Jermaine Wattimena hat sich in den vergangenen Jahren eindrucksvoll zurück in die erweiterte Weltspitze gekämpft. Nach seinem starken Jahr 2019 durchlebte der Niederländer einige schwierigere Saisons, inzwischen zeigt seine Formkurve jedoch wieder deutlich nach oben. Mittlerweile ist Wattimena bis in unmittelbare Nähe der Top-16 der Weltrangliste vorgestoßen – und damit rückt der nächste große Meilenstein seiner Karriere in Reichweite. Im Podcast „
Darts Draait Door“ von Vincent van der Voort und Damian Vlottes blickte Wattimena auf die erste Hälfte seiner Saison zurück, sprach über seine Niederlage beim World Matchplay und die Entwicklung, die er in den vergangenen Jahren genommen hat.
Beim World Matchplay blieb Wattimena der erhoffte Erfolg verwehrt. Bereits in der ersten Runde musste er sich James Wade geschlagen geben. Das Gefühl, gegen den erfahrenen Engländer chancenlos gewesen zu sein, hatte der Niederländer allerdings keineswegs. Vielmehr waren es aus seiner Sicht einige wenige Fehler, die ihn letztlich um ein besseres Ergebnis brachten.
Wattimena hadert mit entscheidenden Fehlern gegen Wade
„Ich denke, ich hatte gegen James Wade wirklich ein Match, wie er es immer spielt, wie er es spielen kann“, analysiert Wattimena. „Ich habe in dem Spiel zwei ziemlich große Fehler gemacht, und das kostet mich im Grunde ein bisschen das Match.“
Jermaine Wattimena hat sich nach schwierigen Jahren wieder nach oben gearbeitet und nimmt nun die Top-16 der Weltrangliste ins Visier.
Vor allem eine Situation ist Wattimena im Gedächtnis geblieben. Bei 140 Punkten Rest entschied er sich für den Weg über Tops–Tops, setzte jedoch beide Darts oberhalb des Doppelfeldes. Dadurch blieb ihm bei seiner nächsten Aufnahme nur noch eine einzige Chance auf ein Doppel.
„Ich stehe auf 140, gehe auf Tops–Tops und werfe zweimal drüber, wodurch ich in der nächsten Aufnahme nur einen Dart auf ein Doppel bekomme. Meiner Meinung nach splitte ich dann die Doppel-19 auch nicht. Und die 76 checke ich natürlich auch über Doppel-14 statt über Doppel-8, Doppel-16. Das kann schon mal passieren, aber die anderen beiden Dinge dürfen eigentlich nicht passieren.“
Van der Voort teilte Wattimenas Einschätzung. Der ehemalige Profi betonte, dass bei einem Versuch über Tops–Tops mindestens einer der Darts auf der Innenseite des Doppels landen müsse. In diesem Fall würden 60 Punkte Rest bleiben – wobei das Optimum natürlich darin besteht, direkt Tops zu treffen.
„James nutzt jede Chance, die er bekommt“
Gerade solche Kleinigkeiten machten gegen einen Spieler wie Wade letztlich den Unterschied, erklärte Wattimena. Schließlich ist der Engländer dafür bekannt, Fehler seiner Gegner konsequent zu bestrafen und sich bietende Möglichkeiten gnadenlos auszunutzen.
„Ansonsten war das Match einfach so, wie James Wade ist: jede Chance nutzen, die er bekommt“, führt Wattimena fort. „Ich war nie weit weg von ihm, aber das eine kleine Loch, das ich jedes Mal bekam, ging dann doch zu.“
Die Niederlage in Blackpool fügt sich für Wattimena gewissermaßen in das Gesamtbild seiner ersten Saisonhälfte ein. Seine Resultate sind keineswegs schlecht, doch in puncto spielerisches Niveau fehlt ihm nach eigener Einschätzung noch zu häufig die gewünschte Konstanz. „Es ist schon viel Wechselhaftigkeit in den Spielen, wenn man sich das erste Halbjahr anschaut. Es ist nicht so, dass ich sage, es ist schlecht. Es ist ziemlich stabil, aber das Niveau kann noch ein gutes Stück besser werden.“
Van der Voort erkennt dennoch deutlich, welche Fortschritte Wattimena als Spieler gemacht hat. Nachdem sich der Niederländer vor einigen Jahren bereits in die erweiterten Spitzenregionen vorgearbeitet hatte, fiel er zwischenzeitlich zurück, ehe ihm der erneute Weg nach oben gelang. Nach Einschätzung van der Voorts ist Wattimena aus dieser schwierigeren Phase sogar stärker zurückgekehrt, als er zuvor gewesen war.
Wattimena kann sich in Teilen mit dieser Einschätzung identifizieren. Insbesondere die Zeit rund um die Corona-Pandemie stellte ihn vor große Herausforderungen. „Ich habe 2019 natürlich auch ein fantastisches Jahr gehabt. Dann bekommst du diese Corona-Periode. Das waren für mich eigentlich sehr schwierige Jahre“, erzählt er.
Zu dieser Zeit galt seine volle Aufmerksamkeit zudem nicht ausschließlich dem Dartsport. Wattimena trieb viel Sport und beschäftigte sich intensiv damit, Gewicht zu verlieren. Nach seiner Einschätzung machte sich das auch bei seinen Leistungen am Board bemerkbar. „Damals war ich sehr viel mit Sport beschäftigt. Ich habe mich mehr mit Abnehmen beschäftigt. Da merkt man einfach, dass das Niveau in dieser Zeit auch deutlich geringer wurde.“
Die Trendwende setzte ein, als wieder regelmäßig Turniere ausgetragen werden konnten. „Als wir dann wieder konstant mehr Turniere gespielt haben, wurde es Schritt für Schritt besser. Ich habe damals fast gar nicht trainiert.“
Top-16 rückt für Wattimena in Reichweite
Mittlerweile hat sich Wattimena wieder bis unmittelbar an die Top-16 der Weltrangliste herangekämpft. Das ist nicht nur eine eindrucksvolle Bestätigung seiner sportlichen Rückkehr, sondern könnte ihm bei den großen Turnieren auch wichtige Vorteile verschaffen. „Das ist im Grunde der Platz, auf dem man stehen will, natürlich“, sagt Wattimena mit Blick auf die Top-16. „Das gibt für die Turniere schon ein gewisses Sicherheitsgebiet.“
Der 16. Rang kann allerdings auch einen Nachteil mit sich bringen. Aufgrund der Setzsysteme bei großen Turnieren besteht die Möglichkeit, als Nummer 16 vergleichsweise früh auf einen Spieler aus der absoluten Weltspitze zu treffen. Allzu sehr beschäftigt sich Wattimena mit diesem Szenario jedoch nicht.
„Das weiß ich. Das ist bei jedem Turnier so, aber gut: Früher oder später kannst du sowieso auf Luke Littler treffen. Auch diese Spiele müssen einfach gut sein. Ich habe letztes Jahr bewiesen, dass ich gegen ihn auch ein schönes Match abliefern kann.“
Van der Voort gab zu bedenken, dass Littler in seiner aktuellen Verfassung besonders schwer zu bezwingen sei. Wattimena widerspricht dem nicht, sieht darin aber keinen Grund, eine mögliche Begegnung mit ihm zu fürchten. „Ich denke, jeder kann ihn schlagen, aber er ist im Moment schon sehr, sehr gut“, sagt Wattimena.
Gleichzeitig geht der Niederländer davon aus, dass wieder eine Phase kommen wird, in der es den Konkurrenten häufiger gelingt, Antworten auf Littlers Dominanz zu finden. „Irgendwann kommt es dann doch auch wieder so, dass Leute gegen ihn gewinnen, denke ich.“
Wattimena kann über TikTok-Videos schmunzeln
Neben seinen sportlichen Leistungen war auch Wattimenas ungeplante Popularität in den sozialen Medien ein Thema. Ein Ausspruch aus einem früheren Interview mit Viaplay – „Wat wil je horen dan?“ – entwickelte online ein Eigenleben und wird insbesondere auf TikTok vielfach aufgegriffen.
Wattimena selbst bekommt von diesem Phänomen erstaunlich wenig mit. „Ich beschäftige mich damit nicht so, sag ich mal.“ Auf die Frage, ob er jemals darüber nachgedacht habe, selbst etwas aus der Popularität der Clips zu machen, fällt seine Antwort eindeutig aus: „Nein, eigentlich nicht.“
Der Grund dafür ist denkbar einfach. „Ich bin sowieso nicht auf TikTok. Ich bin nur auf Instagram, aber da kommt nicht so viel vorbei. Ich sehe davon sehr wenig.“
Wenn ihn doch einmal eines der Videos erreicht, nimmt Wattimena den Hype mit Humor. „Wenn es vorbeikommt, kann ich darüber nur lachen. Dann macht es den Leuten natürlich auch Spaß und sie haben Freude. Also ja, das ist mir nicht so wichtig.“