„Das ist das Einzige, was fehlt“ – Andy Hamilton blickt auf seine Karriere zurück und spricht über den verpassten Major-Titel

MODUS
durch Nic Gayer
Sonntag, 09 August 2026 um 9:00
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Andy Hamilton gehört zu jener Generation von Dartspielern, die das PDC-Geschehen in den 2000er- und 2010er-Jahren maßgeblich prägte. Der Engländer mit dem Spitznamen „The Hammer“ etablierte sich über Jahre in der Weltspitze und kletterte in der Weltrangliste bis auf Rang fünf. Ein großer Major-Titel blieb ihm allerdings verwehrt. Dennoch blickt der mittlerweile 59-Jährige mit großer Zufriedenheit auf seine Laufbahn zurück.
Über viele Jahre hinweg gehörte Hamilton bei den großen TV-Turnieren zum vertrauten Bild. Seinen Durchbruch auf der größten Bühne schaffte er bereits bei der Darts WM 2005, als er bei seinem Debüt auf Anhieb das Viertelfinale erreichte. Für Hamilton selbst kam dieser Erfolg allerdings keineswegs völlig überraschend.

Hamilton über seinen Durchbruch: „Ich wusste immer, dass ich spielen kann“

„Nicht wirklich. Ich wusste immer, dass ich spielen kann, und ich wusste, dass ich die nötige Kampfkraft besitze. Ich war nicht der beste Spieler der Welt, aber meine größte Stärke waren meine Konzentration und der Glaube an mich selbst“, erinnert sich Hamilton im Gespräch mit Bang on Target. „Ich hatte immer das Gefühl: Wenn ich gut genug war, um mich zu qualifizieren, dann hatte ich es auch verdient, dort zu sein. Was auch immer danach passierte, würde ich akzeptieren.“
Andy Hamilton in Aktion.
Andy Hamilton erreichte in seiner Karriere Platz fünf der Weltrangliste und stand 2012 im Finale der PDC Darts WM, ein Major-Titel blieb „The Hammer“ jedoch verwehrt.
Diese Einstellung führte „The Hammer“ schließlich bis in die absolute Weltspitze. Hamilton erreichte Platz fünf der Weltrangliste und stand über Jahre mit den größten Spielern seiner Generation am Oche. In seiner Heimat Stoke-on-Trent reichte selbst das allerdings lediglich zu Rang drei – schließlich stammten mit Phil Taylor und Adrian Lewis zwei der größten Spieler der Darts-Geschichte ebenfalls aus der Region. Hamilton nimmt es mit Humor: „Ja. Aber nur der Drittbeste in Stoke.“

Das verlorene WM-Finale gegen Adrian Lewis

Hamilton gewann im Laufe seiner Karriere einen Players-Championship-Titel und erreichte darüber hinaus mehrere große Endspiele. Der ersehnte Major-Triumph blieb jedoch aus. Besonders in Erinnerung geblieben ist sein verlorenes WM-Finale gegen Adrian Lewis im Jahr 2012. Große Gedanken an seine Niederlagen verschwendet Hamilton rückblickend allerdings nicht.
„Nein. Ich hatte eine gute Karriere. Ich denke eigentlich nie wirklich über die Spiele nach, die ich verloren habe“, erklärt der Engländer. „Ich erinnere mich daran, wie ich in diesem WM-Halbfinale gegen Simon Whitlock mit 2:5 zurücklag und es so aussah, als wäre ich völlig aus dem Rennen. Aber ich machte einfach weiter, gab niemals auf und nutzte meine Chancen.“
Auch im anschließenden Endspiel gegen Lewis waren es aus Hamiltons Sicht letztlich Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachten. „In diesem WM-Finale fühlte ich mich ein wenig kraftlos. Es war eine lange Nacht, und ich hing wegen einer Dopingkontrolle bis ungefähr zwei Uhr morgens fest. Aber Aide hatte mehr Erfahrung und nutzte seine Möglichkeiten, als sie sich ihm boten. Einige der Sätze gingen schließlich mit 2:3 verloren. Wenn es wirklich darauf ankam, spielte er einfach die besseren Checkouts.“
Dass Hamilton trotz der verpassten Titelchancen zufrieden auf seine Laufbahn zurückblickt, macht er unmissverständlich deutlich. Eine Sache fehlt ihm allerdings: „Der einzige Wermutstropfen war, dass ich nie ein Major gewonnen habe. Das ist das Einzige, was fehlt. Ich habe einige Major-Finals erreicht, viele gute Runs hingelegt und zwei Jahre in der Premier League gespielt, wo ich gegen die allerbesten Spieler der Welt angetreten bin. Ich bin stolz auf alles, was ich erreicht habe, auch wenn dieser große TV-Titel nie gekommen ist.“

Hamilton vergleicht die Formate der Premier League Darts

Zwei Spielzeiten lang gehörte Hamilton zum Teilnehmerfeld der Premier League Darts und erlebte das prestigeträchtige Turnier damit in einem anderen Format als dem heutigen. Der Engländer bevorzugt zwar die damalige Variante, kann dem aktuellen Modus aber ebenfalls einiges abgewinnen.
„Persönlich habe ich das alte Format bevorzugt. Es fühlte sich wie eine richtige Liga an, mit K.o.-Abenden, und wurde im Laufe der Wochen immer spannender“, erklärt Hamilton. „Allerdings finde ich auch das aktuelle Format großartig, weil die Fans mehr Matches zu sehen bekommen. Es ist beinahe zu einem aufgewerteten Showturnier geworden, aber die Zuschauer bekommen definitiv etwas für ihr Geld.“
Zu den schönsten Begleiterscheinungen seiner erfolgreichen PDC-Zeit gehörten für Hamilton auch die zahlreichen Reisen. Durch seine Einsätze auf der World Series lernte er Orte kennen, von denen er früher nicht erwartet hätte, sie eines Tages zu besuchen. „Der Dartsport hat mich um die ganze Welt geführt. Australien, Singapur, Dubai – Orte, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie jemals besuchen würde. Ich liebe Darts einfach.“
Nach dem Verlust seiner Tour Card veränderte Hamilton seinen Lebensstil grundlegend. Innerhalb von zwei bis drei Jahren verlor er nach eigener Aussage rund fünf Stone und damit gut 31 Kilogramm. Dabei half ihm auch, dass sein Alltag nach dem Ende seiner Zeit auf der Tour deutlich geregelter wurde. „In den vergangenen zwei oder drei Jahren habe ich ungefähr fünf Stone verloren. Nachdem ich nicht mehr auf der Tour war, konnte ich mich vernünftig ernähren, gesünder leben und regelmäßig spazieren gehen. Das alles hatte einen positiven Dominoeffekt. Ich war Diabetiker, brauche inzwischen aber keine Injektionen mehr.“
Auch Hamiltons Tagesablauf hat mit seinem früheren Leben als Tour-Profi nur noch wenig gemeinsam. Morgens setzt er auf ein gesundes Frühstück, anschließend geht er für rund eine Stunde spazieren und verbringt gerne Zeit im Freien. Ganz losgelassen hat ihn der Dartsport allerdings keineswegs.
Wenn Hamilton heute den Fernseher einschaltet, um Darts zu verfolgen, gilt seine Aufmerksamkeit vor allem einem Spieler. „Ich schalte normalerweise bei jedem Turnier ein, bei dem Luke Littler spielt. Er hat mich irgendwie inspiriert.“

MODUS Super Series: Hamilton glaubt weiterhin an sein Spiel

Auch wenn Hamilton nicht mehr das Niveau seiner erfolgreichsten Jahre erreicht, ist er dem aktiven Dartsport treu geblieben. Jedes Jahr absolviert er zahlreiche Exhibitions und tritt außerdem bei der MODUS Super Series an. Dort will er sich erneut für die Champions Week qualifizieren. Bislang erreichte er diese erst einmal.
„Ich habe einmal den Finals Day erreicht. Danach habe ich in meiner Gruppe gegen Jurjen van der Velde und Graham Usher verloren“, erinnert sich Hamilton. „Zum jetzigen Zeitpunkt glaube ich immer noch, dass ich das Spiel dafür habe. Gleichzeitig bin ich realistisch genug, um zu wissen, dass ich nicht mehr ganz auf demselben Niveau spiele wie früher.“
Mit seiner derzeitigen Verfassung ist der frühere Weltranglistenfünfte dennoch ausgesprochen zufrieden. „Ich glaube wirklich, dass ich aktuell die beste Version meiner selbst bin. Ich werde nie wieder so gut sein wie damals. Wenn man sich Spieler wie Raymond van Barneveld oder Peter Wright anschaut, muss man ehrlich zu sich selbst sein. Das Spiel wird jedes Jahr schwieriger. Die Spieler haben einfach keine Angst mehr.“
Gerade diese Einstellung zeigt, wie groß Hamiltons Leidenschaft für den Dartsport nach wie vor ist. Geld steht für ihn längst nicht mehr im Vordergrund. Stattdessen spielt „The Hammer“ weiter, weil ihm der Sport auch nach all den Jahren noch immer Freude bereitet.
Der Major-Titel mag in Hamiltons Sammlung fehlen, doch seine Laufbahn kann sich dennoch sehen lassen. Vom Pub-Besitzer in Stoke zum Premier-League-Spieler, WM-Finalisten und zur Nummer fünf der Welt: „The Hammer“ hat mehr als genug Gründe, mit Stolz auf seine Karriere zurückzublicken.
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