Mit dem heutigen Tag beginnt das
World Matchplay 2026 – und erneut richten sich die Blicke auf mehrere englische Spieler, die sich berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen dürfen.
Nathan Aspinall und
Joe Cullen verbindet nicht nur eine enge Freundschaft, sondern auch das direkte Duell in der ersten Runde. Gemeinsam mit
Chris Dobey zählen sie zu den größten englischen Hoffnungen auf einen tiefen Turnierlauf.
Hinzu kommt
Rob Cross, der das World Matchplay – genau wie Aspinall – bereits gewinnen konnte und daher genau weiß, was es braucht, um in Blackpool erfolgreich zu sein. Beide wollen an frühere Erfolge anknüpfen, stehen dabei jedoch vor schwierigen Aufgaben. Wie gut sind ihre Chancen wirklich? Unser englischer Kollege Ben James liefert in der nachfolgenden
Analyse die Antworten.
Nathan Aspinall – „The Asp“ auf dem Weg zurück?
Der
World-Matchplay-Sieger von 2023 kehrt an den Ort seines bislang größten Erfolgs zurück – allerdings in einer Verfassung, die kaum Fragen unbeantwortet lässt. Nach seinem bislang stärksten Jahr auf der PDC-Tour 2023 scheint der Abstand zu dieser Bestform inzwischen größer denn je. Aspinall wurde nicht für die Premier League berücksichtigt und erhielt zuletzt auch keine Einladung zur World Series of Darts, obwohl mehrere prominente Spieler – darunter Luke Littler – ihre Teilnahme absagen mussten. Seine eigenen Aussagen zeichnen das Bild eines Profis, dem derzeit die Motivation fehlt.
Der Stockporter hat 2026 bislang lediglich 48 Pflichtspiele bestritten, kaum trainiert und nach eigener Aussage zuletzt nur selten überhaupt Darts in die Hand genommen. „Ich habe in den vergangenen sieben Wochen wahrscheinlich insgesamt viermal Darts geworfen. Ich habe keine Ahnung, wie ich spielen werde“, sagte Aspinall gegenüber
Online Darts. Sein kurzer Auftritt beim Event im Hyde Park dürfte damit fast schon die beste Vorbereitung auf das World Matchplay gewesen sein.
Mit dieser Ausgangslage reist der 33-Jährige zum zweitgrößten Turnier des Jahres. Nach zuletzt sinkenden Averages und eigener Unsicherheit über seine Form bleibt Aspinall einer der größten Unbekannten des Teilnehmerfeldes. Ein Average von 94,56 Punkten in den vergangenen sechs Monaten sowie eine starke Checkoutquote von 43,59 Prozent zeigen immerhin, dass er als Favorit in sein Erstrundenduell gegen Joe Cullen starten wird.
„In meinem Leben gibt es gerade wichtigere Dinge als Darts“, erklärte Aspinall ebenfalls gegenüber Online Darts. Seine Prioritäten seien derzeit klar: „Beim Matchplay mein Bestes geben, heiraten und anschließend in die Flitterwochen fahren.“ Darts steht für ihn momentan nicht an erster Stelle. Passend dazu ist auch seine 180er-Quote in den vergangenen drei Monaten auf lediglich eine Wahrscheinlichkeit von 21 Prozent pro Leg gesunken. Die Zuschauer in den Winter Gardens haben von Nathan Aspinall schon deutlich bessere Versionen erlebt.
Nathan Aspinall reist mit vielen Fragezeichen nach Blackpool – mangelnde Spielpraxis und private Prioritäten sorgen für große Unsicherheit vor dem World Matchplay.
Auf den ersten Blick liest sich Aspinalls Saison 2026 trotz allem durchaus positiv. In seinen bislang 48 Partien gewann er ein European-Tour-Turnier und spielte im Halbfinale von München einen Average von 106,40 Punkten. Seine teils selbstkritischen Aussagen werden seiner Saison daher nur bedingt gerecht. Auch bei der World Series im Nahen Osten zeigte er sein Potenzial, als er Luke Humphries mit 6:3 besiegte und dabei einen Average von 104,43 spielte. Das Leistungsmaximum ist also nach wie vor vorhanden.
Hinzu kommen die Finalteilnahme bei Players Championship 1 sowie zwei Viertelfinals auf der European Tour. Unterwegs gelang ihm sogar ein Average von 108,65 Punkten. Die Qualität ist also weiterhin vorhanden – nur nicht konstant abrufbar. Gleichzeitig verdeutlichen Averages von 81,58 und 86,82 bei Players-Championship-Turnieren das sogenannte Aspinall-Paradox. Wer kaum trainiert, produziert zwangsläufig größere Leistungsschwankungen. Genau diese Unberechenbarkeit macht ihn vor dem World Matchplay so schwer einzuschätzen. Sowohl ein Average jenseits der 100-Punkte-Marke als auch eine Leistung unter 90 Punkten erscheinen gleichermaßen möglich. Joe Cullen wird auf Letzteres hoffen.
2025 reiste Aspinall noch als Nummer acht der Setzliste nach Blackpool, in diesem Jahr ist er lediglich an Position 16 gesetzt. Im Vorjahr unterlag er Wessel Nijman in Runde eins klar, der einen Average von 101,72 spielte, während Aspinall selbst mit 98,88 Punkten keineswegs schlecht unterwegs war. Es war weniger seine eigene Leistung als vielmehr ein Gegner in absoluter Topform, der den Unterschied ausmachte.
Dass Aspinall trotz des Verlusts von 200.000 Pfund Preisgeld in der Weltrangliste weiterhin zu den gesetzten Spielern gehört, spricht für seine Beständigkeit und seinen Kampfgeist. Als er 2023 den Titel gewann, kam er als Premier-League-Spieler bestens vorbereitet nach Blackpool und setzte sich im Finale mit einem Average von 96,21 Punkten durch.
Heute reicht ein solches Niveau jedoch kaum noch aus. Während Luke Littler im Endspiel des Vorjahres einen Average von 111 Punkten spielte, hat sich die Messlatte im Spitzendarts deutlich nach oben verschoben. Ohne ausreichende Vorbereitung anzutreten, ist schwieriger denn je. Auch Aspinalls aktuelle Form und seine eigenen Aussagen lassen einen langen Turnierlauf eher unwahrscheinlich erscheinen. Einzelne Ausnahmespiele sind jederzeit möglich – doch über eine komplette Turnierwoche hinweg lassen sich solche Leistungen kaum mehrfach hintereinander abrufen. Nach nur einem gewonnenen Match in seinen vergangenen beiden Matchplay-Teilnahmen gibt es derzeit nur wenige Anhaltspunkte dafür, dass sich dieses Bild ausgerechnet 2026 grundlegend ändern wird.
Erst vor Kurzem feierte Aspinall gemeinsam mit Joe Cullen seinen Junggesellenabschied – nun treffen die beiden Freunde direkt in der ersten Runde aufeinander. Es ist ein bemerkenswert ausgeglichenes Duell. Auf dem Weg zu seinem Matchplay-Titel 2023 besiegte Aspinall Cullen deutlich mit 17:9, wobei Cullen damals nicht einmal genügend Legs gewann, um ein Erstrundenmatch für sich zu entscheiden. Da sich beide seit über zwei Jahren nicht mehr gegenüberstanden, bringt dieses Wiedersehen zahlreiche Unwägbarkeiten mit sich.
Auch Cullens Saison 2026 verlief wechselhaft, zeigte zuletzt jedoch deutliche Aufwärtstendenzen. Beim ersten Dart auf die Triple-20 ist er aktuell mehr als neun Prozentpunkte erfolgreicher als Aspinall. Gleichzeitig spricht die Checkoutstärke für den Spieler aus Manchester. Das rein englische Duell verspricht daher den klassischen Vergleich zwischen Scoring-Power und Doppelstärke. Mit der zusätzlichen emotionalen Komponente zweier enger Freunde gehört diese Partie schon vor dem ersten Dart zu den schwierigsten des gesamten Turniers, wenn es darum geht, einen Sieger vorherzusagen.
Nathan Aspinall in Zahlen: Die Form der vergangenen 18 Monate
| Kennzahl | Jan–Jul 25 | Jul–Jan 26 | Jan–Apr 26 | Apr–Jul 26 |
| Average | 95,62 | 95,87 | 95,74 | 94,56 |
| Checkoutquote | 38,86% | 38,14% | 34,96% | 43,59% |
| First Nine Average | 104,66 | 105,66 | 107,66 | 102,52 |
| First Three Average | 105,67 | 104,58 | 106,58 | 104,06 |
| Average in Decidern | 99,93 | 89,66 | 88,46 | 83,50 |
| 180er pro Leg | 0,35 | 0,37 | 0,38 | 0,21 |
Joe Cullen – „Rockstar“ trifft auf einen engen Freund
Wie bereits erwähnt, erlebt Joe Cullen 2026 eine spürbare Renaissance nach zwei schwierigen Jahren. Er arbeitet sich in der Weltrangliste wieder nach oben, statt weiter Plätze einzubüßen. Seine Siegquote liegt derzeit rund fünf Prozentpunkte über dem Wert des Vorjahres. Mit einem Average von 94,67 Punkten präsentiert sich Cullen so stark wie seit Jahren nicht mehr und reist in deutlich besserer Verfassung zum World Matchplay als noch 2025, als er bereits in der ersten Runde am späteren Finalisten James Wade scheiterte.
Vor allem im Scoring hat Cullen große Fortschritte gemacht. Mit einem Scoring-Average von 103,47 Punkten und einem First-Three-Average von über 101 Punkten erzielt er inzwischen in 31 Prozent aller Legs eine Maximalaufnahme. Damit übertrifft er seine Gegner wieder regelmäßig beim Scoring – eine Stärke, die ihm in den vergangenen Jahren zunehmend abhandengekommen war.
Auch seine Ergebnisse bestätigen diese Entwicklung. Das Finale bei Players Championship 8 sowie das Viertelfinale bei Players Championship 15 zeigen, dass Cullen wieder regelmäßig in die entscheidenden Turnierphasen vorstößt. Für einen Spieler seines Kalibers dürfte das allerdings noch nicht ausreichen. Das World Matchplay bietet ihm nun die Chance, seine sportliche Wiederauferstehung mit einem echten Ausrufezeichen zu untermauern.
Auch auf die Doppel präsentiert sich Cullen solide. Mit einer Trefferquote von 50 Prozent auf die Doppel-8 sowie 45,16 Prozent auf die Doppel-16 verfügt er über zuverlässige Finishes. Seine Doppel sind jedoch eher eine stabile Grundlage als eine spielentscheidende Waffe.
Seine Zielsetzung unterscheidet sich deshalb deutlich von der seines Erstrundengegners Nathan Aspinall. Während der Matchplay-Champion von 2023 an seinen größten Triumph anknüpfen möchte, wäre für Cullen bereits ein oder zwei Siege ein klares Zeichen dafür, dass seine positive Entwicklung weiter anhält.
Joe Cullen reist mit deutlich besseren Leistungen als in den vergangenen beiden Jahren nach Blackpool – das World Matchplay soll seine Renaissance endgültig bestätigen.
Joe Cullen hat seine stärksten Ergebnisse in dieser Saison bislang allerdings nur selten gegen Spieler erzielt, auf die er auch beim World Matchplay treffen dürfte. Zwar erreichte er ein Finale und ein Halbfinale bei Players Championships, doch dort unterlag er regelmäßig Gegnern wie Wessel Nijman, Stephen Bunting oder Chris Dobey. Seine Siege auf dem Weg dorthin gelangen überwiegend gegen niedriger platzierte Spieler wie Lukas Wenig oder Brendan Dolan. Das ist keineswegs als Kritik an Cullen zu verstehen – es wirft lediglich die Frage auf, ob seine Form bereits Matchplay-Niveau erreicht hat oder bislang vor allem auf der Pro Tour überzeugt.
Ein Players-Championship-Finale ist zweifellos ein gutes Ergebnis, verblasst jedoch neben Aspinalls Erfolgen. Der Matchplay-Champion von 2023 hat bereits einen European-Tour-Titel gewonnen – und das, obwohl er selbst zugibt, dass Darts derzeit nicht oberste Priorität genießt. Zum Vergleich: Cullen reiste 2025 mit einem Average von lediglich 90,33 Punkten und stark schwankenden Leistungen zum World Matchplay. Seine Formkurve zeigt inzwischen klar nach oben, doch gegen die Nummer 16 der Welt und einen ehemaligen Matchplay-Sieger könnte diese Entwicklung noch nicht ausreichen.
Dass James Wade 2025 eine starke Leistung zeigte, ließ Cullens acht gewonnene Legs im Nachhinein etwas knapper erscheinen, als die Partie tatsächlich war. Sein Average von 92,68 Punkten wirkte in einem engen Ergebnis respektabel, konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Leistung insgesamt hinter den Erwartungen zurückblieb. Genau das darf ihm in diesem Jahr nicht noch einmal passieren.
Beim Halbfinaleinzug 2023 war Cullen allerdings ein anderer Spieler. Ob er dieses Niveau erneut erreichen kann, bleibt offen – ausgeschlossen ist es jedoch keineswegs. Damals spielte er einen Turnierbestwert von 100,67 Punkten, und allein in dieser Saison gelangen ihm bereits sechs Averages von über 100 Punkten. Eine Rückkehr auf das Niveau von 2023 erscheint daher durchaus realistisch.
Ob dies automatisch auch zu vergleichbaren Ergebnissen führt, steht auf einem anderen Blatt. 2025 reiste Cullen mit schwacher Form nach Blackpool, verlor auf der ProTour frühzeitig und musste sogar wenige Wochen zuvor eine Niederlage gegen Owen Bates hinnehmen. 2026 präsentiert sich die Ausgangslage deutlich besser. Cullen befindet sich auf Kurs zur Qualifikation für die European Championship und zeigt insgesamt deutlich konstantere Leistungen, sodass mehrere Siege in Blackpool durchaus möglich erscheinen.
Zweimal erreichte Cullen bislang das Viertelfinale – erstmals 2018 und anschließend wieder 2023. Er weiß also, wie man auf dieser Bühne erfolgreich spielt. Gleichzeitig kennt er aber auch das Szenario, nach einem Auftaktsieg direkt in der nächsten Runde auszuscheiden – genau das passierte ihm bereits viermal. Selbst wenn er Aspinall bezwingen sollte, ist ein weiterer Sieg daher keineswegs garantiert.
Das World Matchplay bietet Cullen die ideale Gelegenheit, seine sportliche Renaissance auch vor großem TV-Publikum zu bestätigen. Ob ihm dafür ausgerechnet ein Erfolg gegen seinen engen Freund Nathan Aspinall gelingt, bleibt die entscheidende Frage.
Joe Cullen gegen Nathan Aspinall: Der direkte Statistikvergleich
| Kennzahl | Cullen (Apr-Jul 26) | Aspinall (Apr-Jul 26) |
| Average | 94.06 | 94.56 |
| First Nine Average | 102.58 | 102.52 |
| Checkoutquote | 40.90% | 43.59% |
| Average in Decidern | 86.77 | 83.50 |
| 180er pro Leg | 0.31 | 0.21 |
| First Dart T20 % | 29.50% | 31.18% |
| Functional Doubles % | 48.83% | 53.97% |
Chris Dobey – „Hollywood“ bleibt eine echte Gefahr
Chris Dobey geht bei Major-Turnieren fast schon traditionell als Außenseiter ins Rennen. Dabei verfügt der Masters-Champion von 2023 nahezu immer über das spielerische Potenzial, um weit zu kommen. Abgesehen von seinem starken Auftritt bei der Weltmeisterschaft verlief das Jahr 2025 zwar vergleichsweise unspektakulär, dennoch erspielte sich Dobey in diesem Zeitraum 377.500 Pfund Preisgeld – ein Beleg dafür, warum er oft als „stiller Killer“ bezeichnet wird.
Da Dobey 2026 nicht in der Premier League antrat, konnte er sich vollständig auf sein eigenes Spiel konzentrieren – und davon scheint er profitiert zu haben.
Mit einem Average von 97,92 Punkten in den vergangenen drei Monaten (gegenüber 96,52 Punkten im gleichen Zeitraum des Vorjahres nach dem Ende der Premier League) zeigt seine Formkurve klar nach oben. Besonders beeindruckend ist sein First-Three-Average von 111,54 Punkten – der höchste Wert aller Spieler weltweit. Genau darin zeigt sich das typische Profil von Dobey: herausragendes Scoring, aber Schwächen auf die Doppel.
Seine Checkoutquote liegt aktuell bei 40,13 Prozent und hat sich damit nach einem zwischenzeitlichen Rückgang auf unter 37 Prozent wieder stabilisiert. Am meisten Anlass zur Sorge geben jedoch seine Leistungen in Decidern.
Mit einem Average von lediglich 92,29 Punkten in Legs, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, bleibt der Umgang mit Druck die größte Schwachstelle in Dobeys Spiel. Spätestens seit seinem bitteren Aus beim Grand Slam of Darts 2025, als er gleich elf Matchdarts vergab, begleitet ihn der Ruf, in den entscheidenden Momenten zu wackeln.
Chris Dobey gehört statistisch zu den stärksten Scorern der Welt – doch ausgerechnet in den entscheidenden Momenten zeigt „Hollywood“ immer wieder Nerven.
Chris Dobeys Scoring gehört aktuell zur absoluten Weltklasse. In 41 Prozent aller Legs erzielt er eine Maximalaufnahme – ein herausragender Wert. Damit verschafft er sich gegen nahezu jeden Gegner regelmäßig die besseren Chancen auf Doppel und kann sich sogar den einen oder anderen Fehlwurf erlauben.
Auch seine Saison 2026 verläuft bislang äußerst erfolgreich. Dobey gewann bereits zwei Players-Championship-Turniere, allen voran Players Championship 9. Im Finale setzte er sich mit einem Average von 105,28 Punkten gegen Justin Hood durch, nachdem er zuvor gegen Rhys Griffin sogar einen Average von 109,74 gespielt hatte. Auf der Pro Tour zählt „Hollywood“ weiterhin zu den erfolgreichsten Spielern überhaupt.
Doch Titel auf dem Floor gewinnen keine Major-Turniere. Im Vergleich zum World Matchplay herrscht dort deutlich weniger Druck, weshalb sich die Frage stellt, wie aussagekräftig diese Erfolge für einen tiefen Lauf in Blackpool tatsächlich sind.
Ein Blick auf das Vorjahr unterstreicht diese Problematik. Obwohl Dobey im Laufe des Jahres zwei Averages von über 110 Punkten spielte und Leistungen von 111,33, 110,44 sowie 108,72 Punkten zeigte, unterlag er beim World Matchplay Jonny Clayton mit 7:10 und kam dabei lediglich auf einen Average von 93,78 Punkten. Wie schon 2025 scheinen seine starken Leistungen auf dem Floor bislang nicht zuverlässig auf die große Bühne übertragbar zu sein. Sein Leistungsmaximum ist unbestritten vorhanden – doch über ein komplettes Major-Wochenende hinweg ruft er es bislang nur selten ab.
Auch seine Matchplay-Bilanz spricht dafür. Seit seinem Debüt 2019 schied Dobey bereits viermal in der ersten Runde aus und gewann insgesamt lediglich drei Partien in sechs Turnierteilnahmen. Trotz zahlreicher 100+-Averages auf der Pro Tour wartet er in den Winter Gardens weiterhin auf einen Average im dreistelligen Bereich. Zwischen seinen Leistungen auf dem Floor und denen auf der TV-Bühne besteht bislang eine deutliche Diskrepanz.
Dennoch gibt es Anlass zur Hoffnung. Sein Viertelfinaleinzug 2023 fiel in dasselbe Jahr, in dem er auch den Masters-Titel gewann. Nach der durchwachsenen Saison 2025 folgte dagegen das frühe Aus in Runde eins. Die aktuelle Spielzeit erinnert in vielerlei Hinsicht an das Vorjahr – allerdings mit deutlich größerer Konstanz. Ein tiefer Turnierlauf erscheint deshalb durchaus möglich, ist aber keineswegs selbstverständlich. Das Viertelfinale dürfte erneut ein realistisches Ziel sein – schließlich wären dafür lediglich zwei Siege erforderlich.
Zum Auftakt trifft Dobey auf Dirk van Duijvenbode. Der Niederländer scheint seine Schulterverletzung zwar überwunden zu haben, musste zuletzt jedoch einen leichten Rückgang seines Averages auf 95,72 Punkte hinnehmen. Wie Dobey lebt auch „Aubergenius“ vor allem von seinem starken Scoring, sodass in diesem Duell eher nicht die Doppelstärke den Ausschlag geben dürfte.
Mit einer Checkoutquote von 37,5 Prozent besitzt Dobey in dieser Disziplin sogar leichte Vorteile – und genau diese könnten am Ende entscheidend sein. Auf dem Papier wirkt das Duell ausgeglichen, schließlich war für beide Spieler bislang das Viertelfinale das beste Matchplay-Ergebnis. Schaut man jedoch genauer hin, fällt auf, dass van Duijvenbodes First-Three-Average aktuell fast acht Punkte unter dem von Dobey liegt. Damit könnte Dobey den eigentlich als Power-Scorer bekannten Niederländer ausgerechnet beim Scoring übertreffen. Der Unterschied in der aktuellen Form ist groß genug, dass die Statistiken eher für einen Erfolg des Engländers als für eine Überraschung sprechen.
Chris Dobey beim World Matchplay: Die Bilanz im Überblick
| Jahr | Runde | Ergebnis | Average |
| 2019 | Letzte 32 | 3:10-Niederlage gegen Rob Cross | 91.34 |
| 2021 | Letzte 32 | 8:10-Niederlage gegen Joe Cullen | 95.36 |
| 2022 | Letzte 32 | 9:11-Niederlage gegen Rob Cross | 95.06 |
| 2023 | Viertelfinale | 12:16-Niederlage gegen Nathan Aspinall | 96.79 |
| 2024 | Letzte 16 | 9:11-Niederlage gegen Michael Smith | 95.69 |
| 2025 | Letzte 32 | 7:10-Niederlage gegen Jonny Clayton | 93.88 |
Rob Cross – „Voltage“ nimmt wieder Fahrt auf
Zwischenzeitlich sah es sogar danach aus, als würde Rob Cross das World Matchplay verpassen. Doch eine starke Formkurve in den vergangenen drei Monaten sorgte dafür, dass sich der Matchplay-Sieger von 2019 letztlich souverän qualifizierte und den Cut-off mit einem Vorsprung von 33.000 Pfund meisterte.
Nach einem überzeugenden Auftritt bei der Weltmeisterschaft, der auf ein schwieriges Ende des Jahres 2025 folgte, konnte Cross diese Form bestätigen. Sein Average liegt in den vergangenen drei Monaten bei 97,26 Punkten. Seit der enttäuschenden Premier-League-Saison 2024 sucht der Viertelfinalist des World Matchplay 2024 allerdings nach der Konstanz früherer Jahre. In den vergangenen beiden Spielzeiten gewann er lediglich vier Titel und konnte starke Leistungen nur selten über einen längeren Zeitraum bestätigen.
Mit seinem Triumph bei Players Championship 22 beendete Cross eine einjährige Titelflaute – und genau dieser Erfolg deutet darauf hin, dass sein Spiel wieder das Niveau erreicht, das ihn einst zu einem Weltmeister und Premier-League-Spieler machte. Eine Checkoutquote von 44,16 Prozent sowie ein First-Nine-Average von 104,65 Punkten zeigen, dass sowohl sein Scoring als auch seine Doppel wieder auf einem hohen Niveau angekommen sind. Besonders erfreulich ist diese Entwicklung, nachdem sein First-Nine-Average zeitweise auf rund 101 Punkte gefallen war und auch die Checkoutquote nur noch im oberen 30-Prozent-Bereich lag.
Wie gewohnt zählt außerdem seine Trefferquote auf die Triple-18 zu den besten im gesamten Teilnehmerfeld. Mit durchschnittlich 44,59 Prozent erreicht Cross wieder Werte, die an seine starke Saison 2024 erinnern. Nach einem enttäuschenden Jahr 2025 wirkt 2026 bislang wie ein echter Neustart.
Der Titelgewinn nur einen Monat vor dem World Matchplay könnte dabei kaum wichtiger gewesen sein. Selbstvertrauen spielt für jeden Profi eine entscheidende Rolle – für Cross, der zuletzt bittere Niederlagen, schwierige Turnierphasen und private Krisen verarbeiten musste, brachte dieser Erfolg vor allem das Gefühl zurück, wieder Turniere gewinnen zu können. Auch wenn er noch nicht wieder seine absolute Bestform erreicht hat, sprechen Finalteilnahmen auf der European Tour sowie Halbfinals bei Players Championships dafür, dass seine Entwicklung klar in die richtige Richtung geht. Im gesamten Jahr 2025 hatte Cross auf der European Tour nicht einmal ein Viertelfinale erreicht.
Rob Cross hat rechtzeitig vor dem World Matchplay wieder zu seiner Form gefunden – der Titelgewinn bei Players Championship 22 macht den Champion von 2019 erneut zu einem ernstzunehmenden Titelkandidaten.
Tatsächlich könnte sich das enttäuschende Jahr 2025 im Nachhinein sogar als Vorteil erweisen. Cross reist diesmal ungesetzt nach Blackpool, spielt derzeit jedoch wieder auf Top-16-Niveau. Mit dem siebtbesten Average der vergangenen drei Monate und einem frischen Titelgewinn darf seine schwierige Saison 2025 inzwischen als abgehakt gelten. Cross hat wieder das Leistungsniveau von 2024 erreicht. Damals gewann er vor dem World Matchplay ein European-Tour-Turnier und erreichte anschließend das Viertelfinale in Blackpool. Warum sollte ihm das 2026 nicht erneut gelingen?
Mit elf Siegen bei neun Niederlagen besitzt Cross eine starke Bilanz beim World Matchplay. Sein Karriere-Average von 98,23 Punkten in den Winter Gardens unterstreicht, wie wohl er sich auf dieser Bühne fühlt. Der Titelgewinn 2019 und der Viertelfinaleinzug 2024 sprechen ebenfalls für den Engländer. Mit einem Turnierbestwert von 106,99 Punkten hat Cross bereits bewiesen, dass er das Niveau besitzt, um nach einer intensiven Turnierwoche auf einer der prestigeträchtigsten und anspruchsvollsten Bühnen der PDC den Pokal in die Höhe zu stemmen.
Allerdings stehen diesen Erfolgen auch vier Erstrunden-Niederlagen sowie ein Aus im Achtelfinale gegenüber. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: In sämtlichen dieser enttäuschenden Jahre reiste Cross mit durchwachsener Form nach Blackpool. Seine Leistungen vor dem Turnier spiegeln sich auffallend häufig auch in seinen Ergebnissen beim World Matchplay wider. Angesichts seiner positiven Entwicklung im Jahr 2026 erscheint ein erneutes Aus zum Auftakt daher eher unwahrscheinlich.
Mit Danny Noppert wartet allerdings direkt eine anspruchsvolle Aufgabe. Viele Beobachter waren der Meinung, dass der Niederländer bei der Vergabe der Premier-League-Plätze übergangen wurde und Stephen Bunting zu Unrecht den Vorzug erhielt. Seitdem scheint seine Form eher nachgelassen als sich verbessert zu haben. Nach einem Jahresaverage von 94,95 Punkten ist sein Average in den vergangenen drei Monaten auf 93,99 Punkte gesunken. Damit trifft in diesem Duell ein formstarker auf einen formschwachen Spieler – genau die Art von Konstellation, die das Matchplay-Los hervorbringen sollte.
Vergleicht man Cross' konstante Entwicklung über die vergangenen zwei Jahre mit Nopperts aktueller Form, spricht vieles für den Weltmeister von 2018. Auch die Statistiken des Niederländers befinden sich auf dem absteigenden Ast: Ein First-Nine-Average von 101,97 Punkten und eine Checkoutquote von 37,56 Prozent verdeutlichen den Rückgang.
Dennoch sollte man nicht vergessen, wozu Noppert grundsätzlich in der Lage ist. Der Sieg bei den UK Open 2022, Halbfinals beim Grand Slam of Darts, der European Championship, dem Masters und dem World Grand Prix im Jahr 2025 sowie der Halbfinaleinzug beim World Matchplay 2022 zeigen sein Potenzial. Diese Erfolge übertreffen alles, was Cross in den vergangenen fünf Jahren auf Major-Bühnen erreicht hat. Cross wird deshalb hoffen, dass Noppert seine Form aus dem Jahr 2026 mit nach Blackpool bringt. Noppert wiederum wird darauf setzen, dass sein Gegner die Unsicherheiten aus 2025 wieder zeigt. Aus neutraler Sicht bleibt vor allem zu hoffen, dass beide ihre Bestform abrufen.
Rob Cross in Zahlen: Die Form der vergangenen 18 Monate
| Kennzahl | Jan-Jul 25 | Jul-Jan 26 | Jan-Apr 26 | Apr-Jul 26 |
| Average | 96.92 | 93.80 | 94.32 | 97.26 |
| Checkoutquote | 40.54% | 41.06% | 41.03% | 44.16% |
| First Nine Average | 104.96 | 101.61 | 102.68 | 104.65 |
| First Three Average | 104.68 | 99.13 | 100.62 | 105.30 |
| Average in Decidern | 93.50 | 86.75 | 88.38 | 93.62 |
| Functional Doubles % | 46.42% | 48.21% | 49.02% | 51.95% |