Raymond van Barneveld kämpft seit geraumer Zeit mit seiner Form. Der fünffache Weltmeister bleibt hinter den eigenen Ansprüchen zurück und sucht nach einem Weg aus der sportlichen Sackgasse. Nach der vergangenen Weltmeisterschaft richtete „Barney“ einen öffentlichen Hilferuf an sein Umfeld – und erhielt überraschend Unterstützung von Ex-Fußballprofi Rafael van der Vaart.
Die
angekündigte Zusammenarbeit sorgt jedoch für Diskussionen. Im Podcast von
Sportnieuws.nl äußern die ehemaligen Hockey-Nationalspielerinnen Ellen Hoog und Naomi van As deutliche Zweifel daran, dass ausgerechnet Van der Vaart den Niederländer zurück in die Spur bringen kann. Die These des Podcasts formuliert es zugespitzt: „Rafael van der Vaart bringt
Raymond van Barneveld wieder auf Kurs.“ Hoog positioniert sich klar: „Nein, dagegen.“
Zweifel an der Wirkung der prominenten Unterstützung
Für Ellen Hoog liegt die Verantwortung eindeutig beim Spieler selbst. „Letztlich muss Van Barneveld es wirklich selbst schaffen. Er hat in der Vergangenheit schon so viele Helfer ins Boot geholt“, betont die Olympiasiegerin. Tatsächlich arbeitete Van Barneveld in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Trainern, Mentalcoaches und Betreuern zusammen. Der nachhaltige Erfolg blieb dennoch aus.
Raymond van Barneveld befindet sich aktuell in einer echten Krise
Hoog verweist damit auf ein zentrales Problem: Externe Impulse können unterstützen, doch sie ersetzen keine innere Überzeugung. Gerade im Darts, wo Konstanz und Selbstvertrauen über Sieg und Niederlage entscheiden, braucht es eine stabile mentale Basis. Van Barneveld suchte immer wieder nach neuen Ansätzen, doch bislang fehlte die durchschlagende Wirkung.
Rafael van der Vaart bot seine Hilfe an, nachdem Van Barneveld offen über Frust, Druck und mentale Blockaden gesprochen hatte. Allerdings haben die beiden nach Angaben aus dem Podcast noch kein ausführliches Gespräch geführt. „Sie haben noch nicht einmal ein gemeinsames Gespräch geführt. Also wissen wir gar nicht, worin diese Hilfe genau bestehen soll“, stellt Hoog nüchtern fest.
Dennoch zeigt sich Van Barneveld begeistert von der Idee. Laut Hoog ist er regelrecht angetan von der prominenten Unterstützung. Diese Bewunderung könnte eine Rolle spielen. „Van Barneveld ist schon völlig aus dem Häuschen, dass er das machen will“, sagt sie kritisch. Sympathie allein garantiert jedoch keine sportliche Trendwende.
Austausch über Sportarten hinweg – sinnvoll, aber kein Allheilmittel
Trotz ihrer Skepsis lehnt Hoog sportartenübergreifende Zusammenarbeit nicht grundsätzlich ab. Im Gegenteil: „Ich bin sehr dafür, dass Sportler aus verschiedenen Disziplinen sich unterstützen. Man kann unglaublich viel voneinander lernen.“ Sie verweist auf ihre eigene Karriere im Hockey. Trainer tauschten sich regelmäßig mit Kollegen aus anderen Sportarten aus, analysierten Trainingsmethoden und diskutierten Strategien.
Ein Beispiel liefert der frühere Bondscoach Mark Lammers, der den Dialog mit Wasserball-Trainern suchte. Solche Gespräche eröffneten neue Perspektiven und förderten Innovation. Allerdings betont Naomi van As einen entscheidenden Unterschied: „Die Trainer haben das gemacht – wir Spielerinnen nicht.“
Genau hier liegt für Hoog der Knackpunkt. Der Austausch auf Trainer-Ebene funktioniere, weil Fachwissen und Methodik im Vordergrund stünden. Bei Van Barneveld gehe es jedoch um eine sehr persönliche Baustelle. „Ich begrüße es, dass Van der Vaart ihm helfen will. Aber ob er ihn wirklich zurückbringt, dafür braucht es sehr viel“, sagt sie.
Die mentale Blockade als Kernproblem
Im Zentrum der Diskussion steht die mentale Verfassung des fünffachen Weltmeisters. Hoog stellt die entscheidende Frage: Wo genau soll Van der Vaart ansetzen? Van Barneveld habe sich in der Vergangenheit bereits mit mentalem Coaching beschäftigt und signalisiert, dass ihn dieser Ansatz nicht weiterbringe. „Wenn er dafür nicht offen ist, wie soll es dann funktionieren?“, fragt Hoog.
Naomi van As sieht darin gerade das Kernproblem. Für sie liegt die Ursache der sportlichen Schwankungen klar im Kopf. Darts verlangt höchste Präzision auf wenigen Millimetern – unter enormem Druck. Wer im entscheidenden Moment zweifelt, verliert. Studien und Erfahrungswerte aus dem Spitzensport gehen davon aus, dass im Präzisionssport bis zu 80 oder sogar 90 Prozent der Leistung mental bestimmt werden.
Van Barneveld selbst wünscht sich offenbar eine direktere Ansprache. „Ich brauche einfach einen Tritt in den Hintern. Jemanden, der mich ins Fitnessstudio scheucht“, zitieren ihn die Podcasterinnen. Dieser Wunsch klingt nach klaren Ansagen und Struktur. Doch genau hier stellt sich die Frage, ob Van der Vaart diese Rolle einnehmen kann oder will.
Der frühere Fußballprofi machte deutlich, dass er nicht persönlich mit Van Barneveld trainieren werde. Stattdessen könne er sein Netzwerk aktivieren und Unterstützung organisieren. Das klingt nach logistischer Hilfe – nicht nach täglicher, konsequenter Begleitung.
Hoog bleibt bei ihrer Einschätzung: Körperliche Fitness sei wichtig, aber nicht der entscheidende Hebel. „Dieses ganze Darts ist zu 80 bis 90 Prozent mental. Es spielt sich enorm im Kopf ab“, erklärt sie. Ein besserer Trainingszustand steigere die Ausdauer bei langen Turniertagen, doch Selbstvertrauen und Fokus entstehen nicht allein durch Krafttraining.
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Aussage von Van der Vaart, die den Kontrast zwischen beiden Persönlichkeiten deutlich macht. „Er darf nicht zu viel nachdenken, er ist zu sehr im Kopf. Und ich bin das Gegenteil, ich denke überhaupt nicht nach“, soll der Ex-Fußballer gesagt haben. Dieser Unterschied beschreibt zwei völlig verschiedene Herangehensweisen an Leistungssituationen.
Während Van Barneveld offenbar zum Grübeln neigt, vertraute Van der Vaart in seiner Karriere stark auf Instinkt und Lockerheit. Ob sich diese Mentalität auf einen Darts-Spieler übertragen lässt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Talent und Erfahrung besitzt Van Barneveld weiterhin. Mit fünf WM-Titeln gehört er zu den erfolgreichsten Spielern der Geschichte.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Hilfe von außen sinnvoll ist, sondern ob Van Barneveld bereit ist, an seiner inneren Haltung zu arbeiten. Ohne diese Bereitschaft wird auch prominente Unterstützung kaum mehr als ein gut gemeinter Impuls bleiben.