„Dann wurde mein Arm schwer und ich habe nicht mehr die Höhe gefunden“ – Debütant Nick Zwittnigg verpasst Überraschung gegen Andrew Gilding nur knapp

PDC
Samstag, 09 Mai 2026 um 12:30
dartboard
Für Nick Zwittnigg wurde es ein Nachmittag, den er nie vergessen wird. Der junge Österreicher gab sein Debüt auf der European Tour und wusste sofort zu überzeugen, indem er Andrew Gilding bis aufs Äußerste forderte. Obwohl Zwittnigg am Ende knapp unterlag, überwogen nachher vor allem Stolz und Ungläubigkeit beim Debütanten.
Zwittnigg verlor schließlich mit 6:4 in der Auftaktrunde der Austrian Darts Open, genoss die Erfahrung jedoch sichtlich. „Der Walk-on war wegen all der Emotionen und Nerven echt heftig“, erklärte Zwittnigg im Anschluss gegenüber Dartsnews.de. „Aber sobald ich auf der Bühne stand, fühlte es sich großartig an.“
Für den Österreicher war es direkt eine Begegnung mit der einzigartigen Atmosphäre eines großen PDC-Turniers. Trotz einer Freitagmittag-Session stand das Publikum geschlossen hinter dem Lokalmatador. „Die Fans standen komplett hinter mir“, grinste er. „Vor allem nach dem 101-Finish. Danach war die Halle am beben. Das war krass.“

Erstes Kennenlernen mit der großen Bühne

Für viele junge Spieler bleibt ein Debüt auf der European Tour jahrelang ein Traum. Für Zwittnigg ging dieser Traum plötzlich schneller in Erfüllung als erwartet. Noch vor Kurzem war er vor allem bei regionalen Turnieren und WDF-Events aktiv, nun stand er einem erfahrenen Major-Sieger auf einer großen TV-Bühne gegenüber. Die Emotionen waren entsprechend groß, als er die Arena betrat. „Diese ersten Rufe aus dem Publikum und die Gesänge ‚Wir sind aus Österreich‘ da bekommt man schon irrsinnige Gänsehaut“, sagte er sichtlich beeindruckt. „Tolles Gefühl einfach.“
Genau das machte seinen Auftritt besonders. Selbst in einer vergleichsweise ruhigen Nachmittagssession sorgte das österreichische Publikum für eine beeindruckende Stimmung. „Solche Jubelmomente, wenn man ein Finish wirft, bin ich überhaupt nicht gewohnt“, gab Zwittnigg zu. „Es war wirklich eine fantastische Erfahrung.“

Vom WM-Zuschauer auf die European Tour-Bühne

Dass Zwittnigg überhaupt auf dieser Bühne stand, hätte er selbst vor wenigen Monaten wohl nicht zu träumen gewagt. Der Österreicher bezeichnet sich nach wie vor als relativen Neuling in der Dartswelt. „Ich wusste, dass meine Trainings in den letzten Wochen sehr gut liefen“, erzählte er. „Deshalb dachte ich, dass es vielleicht möglich ist, ein paar Spiele zu gewinnen im Qualifikationsturnier.“
Dass er sich jedoch gleich bei seinem ersten Qualifikationsversuch für ein European Tour-Turnier durchsetzen würde, kam selbst für ihn überraschend. „Dass es direkt beim ersten Versuch mit der Quali geklappt hat, hätte ich wirklich nicht erwartet.“
Seine Geschichte ähnelt der vieler anderer junger Dartspieler. Auch Zwittnigg fand durch das Verfolgen der Darts-WM zur Sportart. „Ich habe immer gerne die WM geschaut und mir schließlich selbst ein Board gekauft, um etwas zu trainieren“, berichtet er. „Später habe ich nach einem Verein gesucht und ihn schließlich in Klagenfurt gefunden.“
Von da an wurde Darts nach und nach zu einer ernsthaften Leidenschaft. „Mein Ziel war eigentlich einfach, immer besser zu werden.“
Andrew Gilding in Aktion
Andrew Gilding war mit 6:4 zu stark für Nick Zwittnigg in der Auftaktrunde der Austrian Darts Open 

Road to Q-School

Auch wenn sein Name in der breiten Öffentlichkeit noch relativ unbekannt ist, hat Zwittnigg durchaus ernsthafte Ambitionen. In den sozialen Medien verweist er bereits offen auf sein großes Ziel: die Teilnahme an der Q-School der PDC. „Wahrscheinlich gehe ich nächstes Jahr zur Q-School“, bestätigte er. „Und danach sehen wir, wohin die Reise geht.“
Diese Aussage zeigt, dass der Auftritt auf der European Tour für Zwittnigg wohl erst der Anfang ist. Sein starker Auftritt gegen Gilding bewies jedenfalls, dass er das Niveau hat, um gegen erfahrene Tour-Spieler mitzuhalten.

Trotz Niederlage überwiegt der Stolz

Natürlich war im Anschluss auch ein wenig Enttäuschung dabei. Zwittnigg spürte während des Matches, dass vielleicht sogar mehr möglich gewesen wäre. Beim Stand von 4:4 witterte der Österreicher ernsthafte Chancen gegen Gilding, der sicher nicht sein bestes Spiel zeigte. „In dem Moment wusste ich: Er macht Fehler und ich habe die Chance, mitzuhalten“, blickte Zwittnigg zurück.
Doch genau dann meldeten sich die Nerven zurück. „Dann wurde mein Arm schwer und ich habe nicht mehr die Höhe gefunden.“
Dieser fehlende Rhythmus und die fehlende Lockerheit kosteten ihn letztlich das Match. Vor allem im neunten und zehnten Leg hatte Zwittnigg Schwierigkeiten, noch Triples zu treffen. „Die Nerven kamen in dieser Phase absolut zurück“, gab er ehrlich zu. „Ich wusste, dass ich Chancen hatte, und dadurch wurde es dann irrsinnig schwer.“
Trotzdem blickte der junge Österreicher vor allem positiv auf seine Leistung. „Am Ende überwiegt absolut die Freude, dass ich hier überhaupt spielen durfte“, sagte er. „Es war eine unglaubliche Erfahrung.“
Und das zu Recht. Vier Legs gegen einen Spieler vom Kaliber Gilding bei deinem Debüt auf einer großen Bühne zu gewinnen, ist alles andere als selbstverständlich. „Ich habe vier Legs auf dieser Bühne geholt. Darauf darf ich absolut stolz sein.“

Wichtige Lehre für die Zukunft

Für Zwittnigg könnte dieser Auftritt ein entscheidender Moment in seiner Entwicklung sein. Vor lautem Publikum zu spielen, mit Nerven umzugehen und unter Druck Leistung zu bringen, sind Erfahrungen, die junge Spieler normalerweise erst viel später sammeln.
Der Österreicher erhielt nun direkt einen Vorgeschmack auf das höchste Niveau – inklusive aller dazugehörigen Emotionen. Sein Auftritt zeigte zudem, dass er über genug Talent verfügt, um den Schritt in Richtung Profidarts weiter ernsthaft anzugehen. Die Kombination aus starken Finishes, Kampfgeist und sichtbarer Freude auf der Bühne beeindruckte das Publikum. Damit scheint Österreich möglicherweise um einen weiteren interessanten Namen für die Zukunft reicher zu sein.
Nach all der Anspannung will Zwittnigg an diesem Wochenende vor allem alles genießen, was er erlebt hat. Anstatt direkt nach Hause zu fahren, bleibt er noch beim Turnier, um den Rest der Spieler in Aktion zu sehen. „Ich werde mir auf jeden Fall die Nachmittags- und Abendsession anschauen“, sagte er nach dem Spiel. „Und dann sehen wir, was das Wochenende sonst noch bringt.“
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