„Auf der Bühne war ich komplett überfordert“ – Niko Springer analysiert sein WM-Aus und blickt optimistisch auf 2026

PDC
Montag, 19 Januar 2026 um 6:00
Niko Springer
Niko Springer erlebte 2025 ein Jahr, wie es nur wenige Spieler in ihrem ersten Tourcard-Jahr schaffen. Der Mainzer gewann einen Titel auf der European Tour und qualifizierte sich direkt für World Grand Prix, Grand Slam of Darts und die Darts WM. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an seinen Auftritt auf der größten Bühne des Sports.
Doch die Weltmeisterschaft nahm für den Weltranglisten-54. einen unerwarteten Verlauf. In der ersten Runde unterlag Springer mit 1:3 gegen Joe Comito. Ein früher Rückschlag, der Spuren hinterließ – mental wie sportlich.
Im Interview mit dem Wiesbadener Kurier sprach Springer offen über die Zeit nach der WM. „Tatsächlich verlief der Start ins neue Jahr etwas schleppend. Ich habe nach der WM ein kleines Tief gehabt“, erklärte er. Kurzfristig entschied er sich für einen Erholungstrip nach Frankreich mit seiner Freundin. „Dort wurde ich dann krank, jetzt bin ich allerdings wieder fit und freue mich auf 2026.“
Die Enttäuschung über das WM-Aus sei inzwischen verarbeitet. „Natürlich war es ein Schock. Die Vorbereitung auf die WM lief ganz ok“, so Springer. Bereits im Vorfeld habe er jedoch gemerkt, dass nicht alles rund lief. Sein Ziel sei klar gewesen: die erste Runde überstehen. „Das hat nicht funktioniert.“
Nach der Niederlage zog er zunächst einen klaren Schlussstrich. „Ich wollte mit Darts erstmal nichts mehr zu tun haben, habe sieben, acht Tage die Pfeile nicht mehr in die Hand genommen.“ Auch das erste Training mit seinem Bruder Felix, der sich 2025 bereits für ein European-Tour-Event qualifizieren konnte, brach er frühzeitig ab. Erst danach fiel die Entscheidung für die Auszeit in Frankreich.
Im Vergleich zur Darts WM 2025, bei der Springer sein Debüt gefeiert hatte, fehlte diesmal die nötige Leichtigkeit. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich vom Kopf her nicht 100 Prozent bei der Sache war.“ Besonders belastend sei ein Gespräch kurz vor dem Match gewesen. „Eine Stunde vor dem Spiel habe ich mit meinem Manager Michael Gschwindt über meinen verstorbenen Hund gesprochen.“ Das habe ihn emotional beschäftigt. „Nicht bewusst, aber unterbewusst hat es sicher eine Rolle gespielt. Das soll aber keine Ausrede sein.“
Auch der immense Erwartungsdruck setzte dem Mainzer sichtbar zu. „Im Practice Room vor dem Spiel lief es schon nicht gut. Dazu ist jeder davon ausgegangen, dass ich gewinne“, erklärte Springer. Ein TV-Interview habe die Situation zusätzlich verschärft. Dort sei sinngemäß gesagt worden, er verliere nur, wenn er nicht antrete. „Das hat noch einmal ordentlich Druck erzeugt“, so der 25-Jährige.
joe comito 2
Joe Comito gewann gegen Niko Springer in der 1. Runde der Darts WM 2026
Auf der Bühne folgte dann der mentale Bruch. „Auf der Bühne war ich dann komplett überfordert. Ich kannte das nicht von mir und hoffe, dass ich das nie wieder erlebe“, sagte Niko Springer rückblickend. Er habe den Fokus verloren, obwohl er spielerisch nicht völlig danebenlag. „Ich habe trotzdem viel versucht, hatte aber die ganze Zeit das Gefühl, das wird heute nichts.“
Die schmerzhafteste Niederlage seiner Karriere? Springer verwies auf das Super-League-Finale 2022, das er mit 8:10 gegen Florian Hempel verlor. Damals verpasste er die Darts WM 2023. „Wenn du aber beim größten Turnier eine gute Auslosung bekommst und dann so rausfliegst, schmerzt das schon sehr.“
Der Blick richtet sich nun klar nach vorn. „Ich trainiere wieder fleißig mit meinem Bruder Felix und habe viele Details analysiert“, sagte Springer. Sein Ziel: zurück zur Form von Anfang 2025. „Mein Scoring war damals besser. Aktuell bin ich zufrieden.“ Besonders motivierend sei eine Szene im Training gewesen. „Mein Manager kam rein und sagte: ‚Niko, du lächelst wieder.‘ Das gibt mir Mut.“
Für 2026 stehen sportlich große Aufgaben an. Auf der European Tour ist Springer gesetzt, auch für das World Matchplay liegt er aktuell in den Qualifikationsrängen. „Was sich ändern wird: Ich lasse im Sommer einen Pro-Tour-Block aus.“ Die Zeit will der 25-Jährige bewusst mit Familie und Freundin verbringen. Als Highlights nennt er das World Matchplay – und die Chance, über die European Tour noch mehr Länder kennenzulernen. Entscheidend soll dabei eines sein: mehr Stabilität, besonders auf dem Floor.
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