Wessel Nijman bleibt in beeindruckender Form. Bei
Players Championship 12 in Milton Keynes sicherte sich der junge Niederländer den nächsten Titel einer ohnehin bemerkenswert erfolgreichen Saison. Im Finale
setzte er sich gegen seinen Landsmann Jermaine Wattimena durch – allerdings erst nach einem wechselhaften und hochspannenden Duell, das einmal mehr unterstrich, warum Nijman derzeit zu den gefährlichsten Akteuren auf der
Pro Tour zählt.
Der Auftakt ins Endspiel verlief für Nijman alles andere als ideal. In den vergangenen Monaten hatte er sich insbesondere durch seine enorme Scoring-Power und seine Sicherheit auf die Doppelfelder ausgezeichnet, doch diesmal tat er sich zunächst schwer. „Es war ein nervöses Finale“, gab er anschließend im
PDC-Interview offen zu. „Ich lag schnell zurück, vor allem, weil ich in den ersten Legs Doppel verpasste.“
Nijman dreht ein kompliziertes Finale
Besonders auffällig war dabei ein ungewöhnlicher Moment: Nijman überwarf sich bei 16 Restpunkten – ein Fehler, der auf diesem Niveau nur selten vorkommt und die Anspannung der Partie deutlich machte. „Das passiert nicht oft“, erklärte er selbst. „Dadurch habe ich es mir unnötig schwer gemacht.“
Wessel Nijman setzt seine starke Form fort: Mit dem Finalsieg gegen Jermaine Wattimena in Milton Keynes macht der Niederländer einen wichtigen Schritt Richtung Top 16 der Order of Merit.
Gerade in dieser Phase zeigte sich jedoch, wie sehr sich sein Spiel weiterentwickelt hat. Während ihn solche Situationen früher mitunter aus dem Konzept gebracht hätten, blieb er diesmal ruhig, fand zurück in seinen Rhythmus und arbeitete sich Schritt für Schritt zurück in die Partie.
Die entscheidende Wende kam schließlich zum richtigen Zeitpunkt. Vor allem ein 57er-Finish mit dem letzten Dart erwies sich als Schlüsselmoment. „Das war sehr wichtig“, betonte Nijman. „In solchen Momenten musst du liefern.“
Bis in die Schlussphase hinein blieb das Finale offen – auch, weil Wattimena seinerseits Chancen auf Doppel ungenutzt ließ. Am Ende neigte sich das Match jedoch zugunsten von Nijman. „Am Ende bekam ich das Glück ein bisschen zurück“, sagte er. „Jermaine verpasste auch ein paar Doppelfelder. Ich bin einfach sehr froh, dass ich es zugemacht habe.“
Ein verdienter Titelträger
Laut Nijman spiegelte das Finale im Grunde den Verlauf seines gesamten Turniertages wider. „So war es eigentlich den ganzen Tag“, erklärte er. „Manchmal mache ich es mir durch Fehler schwer, aber am Ende habe ich das Gefühl, dass ich meine Spiele verdient gewonnen habe.“
Dabei bewertet er seine Leistungen differenziert. Lediglich im Match gegen Tom Sykes sah er das Ergebnis auf der Kippe. „Da hatte ich Glück, weil er einen Matchdart verpasst hat“, räumte Nijman ein. „Aber in den anderen Partien war ich einfach der bessere Spieler, und das galt auch fürs Finale.“
Es ist erst April, doch bereits jetzt hat Nijman mehr Titel gesammelt, als in seiner gesamten PDC-Karriere zuvor. Sein Lauf im Jahr 2026 gehört bislang zu den auffälligsten Entwicklungen auf der Tour.
Vor allem bei den sogenannten Floor-Turnieren fühlt sich der Niederländer derzeit besonders wohl. „Auf der Pro Tour läuft es richtig gut“, sagte er. „Wenn alles zusammenpasst und du den ganzen Tag solche Spiele machst, nimmst du dieses Gefühl mit ins nächste Turnier.“
Mit jeder weiteren Finalteilnahme wächst dabei auch seine Erfahrung. „Wenn du das einmal erlebt hast, weißt du, wie du dich zusammenhalten musst“, erklärte er. „Und dann versuchst du, das das ganze Jahr mitzunehmen.“
Der Erfolg in Milton Keynes hat jedoch nicht nur sportlich Gewicht, sondern wirkt sich auch direkt auf die Rangliste aus. Im Rennen um einen Platz unter den Top-16 der Order of Merit hatte das Finale gegen Wattimena zusätzliche Bedeutung.
Vor Turnierbeginn lagen beide Niederländer nahezu gleichauf, getrennt nur durch einen kleinen Preisgeldunterschied. Durch seinen Turniersieg zog Nijman nun wieder an seinem Landsmann vorbei. „Ich wusste, dass der Abstand klein war“, sagte er. „Meiner Meinung nach so um die 2.000 Pfund.“
Gerade deshalb bleibt das Rennen in den kommenden Monaten spannend. Dennoch misst Nijman diesem Schritt große Bedeutung bei. „Das ist ein großer Schritt Richtung Top 16“, betonte er. „Und ich hoffe, dass noch viele Schritte folgen.“
„Das war eines meiner Ziele für dieses Jahr“
Ein Platz unter den besten 16 der Welt bringt entscheidende Vorteile mit sich – insbesondere auf der European Tour. Gesetzte Spieler steigen dort erst in der zweiten Runde ein und sparen damit eine zusätzliche Partie. „Das war eines meiner Ziele für dieses Jahr“, erklärte Nijman. „In die Top-16 zu kommen und diesen Vorteil zu haben.“ Neben geringerer Belastung erhöht das auch die Chancen auf tiefe Turnierläufe.
Hinzu kommt eine günstigere Auslosung bei großen Major-Turnieren. „Dass du dieses Ziel jetzt schon so früh im Jahr erreichst, fühlt sich wirklich wie ein Privileg an“, sagte Nijman.
Auf der Tour setzt sich inzwischen zunehmend die Einschätzung durch, dass man dem formstarken Niederländer derzeit lieber aus dem Weg geht. Seine Leistungen sprechen für sich – und sein Selbstvertrauen ist spürbar gewachsen. Er selbst reagiert darauf gelassen. Ob ihn Gegner aktuell lieber meiden? Nijman lächelte nur. „Ich weiß nicht, ob das jeder so sieht“, sagte er. „Aber ich hoffe es.“