Raymond van Barneveld bekommt Unterstützung aus einer unerwarteten Richtung. Ex-Spitzenfußballer Rafael van der Vaart möchte dem fünffachen Darts-Weltmeister helfen, seiner Karriere neues Leben einzuhauchen und noch einmal das volle Potenzial auszuschöpfen.
Der 58-jährige Niederländer will sich in den kommenden Jahren erneut kompromisslos auf seinen Sport konzentrieren, nachdem die ganz großen Resultate zuletzt ausgeblieben sind. „Ich habe noch ein paar gute Jahre vor mir, und daraus will ich alles herausholen“, sagte van Barneveld kürzlich selbstbewusst.
Noch einmal alles geben
Das frühe Aus von
Raymond van Barneveld bei der
vergangenen Darts WM traf nicht nur die Legende selbst hart, sondern auch Rafael van der Vaart. Der frühere HSV-Profi verfolgte in den vergangenen Jahren mit sichtbar schmerzlicher Miene, wie „Barney“ mit seiner Form, dem Selbstvertrauen und dem mentalen Druck rang. Genau das bewegte van der Vaart zum Handeln. „Ich kann nichts versprechen“, sagt der 42-Jährige nüchtern, „aber ich werde mir Mühe geben. Es tut mir wirklich weh zu sehen, wie Raymond in den letzten Jahren herumdümpelt. Ich bin aufrichtig sein Fan“, so van der Vaart laut
NOS.
Für van Barneveld kommt diese Hilfe zur rechten Zeit. Der fünffache Weltmeister gibt offen zu, dass er nicht mehr alles allein bewältigen kann. „Superlieb. Wirklich großartig, dass er sich für mich einsetzen will“, wird Barney von
NOS zitiert. „Ich suche jemanden, der mir ab und zu einen Tritt in den Hintern gibt.“
Dieser „Tritt“ darf für Van Barneveld durchaus wörtlich wie auch im übertragenen Sinn verstanden werden. Er sucht jemanden, der ihn wach hält, ihm Struktur gibt und ihn aus dem eigenen Gedankenkarussell holt. „Es bleibt ein Einzelsport. Man steht oft allein da. Ich habe schon alles Mögliche versucht, aber ich bin für alles offen.“
Einen konkreten Plan gibt es noch nicht, doch der erste Schritt ist gemacht. „Wir gehen demnächst einen Kaffee trinken, und dann wird sich einiges konkretisieren“, erklärt van Barneveld. „Hoffentlich bringt Rafaels Hilfe Linderung, aber ich wage noch nicht zu sagen, wie das genau aussehen wird.“
Kein Gym-Buddy
Wer nun glaubt, van der Vaart werde van Barneveld täglich ins Fitnessstudio schleppen, liegt falsch. Das stellt der Ex-Fußballer selbst mit einem breiten Grinsen klar. „Wenn einer nicht ins Fitnessstudio geht, dann ich“, scherzt er. „Aber ich habe Raymond gesagt, dass ich mich mit meinem Netzwerk reinhängen werde.“
Die Unterstützung soll vor allem auf mentaler und organisatorischer Ebene ansetzen. Van der Vaart will bei Betreuung, Entspannung und diversen Nebenthemen mitdenken. Auch neue Sponsoren spielen eine Rolle. „Das kann ebenfalls Ruhe bringen. Weniger Stress außerhalb des Boards.“
Aus Sicht von van der Vaart verbindet ihn mit van Barneveld mehr, als viele vermuten. „Raymond hat das Darts in den Niederlanden auf die Karte gesetzt“, sagt er anerkennend. „Und Raymond ist, wie ich, ein geborenes Talent. Und dann wird man faul.“
Diese Aussage relativiert er jedoch sofort. „Ich glaube nicht, dass Faulheit das größte Problem ist. Raymond trägt die ganze Welt mit sich herum. Alles ist schwer, alles ist wichtig. Aber wir reden über Darts.“
Genau hier sieht van der Vaart den entscheidenden Ansatzpunkt. „Es ist mental. Ich bin überzeugt, dass Raymond jeden vom Board fegt, wenn er entspannt ist.“
Dabei schreckt der frühere Fußballstar auch vor markanten Aussagen nicht zurück. „Vielleicht muss er vor dem Match wieder vier Bacardis-Cola trinken, wie früher“, sagt van der Vaart augenzwinkernd. „Damals war er locker, unbefangen. Dieses Gefühl muss zurück.“
Gegensätze, die sich stärken können
Van der Vaart versteht sich bewusst als Gegenpol zu van Barneveld – und genau darin sieht er die Chance für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. „Er ist sehr oft mit sich selbst im Clinch und denkt viel zu viel nach. Ich bin eher jemand, der nicht nachdenkt“, sagt er lachend. „Frag nur Estavana (Polman, seine Ehefrau).“
Während van Barneveld als Perfektionist und Grübler gilt, steht van der Vaart für Lockerheit und Relativierung. „Man darf das alles nicht so ernst nehmen“, betont er. „Genieß es. Darts ist großartig, aber es geht nicht um Leben und Tod.“
Van Barneveld erkennt sich in dieser Beschreibung wieder. „Ich bin tatsächlich jemand, der alles mit auf die Bühne nimmt“, gibt er ehrlich zu. „Vielleicht kann Rafael mir helfen, Dinge loszulassen.“
Alte Bekannte
Die Verbindung zwischen van der Vaart und Van Barneveld besteht bereits seit Jahren. Kennengelernt haben sich die beiden 2013, als sie gemeinsam ein Doppelturnier beim HSV gewannen. „Unser Verhältnis war immer gut“, berichtet van Barneveld. „Wir sind stets in Kontakt geblieben.“
Van der Vaart wirft selbst gern ein paar Pfeile, auch wenn eine Profikarriere nie ernsthaft zur Diskussion stand. 2019 trat er noch bei den Danish Open und den Danish Masters an, damals BDO-Turniere. „Aber dabei blieb es“, sagt er lachend. „Ich habe gestern noch mit meinem Sohn gespielt. 3:0 auf die Mütze bekommen bei einem Average von 26.“
Fokus auf Einnahmen und Ruhe
Auffällig ist, dass Van Barneveld
kürzlich entschieden hat,
das Winmau World Masters,
das erste Major des Jahres, auszulassen. Der Grund liegt nicht in seiner Form, sondern im finanziellen Bereich. Stattdessen plant der Niederländer zwei lukrative Exhibitions beim FC Twente.
„Damit rechne ich schlichtweg mit höheren Einnahmen“, erklärte van Barneveld im Vorfeld. Die Entscheidung zeigt deutlich, wie wichtig Ruhe, Balance und finanzielle Sicherheit in dieser Phase seiner Karriere für ihn geworden sind.
Für van Barneveld fühlt sich die mögliche Zusammenarbeit mit van der Vaart wie der Beginn eines letzten Kapitels an. „Ich weiß, dass ich es noch kann“, sagt er kämpferisch. „Aber ich schaffe es nicht mehr allein.“