„Die Tatsache, dass er nicht überzeugt hat, bedeutet nicht, dass er es nicht kann“ – Rob Cross sieht keinen Grund zur Panik um Josh Rock

PDC
Freitag, 14 August 2026 um 8:00
Rob Cross (2)
Rob Cross ist überzeugt, dass Josh Rock sich von einer schwierigen Premier-League-Saison erholen wird. Der Nordire erlebte in den vergangenen Monaten nicht die erhoffte Entwicklung, doch für Cross ist diese Phase vor allem eine wichtige Lehrzeit. Der Ex-Weltmeister sieht weiterhin einen Spieler mit außergewöhnlichem Talent und glaubt, dass Rock gestärkt aus dieser Durststrecke hervorgehen wird.
Rock beeindruckte in den vergangenen Jahren mit hohem Scoring und zeigte schon letzte Saison, dass er mit der absoluten Weltspitze mithalten kann. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, als er in diesem Jahr sein Debüt in der Premier League Darts geben durfte. Doch die Aufgabe erwies sich als deutlich schwieriger als erwartet.
Cross, der in seiner Karriere selbst viele Höhen und Tiefen erlebt hat, verweist vor allem auf den enormen Unterschied zwischen einem regulären PDC-Abend und der Atmosphäre in der Premier League. „Wenn ich ganz ehrlich bin: Josh ist ein unglaublicher Spieler. Er ist extrem talentiert und kann gewaltig scoren. Manchmal lassen ihn die Doppelfelder im Stich, und das weiß er selbst. Er bekommt Chancen, lässt aber auch einige liegen.“
Das sei an sich kein außergewöhnliches Problem, so Cross. Jeder Spieler erlebt Phasen, in denen die Doppel nicht fallen, doch bei Rock kam in dieser Saison ein weiterer Faktor hinzu. Der enorme Druck und die speziellen Bedingungen der Premier League wurden zur Zusatzhürde. „Alle Spieler machen das zu bestimmten Zeiten durch. Der große Unterschied in diesem Jahr ist, dass Josh letztes Jahr schon so viel gezeigt hat. Er erreichte Halbfinals und spielte auf hohem Niveau. Vielleicht erwartete er, die Premier League wäre einfach wie eine normale European Tour oder ein anderes Turnier. Aber diese Premier-League-Abende sind nicht dasselbe.“

Beeindruckende Rahmenbedingungen

Cross weiß aus eigener Erfahrung, wie beeindruckend die Bedingungen sein können. Die Atmosphäre sei seiner Meinung nach von völlig anderer Qualität als bei vielen anderen PDC-Turnieren. „Sie ist völlig anders. Es ist wahrscheinlich dreimal so laut. Man kann spüren, wie die Bühne buchstäblich vibriert.“
Das kann laut Cross großen Einfluss auf einen Spieler haben, der mit solchen Umständen noch relativ wenig Erfahrung hat. Rock wirkt auf der Bühne mitunter etwas angespannt oder nervös, und gerade in einem kurzen Format wird das gnadenlos bestraft. „Josh kann manchmal ein wenig angespannt und nervös sein, und das verstehe ich. In so einem kompromisslosen Format, mit Matches über Best of 11 legs, ist es nicht leicht, den Start einer Partie zu überstehen, wenn man noch nicht ganz angekommen ist. Man muss versuchen, diese erste Phase zu überstehen, um am Ende das gewünschte Ergebnis zu erzielen.“
Dennoch erwartet Cross nicht, dass die schwierige Premier-League-Phase dauerhaft negative Folgen für Rock hat. Im Gegenteil. Der Engländer ist überzeugt, dass der Nordire vor allem wertvolle Erfahrungen gesammelt hat, die ihm künftig helfen werden. „So wie ich Josh kenne, wird er alles Positive aus dieser Erfahrung mitnehmen. Er wird aus dem, was passiert ist, lernen und einfach weitermachen. Nächstes Jahr wird er wieder besser sein. Das wird ihn nicht brechen und auch nicht beschädigen.“
Josh Rock in Aktion
Josh Rock beendete die Premier League Darts 2026 auf dem letzten Platz
Cross räumt ein, dass die Premier League für Rock sportlich wohl als Enttäuschung zu werten ist. „Es war für ihn in der Premier League wahrscheinlich negativ, und das wird er selbst auch zugeben. Aber manchmal braucht man genau solche Erfahrungen.“

Blick aufs WM-Darts

Zudem richtet Cross den Blick bereits auf die kommende WM. Die PDC zieht in eine größere Halle um, wodurch die Spieler erneut mit einer ungewohnten Umgebung konfrontiert werden. Für Rock könnte die Premier-League-Erfahrung daher besonders wertvoll sein. „Wenn man auf die WM in diesem Jahr schaut, dann ändert sich die Halle und wir gehen in einen größeren Raum. Das wird für alle Spieler wieder völlig anders sein. Ich kann mir vorstellen, dass es der Premier League ähnelt.“
Cross weiß, wie groß der Unterschied sein kann, wenn das Publikum wächst. „Ich habe dort vor dreitausend Menschen gespielt und weiß, wie laut es sein kann. Aber wenn man das auf sechs- oder siebentausend verändert, wird das für die meisten Spieler anders sein.“
Nicht jeder Spieler fühlt sich in so einer Umgebung sofort wohl, betont Cross. „Es ist ein Umfeld, in dem sich nicht jeder sofort zurechtfindet. Das behaupte ich mit Überzeugung. Aber man gewöhnt sich daran. Man nimmt diese Erfahrung mit und wird besser dadurch.“
Genau deshalb rechnet Cross damit, dass Rock am Ende stark zurückkommt. Die Qualitäten des Nordiren stehen für ihn außer Frage, zudem hat Rock die richtigen Leute um sich. „Er wird zurückprallen, absolut. Ich weiß, dass er das tun wird. Er ist zu gut, um es nicht zu tun. Außerdem hat er gute Leute um sich, die ihm helfen, seine Ziele zu erreichen. Das ist wichtig.“

Decke noch nicht erreicht

Für Cross darf ein weniger erfolgreiches Kapitel nicht als Hinweis gelten, Rock habe bereits seine Decke erreicht. Eine schwierige Phase bedeutet nicht, dass ein Spieler seine Qualitäten verloren hat. „Die Tatsache, dass er nicht so performt hat, wie er wollte, heißt nicht, dass er es nicht kann. Diese Erfahrung wird ihm in Zukunft sogar sehr zugutekommen. Von hier aus kann er darauf aufbauen.“
Cross sieht in Rock vor allem einen jungen Spieler, der sich weiterentwickelt. Die Premier League hat ihn mit einem Level an Druck und Rahmenbedingungen konfrontiert, das er in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Genau diese Lektionen können ihm helfen, stabiler zu werden, wenn er wieder auf den größten Bühnen antritt.
Die Botschaft von Cross ist eindeutig: Rock muss seine schwierige Saison nicht als Rückschritt sehen, sondern als Investition in die Zukunft. Mit seinem Scoring, Talent und der richtigen Begleitung hat der Nordire laut Cross alles, um den Weg zurück an die Weltspitze zu finden.
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