Die ersten Wochen der
Premier League Darts sind für
Josh Rock alles andere als nach Wunsch verlaufen. Der talentierte Nordire, der in dieser Saison sein Debüt in der prestigeträchtigen Liga gibt, wartet an den Donnerstagabenden noch immer auf den echten Durchbruch. Dennoch überwiegen keine Frustration, sondern vor allem Gelassenheit und Lernbereitschaft. Rock weiß, dass er sich in einer neuen Welt bewegt – und dass es Zeit braucht, um sich daran zu gewöhnen.
„Es ist einfach eine Umstellung“
„Es ist mein erstes Jahr in der
Premier League Darts und es ist einfach eine Umstellung“, sagt er offen. „Ich bin Anfang Februar umgezogen und war seitdem kaum zu Hause. Insgesamt vielleicht elf Tage. Es ist viel Reiserei dabei und das spielt vielleicht eine Rolle.“
Diese Kombination aus übervollem Terminplan und Veränderungen im Privatleben macht es Rock schwer, sofort sein Topniveau abzurufen. Ausreden sucht er dennoch nicht. „Ich habe immer noch Spaß, selbst wenn ich verliere. Das ist, was ich als Kind immer machen wollte.“
Die Premier League ist für ihre Intensität bekannt, doch selbst Rock musste zugeben, dass sie ihn überrascht hat. „Es ist härter, als ich erwartet hatte“, räumt er ein. „Aber ich beschwere mich nicht. Genau davon habe ich immer geträumt.“
Während er bei anderen Turnieren bereits starke Leistungen zeigte, gelingt es ihm bislang nicht, diese Linie in den wöchentlichen TV-Abenden fortzuführen. Laut Experten spielt der mentale Druck dabei eine Rolle. Auch der ehemalige Premier-League-Spieler Daryl Gurney riet ihm kürzlich,
Rock solle auf der Bühne etwas energischer und aggressiver auftreten.
Rock versteht diese Anmerkung, sieht es aber anders. „Ich bin nicht der Typ, der einfach so wütend werden kann oder das spielen kann. Es muss wirklich etwas passieren, um das in mir auszulösen. Aber wenn es passiert, kann ich auch richtig zünden und bin fast nicht zu stoppen.“
Lernen auf eigene Weise
Obwohl er sich mit erfahrenen Spielern wie Gurney austauscht, entscheidet sich Rock bewusst dafür, seinen eigenen Weg zu gehen. „Ich will es auf meine Art machen und notfalls auf die harte Tour lernen“,
erklärt er. „Es geht darum, dass ich mich an alles gewöhne, was zur Premier League dazugehört.“
Diese Haltung kennzeichnet den jungen Spieler: nüchtern, selbstkritisch und entschlossen. Er sieht diese Saison vor allem als Investition in die Zukunft. „Wenn ich dieses Jahr alles lerne und nächstes Jahr wieder ausgewählt werde, weiß ich genau, was zu tun ist.“
Magischer Moment in Belfast
Trotz des holprigen Starts gab es für Rock bereits ein absolutes Highlight:
seinen 9-Darter in Belfast. Vor heimischem Publikum warf er ein perfektes Leg – ein Moment, den auch er so schnell nicht vergessen wird. „Es kam wirklich aus dem Nichts“, blickt er zurück. „Ich habe eigentlich schlecht gespielt und plötzlich werfe ich einen 9-Darter. Aber weil es in Belfast war, mein Heimpublikum, war es besonders. Wahrscheinlich hätte ich nicht so reagiert, wenn es woanders passiert wäre.“
Auffällig ist, dass Rock außerhalb der Premier League Darts sehr wohl überzeugt. So erreichte er bei den jüngsten UK Open ein hohes Niveau und zeigte auch in anderen Turnieren, dass er mit der Spitze mithalten kann. Er selbst erkennt diesen Unterschied an. „Ich denke, da ist schon etwas dran, was gesagt wird: dass ich mich vielleicht zu sehr auf die Donnerstagabende fokussiere“, sagt er. „In anderen Turnieren mache ich einfach, was ich immer mache, ohne zu viel nachzudenken.“
Der wöchentliche Druck, die große Bühne und die ständige Medienpräsenz machen die Premier League einzigartig – und für einen Debütanten mitunter gnadenlos.
Leben abseits der Bühne
Neben dem Darts kommt noch etwas anderes hinzu: Rock wurde vor anderthalb Jahren Vater und ist kürzlich in ein größeres Haus umgezogen. Eine prägende Zeit, in der Spitzensport und Privatleben ineinandergreifen. „Wir brauchten ein größeres Zuhause“, sagt er. „Ich bin dankbar, dass mir Darts diese Möglichkeit gegeben hat. Aber umziehen, Kisten packen, Papierkram erledigen – das kostet alles Zeit und Energie.“
Er betont, dass viele Fans nicht sehen, was hinter den Kulissen passiert. „Die Leute denken, wir tauchen nur auf und spielen, aber manchmal hast du eine Reise von dreizehn Stunden hinter dir, bevor du überhaupt im Hotel bist.“
Ein weiteres Thema, das im Darts immer öfter aufkommt, ist das Verhalten des Publikums. Pfeifende Zuschauer sorgen regelmäßig für Ärger bei Spielern. Rock bezieht klar Stellung. „Das sind oft Leute, die etwas getrunken haben und denken, sie seien witzig“, sagt er. „Aber wenn das so weitergeht, verderben sie es für alle.“
Gleichzeitig erkennt er an, dass es schwer ist, das vollständig zu unterbinden. „Wenn eine einzelne Person pfeift, ist es störend. Aber wenn eine ganze Halle Lärm macht, ist es nur ein konstanter Geräuschpegel und du hast weniger Probleme damit. Vielleicht muss man diese eine Person rausnehmen.“
Wachstum des Darts in Irland
Abschließend sprach Rock mit Stolz über die Entwicklung des Sports in Irland. Gemeinsam mit Daryl Gurney schrieb er Geschichte, als er den World Cup of Darts gewann – ein Novum für das die Irische Insel. „Das war enorm wichtig“, sagt er. „Aber man sieht jetzt auch, wie viel Nachwuchs dazukommt. Früher waren wir in meiner Region zwölf Spieler, jetzt sind es über hundert. Und in der Republik ist es noch größer.“
Dieses Wachstum ist seiner Meinung nach auch neuen Stars wie Luke Littler zu verdanken, die eine neue Generation inspirieren. „Er hat dafür gesorgt, dass viele Jugendliche Darts ausprobieren und merken, dass sie gut darin sind.“
Trotz der enttäuschenden Ergebnisse bleibt Rock optimistisch. Er weiß, dass er die Qualität besitzt, um auf höchstem Niveau zu bestehen – und dass diese Phase Teil seiner Entwicklung ist. „Mein Niveau ist gut genug“, stellt er selbstbewusst fest. „Und wenn es jetzt nicht klappt, dann kommt es noch.“