Der Finaltag der Nordic Darts Masters in Kopenhagen bot nicht nur Spektakel auf der Bühne, sondern sorgte auch jenseits vom Rampenlicht für Diskussionen. Sowohl Michael van Gerwen als auch Luke Humphries gerieten in Vorfälle mit dem Publikum, während die Stimmung in der Halle das gesamte Wochenende über Gesprächsthema war. Ex-Profi Vincent van der Voort verfolgte die Ereignisse mit Verwunderung und hatte vor allem ein Problem damit, wie Humphries im Nachgang auf seine frühere Kritik zurückkam.
Humphries musste im Finale Van Gerwen den Vortritt lassen, der damit seine eindrucksvolle Titelsammlung erweiterte. Der Engländer wirkte anschließend sichtlich frustriert. Im Interview nach dem Match zeigte er wenig Freude und ließ durchblicken, dass ihn das Verhalten der Fans das ganze Wochenende gestört hatte.
Laut Van der Voort war diese Reaktion durchaus nachvollziehbar. „Er war ziemlich genervt, der hatte die Nase voll vom Publikum“, so der ehemalige Profi im Podcast Darts Draait Door. „Auch hinterher in seinem Interview. Man sah es an seinem Gesicht: Der hatte auf nichts mehr Lust.“
Kritik am Publikum
Das Publikum in Kopenhagen zeigte sich laut mehreren Spielern von einer weniger schönen Seite. Diverse Dartspieler wurden während ihrer Matches ausgepfiffen und hatten mit störenden Reaktionen aus der Halle zu kämpfen. Humphries war nicht der Einzige, den das ärgerte, aber er gehörte zu den wenigen, die offen darüber sprachen.
Gerade deshalb fand Van der Voort es schade, dass die Nummer zwei der Welt einen Tag später über soziale Medien eine versöhnliche Botschaft teilte, in der er den Fans doch noch für ihre Unterstützung beim Event dankte. „Danach kam er mit so einer lahmen Erklärung in seinen sozialen Medien, in der er die Fans trotzdem bedankte“, sagt Van der Voort. „Das kommt alles aus seinem Management.“
Der Niederländer findet, dass Spieler ruhig ehrlich sein dürfen, wenn sich das Publikum danebenbenimmt. „Ich finde es gut, dass er es einmal sagt. Die Spieler kommen nach Kopenhagen, um das Publikum zu unterhalten, und werden dann ständig ausgepfiffen. Wenn dich das stört, darfst du das ruhig aussprechen. Dann solltest du nicht einen Tag später deine Aussage wieder kassieren.“
Auch Michael van Gerwen sorgte während des Turniers für auffällige Szenen. In seinem Viertelfinale ärgerte sich der dreifache Weltmeister sichtbar über einen Fan, der als Elvis Presley verkleidet direkt neben der Bühne stand. Der Supporter zog mit seinem auffälligen weißen Outfit und seinen Bewegungen entlang der Seitenlinie des Spielfelds permanent die Aufmerksamkeit auf sich.
Van Gerwen griff schließlich ein und bat die Organisation, den Mann aus dieser Position zu entfernen. Der Vorfall löste sofort Diskussionen in den sozialen Medien aus, wo einige fanden, der Niederländer habe überreagiert.
Nach Ansicht von Van der Voort ist das differenzierter zu betrachten. „Er hatte die Nase voll“, berichtet er über ein Telefonat, das er nach dem Match mit Van Gerwen führte. „Aber er war auch realistisch. Wenn du gut wirfst, bemerkst du es oft wenig. Nur wenn es nicht läuft und du siehst diesen Elvis die ganze Zeit mit seinem auffälligen weißen Anzug hin und her laufen, dann fängt es an zu nerven.“
Der ehemalige Profi kann daher nachvollziehen, dass Van Gerwen Alarm schlug. „Logisch, dass er dann etwas sagt. Die Leute vergessen manchmal, wie viel Konzentration es auf dieser Bühne braucht. Eine Ablenkung kann schon den Unterschied machen.“
Michael van Gerwen gewann am vergangenen Wochenende die Nordic Darts Masters
Wiederkehrende Debatte
Die Ereignisse in Kopenhagen heizen erneut die Diskussion über die Rolle des Publikums bei großen Dartturnieren an. Die Sportart ist bekannt für ihre ausgelassene Atmosphäre, bunte Verkleidungen und lautstarke Fans. Zugleich wird immer häufiger kritisiert, dass einige Unterstützer Grenzen austesten, indem sie Spieler bewusst ablenken oder dauerhaft ausbuhen.
Für Van der Voort ist das Fazit klar. Stimmung gehört zum Darts, aber der Respekt vor den Spielern sollte immer an erster Stelle stehen. „Supporter dürfen Spaß haben und Lärm machen, das gehört beim Darts dazu. Aber wenn es vor allem darum geht, Spieler zu sabotieren, schießt man übers Ziel hinaus. Am Ende kommen die Jungs, um ein Match zu spielen und dem Publikum einen schönen Abend zu bereiten.“
Mit der Aufmerksamkeit, die die Vorfälle erhalten haben, scheint die Debatte über das Verhalten der Zuschauer vorerst nicht zu verstummen. Eines ist sicher: Van Gerwens Spiel brachte ihm den Titel ein, doch die Gespräche danach drehten sich mindestens ebenso sehr um das, was neben dem Board passierte.