufst du Gefahr, dass irgendwo eine neue Organisation entsteht, weil es so viel Talent gibt.“
Gleichzeitig betont er, dass es inzwischen mehr Möglichkeiten außerhalb der PDC gibt. Organisationen wie die World Darts Federation oder die Championship Darts Corporation eröffnen alternative Wege für Spieler.
„Man muss heute nicht zwingend bei der PDC sein, um eine Karriere zu haben“, sagte Brown.

Kampf um das Jugenddarts

Das starke Wachstum im Jugendbereich hat inzwischen auch Konkurrenz zwischen verschiedenen Organisationen ausgelöst. Laut Brown versuchen mehrere Parteien, sich ein Stück des Jugendmarkts zu sichern.
„Wir machen das seit fünfzehn Jahren“, sagte er über die JDC. „Manche Unternehmen versuchen jetzt, uns Akademien wegzunehmen, und das finde ich ehrlich gesagt nicht besonders angenehm.“
Trotzdem steht er Wettbewerb grundsätzlich positiv gegenüber. „Ich liebe Wettbewerb. Aber seid originell. Einfach zu kopieren, was wir aufgebaut haben, dafür habe ich weniger Respekt.“

Hangar 61 als neues Zentrum

Das Gespräch fand im Hangar 61 in Bristol statt – einem neuen Komplex, der speziell für Jugendturniere und Trainings geschaffen wurde. Die JDC suchte jahrelang nach einem geeigneten Standort.
„Wir haben seit fünf oder sechs Jahren nach einer eigenen Location gesucht“, erzählte Brown. „Unser alter Standort in Coventry wurde zu klein.“
Der neue Standort erwies sich als ideal: eine große Halle, nahe an der Autobahn, mit Hotels in der Umgebung und ausreichend Parkplätzen. Die JDC investierte erheblich in die Renovierung und schuf ein modernes Dartzentrum.
„Es ist eine Investition, aber eine gute. Das kann über Jahrzehnte die Heimat des Jugenddarts sein.“

Bühnenerfahrung für junge Spieler

Ein zentraler Bestandteil der Akademien ist die Möglichkeit, in Livestreams und vor Kameras zu spielen. Laut Brown ist diese Erfahrung entscheidend für die Entwicklung junger Talente.
Er erinnert sich, dass er selbst früher große Probleme mit Kameras hatte. „Auf dem Floor spielte ich großartig, aber sobald eine Kamera da war, wurde ich nervös“, erzählte er.
Deshalb erhalten Nachwuchsspieler heute früh Medientraining und Interviewerfahrung. Dadurch sind sie deutlich besser vorbereitet, wenn sie später die große Bühne erreichen.
Neben Luke Littler sieht Brown bereits weitere Talente auf dem Weg nach oben. Besonders hebt er Mitchell Lawrie hervor, den viele Beobachter als eines der größten Talente seiner Generation betrachten.
„Er ist eine völlig andere Persönlichkeit als Luke“, sagte Brown. „Aber er ist großartig für den Sport.“
Mitchell Lawrie ist die aktuelle Nummer eins der WDF-Weltrangliste
Mitchell Lawrie ist die aktuelle Nummer eins der WDF-Weltrangliste

Ein Talent mit Zukunft

Brown beschreibt Lawrie als Spieler mit starkem Charakter und einem stabilen Umfeld.
„Er ist populär, hat Charisma und kann fantastisch darten“, erklärte er. „Ich denke, er wird ein großer Name werden.“

Eine ungewisse Zukunft als Spieler

Auch wenn Brown heute vor allem als Funktionär arbeitet, war er selbst viele Jahre Profidarter. Gelegentlich greift er noch zu den Pfeilen, doch ein echtes Comeback hält er für eher unwahrscheinlich.
„Ich spiele vielleicht einmal pro Woche“, sagte er lachend. „Und manchmal verliere ich gegen Spieler, gegen die ich eigentlich nicht verlieren sollte.“
Ganz ausschließen möchte er eine Rückkehr dennoch nicht. „Wenn ich morgen alles verlieren würde, wäre ich sofort wieder auf der Tour.“
Brown ist sich bewusst, dass er seine eigene Karriere teilweise in den Hintergrund gestellt hat, um die JDC aufzubauen.
„Ich habe wahrscheinlich nicht mein volles Potenzial ausgeschöpft“, sagte er. „Aber ich bereue es nicht.“
Sein Fokus liegt heute vollständig auf der Zukunft des Jugenddarts. Und nach seiner Einschätzung steht der Sport erst am Anfang seines größten Wachstums.
„Die Talente kommen weiterhin nach“, erklärte Brown. „Und die nächste Generation von Dartern wird noch besser sein als alles, was wir bisher gesehen haben.“
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