„Ich bin nicht der Retter des deutschen Darts und konzentriere mich vor allem auf mich selbst“ – Niko Springer leidet nicht unter dem Druck, der auf ihn ausgeübt wird
Niko Springer hat erneut bewiesen, warum er als eines der größten Talente im deutschen Darts gilt. Bei den Austrian Darts Open zog der junge Deutsche dank eines hart erkämpften Sieges in die zweite Runde ein, wobei vor allem seine Finishes den Unterschied machten. Mit unter anderem einem spektakulären 167-Finish entschied Springer schließlich die Partie für sich, auch wenn er nach dem Match alles andere als völlig zufrieden mit seinem Spiel war.
In der Auftaktrunde der Austrian Darts Open setzte sich Springer am Ende mit 6-3 gegen den Waliser Nick Kenny durch. „Ich bin eigentlich gar nicht gut in die Partie gekommen“, blickte Springer selbstkritisch bei einem Interview mit Dartsnews.de nach dem Spiel zurück. „Ich hatte Probleme und ließ mich am Anfang ein wenig von den niedrigen Scores im Match mitreißen.“
Dieses ehrliche Selbstbild zeichnet den Deutschen aus. Trotz steigender Resultate blickt Springer vor allem auf die Qualität seines eigenen Spiels — und darin sieht er noch viel Luft nach oben. „Ich habe versucht, mich wirklich in das Match hineinzubeißen“, führte er fort. „Letztlich denke ich, dass vor allem meine Finishes mir geholfen haben, durchzukommen.“
Starke Ergebnisse, aber noch nicht zufrieden
In den vergangenen Monaten hat Springer auf der European Tour mehrfach beeindruckt. Früher in dieser Saison erreichte er bereits ein Viertelfinale und will jetzt ins zweite Achtelfinale in Folge.
Dennoch verweigert der Deutsche sich verfrühter Zufriedenheit. „Wenn man nur auf die Ergebnisse schaut, darf ich durchaus zufrieden sein“, räumte er ein. „Aber mit meinem Niveau noch nicht komplett.“
Laut Springer liegt seine Decke nämlich noch deutlich höher. „Ich denke, in meinem Spiel steckt noch enorm viel Potenzial. Daran versuche ich hart zu arbeiten, und wenn das gelingt, folgen die Resultate von selbst.“
Diese Aussage sagt viel über die Mentalität des jungen Deutschen aus. Während viele Spieler sich vor allem auf Rankings und Ergebnisse fokussieren, scheint Springer vor allem damit beschäftigt zu sein, sein Spiel zu perfektionieren.
Erster Euro Tour-Titel veränderte weniger als erwartet
Im vergangenen Jahr feierte Springer seinen großen Durchbruch mit dem Gewinn seines ersten European Tour-Titels. Ein solcher Sieg sorgt oft für höhere Erwartungen, mehr Aufmerksamkeit und eine völlig neue Position innerhalb der Dartswelt. Dennoch sagt Springer, dass sich intern eigentlich wenig verändert hat. „Eigentlich hat sich gar nicht so viel geändert“, erzählt er. „Natürlich bekommst du einen ordentlichen Schub in der Rangliste, aber ansonsten versuche ich einfach, immer auf das nächste Turnier zu schauen.“
Der Deutsche weiß zudem, wie schnell Erfolg im Darts wieder verpuffen kann. „Natürlich ist es großartig, ein European Tour-Turnier zu gewinnen, aber ich weiß auch, wie schnell es anders laufen kann. Deshalb ist meine größte Motivation, konstant zu performen.“
Diese nüchterne Haltung scheint ihm vorerst gutzutun. Trotz seines jungen Alters wirkt Springer in seiner Herangehensweise an das Profilager bemerkenswert abgeklärt.
In der nächsten Runde wartet ein besonderes Duell mit Wessel Nijman. Beide kennen einander in- und auswendig aus ihrer gemeinsamen Zeit auf der Development Tour, wo sie 2024 mehrere Finals gegeneinander bestritten. „Ich denke, wir wissen beide ganz genau, was der andere kann“, sagt Springer. „Dieser Kampf auf der Development Tour war wirklich schön.“
Die Rivalität zwischen den beiden Talenten entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem der interessantesten Duelle der neuen Generation. Beide landeten damals an der Spitze der Development Tour Order of Merit und sind altersmäßig nahezu auf Augenhöhe gewesen.
Dennoch erkennt Springer ehrlich an, dass Nijman in seiner Entwicklung aktuell vielleicht einen Tick weiter ist. „Auf Basis seiner aktuellen Form hat er vielleicht einen kleinen Vorteil“, gibt er zu. „Aber das motiviert mich nur zusätzlich.“
Denn obwohl Springer sichtlich Respekt vor den Leistungen des Niederländers hat, will er vor allem selbst zeigen, dass er auf höchstem Niveau mithalten kann. „Wessel spielt momentan wirklich phänomenal. Davor kann man nur Respekt haben. Aber ich will morgen natürlich einfach gewinnen.“
Niko Springer trifft in der zweiten Runde der Austrian Darts Open auf Wessel Nijman
Inspiriert von den Erfolgen Nijmans
Dass Nijman derzeit Titel um Titel holt, bleibt auch Springer nicht verborgen. Der Deutsche sieht seinen niederländischen Generationskollegen als wichtigen Gradmesser dafür, wohin er selbst will. „Ja, das inspiriert auf jeden Fall“, sagt er. „Wessel spielt schon etwas länger auf der Tour und konnte dadurch etwas mehr Erfahrung sammeln, aber was er derzeit zeigt, ist wirklich beeindruckend.“
Springer blickt dabei vor allem auf die lange Perspektive. Er weiß, dass Entwicklung Zeit braucht und Erfahrung auf dem höchsten Niveau ein entscheidender Faktor ist. Dennoch liefert seine aktuelle Form genügend Gründe für Optimismus. Seine Auftritte auf der European Tour belegen, dass er inzwischen strukturell mit den besseren Spielern auf dem Circuit mithalten kann.
Auch wenn das 167-Finish den absoluten Höhepunkt der Partie darstellte, sah Springer selbst noch einen anderen Moment als entscheidend an. „Die 167 war sicher wichtig“, sagt er. „Aber ich denke, dass das 126-Finish vielleicht genauso wichtig war.“
Laut dem Deutschen hatten diese Finishes vor allem eine mentale Wirkung. „Es war wichtig, ein Statement zu setzen und zu zeigen, dass ich immer noch da bin. Gerade am Anfang lief mein Scoring überhaupt nicht.“
Zudem spürte Springer, dass auch sein Gegner nur schleppend in die Partie fand, doch zunächst gelang es ihm nicht, optimal davon zu profitieren. „Ich habe Chancen liegen lassen, obwohl mein Gegner ebenfalls nicht gut in der Partie war. Deshalb waren diese hohen Finishes wirklich wichtig, um mir Selbstvertrauen zu geben.“
Diese Fähigkeit, in wichtigen Momenten mit einem hohen Finish zuzuschlagen, ist eine der Eigenschaften, die Springer derzeit auf der European Tour so gefährlich machen.
Während des Matches fiel auch der Unterschied im Tempo zwischen Springer und seinem Gegner auf. Während sein Kontrahent am Oche regelmäßig viel Zeit nahm, versuchte Springer vor allem, sein eigenes Tempo zu halten. „Ich versuche wirklich, komplett bei mir zu bleiben“, erklärt er. „Die Momente, in denen ich etwas mehr Zeit brauche, nehme ich mir ganz bewusst.“
Nach Springers Ansicht hat es wenig Sinn, sich vom Rhythmus eines Gegners beeinflussen zu lassen. „Natürlich hat er etwas langsamer gespielt, aber das ist für mich keine Ausrede. Ich fokussiere mich auf mein eigenes Spiel, und das funktioniert im Moment ziemlich gut.“
Diese mentale Ruhe scheint ein wichtiger Bestandteil seiner Entwicklung zu sein. Gerade in jungen Jahren schaffen es nur wenige Spieler, sich während eines Matches vollständig von äußeren Faktoren abzuschirmen.
Da mehrere deutsche Spieler frühzeitig ausschieden, lag während des Turniers zusätzliche Aufmerksamkeit auf Springer. Dennoch weigert er sich, sich selbst als den Retter des deutschen Darts zu sehen. „Natürlich bin ich froh, dass ich weitergekommen bin“, sagt er. „Aber das hat nichts damit zu tun, wie andere deutsche Spieler abgeschnitten haben.“
Der Deutsche blickt vor allem auf seinen eigenen Weg. „Ich versuche, mich vollständig auf mich selbst zu konzentrieren. Am Ende will ich einfach so weit wie möglich im Turnier kommen.“